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Umbau

Neue Entdeckung in der Kaiserherberge

Beim Einbau eines Zugangs für Hotelgäste zum Café Goldenes Kreuz wurde eine alte Inschrift entdeckt. Sie wirbt für „Equipagen zur Walhalla“.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Diese Inschrift verbarg sich hinter einer Rigips-Platte. Sie wird von einem Fachmann restauriert werden. Foto: Wanner
  • Eine allegorische Darstellung am Aufgang zum Hotel
  • Umweht von 1000 Geschichten: Das Haus am Haidplatz 7.

regensburg.„Equipagen zur Walhalla und zur Befreiungshalle hier im Hotel“, also Kutschenfahrten zu den Sehenswürdigkeiten im Landkreis Regensburg und Kelheim, konnte man einmal als Hotelgast des „Goldenen Kreuzes“ buchen.

Immer wieder kommt in dem mehrfach umgebauten Haus etwas zum Vorschein. Zu erwähnen wäre hier das schwarze Holzbrett für 30 Zimmer-Schlüssel an der Türe zum ehemaligen Hauskapelle, die nach der Reformation offensichtlich zur Rezeption umgebaut wurde.

Historischer Schreibfehler

Diese neuerliche Entdeckung wirft wieder einmal ein Schlaglicht auf die glorreiche Geschichte des Hotels am Haidplatz, das Könige, Kaiser, Fürsten und hohe Diplomaten beherbergte. Die Schönschrift eines unbekannten Handwerkers aus der Maler-Werkstatt Zacharias wurde jetzt freigelegt, als man eine Tür öffnete, die beim letzten Umbau 1979 zugesetzt worden war. Eine Rigips-Platte war drauf.

Zugleich mit der Schrift kam auch ein Schreibfehler zum Vorschein, den der Handwerker beim Vorschreiben mit seinem Bleistift gemacht hatte. „Wahlhalla“ steht da. „Mit der Zeit kommt alles raus, das ist bekannt“, sagt Leonard Horsch.

Der 25-jährige Sohn der Hotel- und Café-Besitzerin hat Kunstgeschichte studiert und ein Geschichtsstudium an der LMU angeschlossen. Er schreibt gerade zu Hause seine Abschlussarbeit über „Andreas von Regensburg“, einen Geschichtsschreiber, der im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts in St. Mang, Stadtamhof, gewirkt hat.

Eingang zu Marie Schandris Reich

Die neue Ausrichtung der Stadt hin zum Bahnhof und der Maxstraße soll das Ende des Hotels „Zum goldenen Kreuz“ beschleunigt haben. 1898 steht als Datum der Schließung des berühmten Gasthauses in den Geschichtsbüchern. Christine Horsch, die seit zehn Jahren das Goldene Kreuz in Eigenregie führt, hat mit der Wiedereröffnung des Hotels indirekt dazu beigetragen, dass jetzt dieses alte Angebot der „Equipagen zur Walhalla“ ans Tageslicht kam. Die verschlossene Eingangstür lässt sie öffnen, um den Gästen des kleinen Hotels am Haidplatz morgens zu ermöglichen, trockenen Fußes zum Frühstück ins Café Goldenes Kreuz zu gelangen.

Das imposante, burgähnliche Haus am Haidplatz ist seit dem 16. Jahrhundert nachweislich als Gasthaus bekannt. Es hat in diesen Jahrhunderten viele Umbauten erlebt. Demnächst wird der Eingang zum Treppenhaus zu den neun Zimmern am Haidplatz 7 dem neuen Zugang zum Kaffeehaus direkt gegenüber liegen.

Der Durchbruch wird vor der jetzigen Damen-Toilette sein, wo jetzt die Annoncen-Blätter für Wellness und Fortbildung ausgelegt sind. Der westliche Teil des an der Wende zum 20. Jahrhunderts durch keinen geringeren als den Synagogen-Architekten Joseph Koch umgebauten Gasthauses beherbergte einmal die Küche der Marie Schandri. 40 Jahre war sie die Küchenchefin im Goldenen Kreuz.

Ihr Wirken war so nachhaltig, dass Marie Schandri noch heute unter Köchinnen und Köchen ein Begriff ist. Ihr Kochbuch, 1866 bei Alfred Coppenrath erschienen, hat an die 100 Auflagen erlebt.

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