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Schule

„Netzgänger“: Sicherheit im Internet

Im Projekt „Netzgänger“ beschäftigen sich Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums mit virtuellen Spielewelten, sozialen Netzwerke und Cybermobbing
von Friederike Pater, MZ

Achtung, Cybermobbing: Schüler der 11. Klasse klären jüngere Mitschüler über Gefahren im Netz auf. Foto: Pater

Regensburg. Wie schütze ich mein Facebook-Profil und meine Privatsphäre? Wer sind meine echten Freunde und wer sind nur Facebook-Freunde? Was ist eigentlich Cybermobbing? Und wie viel Zeit sollte ich in der virtuellen Spielewelt verbringen? Diese Fragen stellten sich 24 Schüler der Klasse 6 des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Das Projekt „Netzgänger“ ist auf das „peer-to-peer-Lernen“ ausgelegt, das heißt, Schüler unterrichten Schüler. Die „Lehrer“ aus der 11. Klasse waren für die Organisation und Durchführung der verschiedenen Workshops verantwortlich. Die Schüler können am Siemens-Gymnasium einen medienpsychologisch und medienpädagogisch orientierten Wahlpflichtkurs belegen, in dessen Rahmen das Projekt geplant wird. Zielgruppe waren Schüler der 6. Klasse, da laut der aktuellen KIM-Studie Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf zum ersten Mal mit dem Medium Internet in Kontakt kommen.

Die Workshops bestanden jeweils aus drei Modulen: virtuelle Spielewelten, soziale Netzwerke und Cybermobbing. Zu den Themen gab es Filme, Planspiele und Gruppenarbeiten, aber keinen Zugang zum Internet. „Wir haben die Technik bewusst außen vor gelassen“, erklärt Julia Niedermaier, medienpädagogische Lehrerin am Siemens-Gymnasium und Mitorganisatorin des Projekts. „Das Ziel besteht darin, die Medienkompetenzen und sozialen Fähigkeiten der Kinder zu fördern, sie auf Risiken im Netz aufmerksam zu machen. Mit der Technik umgehen können sie alle.“

Soziale Netzwerke zählen inzwischen zum Alltag der Kinder. Ab einem Alter von 13 Jahren kann ein eigenes Facebook-Profil erstellt werden, viele finden Mittel und Wege, um bereits früher virtuelle Freundschaften zu knüpfen. In dem Workshop „Soziale Netzwerke“ lernen die Schüler, zwischen realen Freunden und Facebook-Freunden zu unterscheiden. Ein Fragebogen erklärt, dass man mit Leuten, die man nur durch das Internet kennt, besser nicht ins Kino gehen sollte.

Eine neuartige Erscheinung ist das Cybermobbing, das Mobbing im Internet über soziale Plattformen. Die Kinder lernen, was diese Art von Schikane bedeutet, wie sie sich äußert und was man machen kann, wenn man selber zum Opfer wird.

Eine große Faszination üben Computerspiele auf Kinder aus. In der virtuellen Spielewelt vergessen sie oft die Zeit. Die Spiele zeigen häufig ein stark verzerrtes Bild der Realität und brutale Gewalt, die dem Alter der Kinder nicht angemessen ist. Im Workshop lernen sie, wie sie einen Zeitplan fürs Spielen erstellen, wo Spielsucht beginnt und welche Wirkungen Spiele haben.

Besonders das „peer-to-peer-Lernen“ sei eine sinnvolle Maßnahme, Aufklärung von Schüler zu Schüler. „Junge Leute kennen sich in Sachen Internet meistens besser aus als die Eltern“, meint Julia Niedermaier, „sie wirken glaubwürdiger und vertrauenserweckend, daher können jüngere Schüler am besten von ihnen lernen.“ Doch auch die lehrenden Schüler, die „Peers“, gaben positive Rückmeldung. Sie haben nicht nur diverse Medienstudien kennengelernt und sich Hintergrundwissen angeeignet, sondern auch ihre eigene Persönlichkeit und ihr Selbstbewusstsein auf die Probe gestellt. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ich habe vieles über mich selber gelernt“, sagt Xenia Streicher, Betreuerin einer Gruppe, „man lernt sich durchzusetzen und die Kinder zum Zuhören zu bringen. Der Lehrer-Job ist wirklich nicht einfach.“

Julia Niedermaier möchte, zusammen mit ihrem Kollegen Jörn Schrader, ebenfalls Medienbeauftragter des Gymnasiums, das Projekt im Schulalltag verankern. Die Workshops sollen von nun an jedes Jahr stattfinden. Für 2014 haben sich bereits 46 Schüler angemeldet, das Interesse ist auf jeden Fall gegeben, so die Pädagogin.

Bisher ist das Werner-von-Siemens-Gymnasium die einzige Schule, die das Projekt durchführt, in der gesamten Oberpfalz sind es insgesamt lediglich zwei weitere. Das Grundkonzept hat die Otto Friedrich-Universität Bamberg, gemeinsam mit zwei Gymnasien, entwickelt. Die „Peers“ durften die Uni besuchen und wurden dort geschult, sie konnten aber auch eigene Ideen einbringen. Ihr Wissen gaben sie dann in den Workshops an die jüngeren Schüler weiter.

Die Stadt Regensburg, verschiedenen Jugendzentren und kirchliche Einrichtungen haben das Projekt tatkräftig unterstützt mit kostenfreien Räumen und Mitarbeitern. Im Jugendzentrum „Fantasy“ beispielsweise konnten die Schüler in einem Workshop mit Esther Christmann vom Jugendamt Regensburg Grundlagen zum Themengebiet Cybermobbing erarbeiten. „Es wäre schön, wenn diese Kooperationen auch im nächsten Jahr wieder so gut funktionieren“, wünscht sich Jörn Schrader.

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