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Kultur

Neue Live-Musik-Halle für Regensburg

Veranstaltern fehlt ein Saal für 1000 Zuhörer. Das Mischwerk will die Lücke schließen – und gleichzeitig Kunstwerkstatt sein.
Von Micha Matthes, MZ

  • Mehr Raum für Live-Kultur: Bis zu 950 Zuhörer sollen im Mischwerk ab April Konzerte erleben können. Foto: mt
  • Die Adamson-SpekTrix-Musikanlage im Mischwerk kostete – laut den Angaben des Geschäftsführers – über 220 000 Euro.Foto: Mischwerk Entertainment GmbH

Regensburg.Die Live-Kultur kommt in Regensburg zu kurz. Das findet zumindest der Unternehmer Samin „Sam“ Sohrabi. „Dass man hier eigentlich nur in Diskotheken feiern gehen kann, ist wirklich eintönig.“ Mit der Event-Halle „Mischwerk“ in Königswiesen will er jetzt Abhilfe schaffen.

Seit dem Aus des Kulturspeichers und der Veranstaltungshalle H5 im Regensburger Stadtosten kochte die Debatte um mangelnde Auftrittsmöglichkeiten für Künstler in Regensburg immer wieder hoch. Um auf das schlechte Klima für Live-Kultur in der Stadt aufmerksam zu machen, gingen Initiativen, Künstler und Veranstalter mehrfach auf die Straße. Immer wieder bemängelten Veranstalter dabei auch, dass ein Raum in der Größe zwischen Mälzerei und Donauarena mit Platz für bis zu 1000 Gäste fehlt.

Die Räume im Merianweg 4 werden komplett entkernt und neu gestaltet.
Die Räume im Merianweg 4 werden komplett entkernt und neu gestaltet. Foto: mt

Diese Lücke will Sohrabi schließen. Das Mischwerk zieht in Königswiesen in ein Gebäude, in dem zuvor Diskotheken wie das „7Reasons“, das „Qu“ oder das „Delux Night“ beheimatet waren. Vielmehr als den Ort werde die Halle mit den Vorgängern aber nicht gemeinsam haben, verspricht Geschäftsführer Sohrabi. Denn von nun an soll im Merianweg 4 die Live-Musik im Vordergrund stehen. „Wir haben alles komplett entkernt. Jetzt gestalten wir die Räume völlig neu.“ Das Mischwerk sei kein typischer Club. „Wir schaffen hier vornehmlich eine Event- und Live-Konzerthalle in der verschiedenste Musikkulturen, Styles, Partys – wie der Name schon sagt – vermischt werden.“

Mischwerk will Künstler fördern

Samin „Sam“ Sohrabi ist Geschäftsführer der neuen Live-Musik-Halle.
Samin „Sam“ Sohrabi ist Geschäftsführer der neuen Live-Musik-Halle. Foto: Mischwerk Entertainment GmbH

Auch als Kunstwerkstatt versteht Sohrabi das Mischwerk: Ausstellungen, Theatervorführungen, Auftritte von Stand-Up-Comedians, Auto- oder Modenschauen plant er für die Halle. 1060 Quadratmeter Veranstaltungsraum, Platz für rund 950 Gäste: Sohrabi will Publikum in einem Umkreis von rund 100 Kilometern ansprechen. Eröffnet wird am 7. April. „Wenn es für uns ein Vorbild gibt, dann wäre das wohl so etwas wie das Backstage in München“, sagt er.

Vom Mischwerk gehört haben schon viele, gesehen haben es noch die Wenigsten. Trotzdem begrüßen Veranstalter und Wirte die neue Halle. Florian Gmeiner, der mit dem Verein Scants of Grace die Halle H5 als Veranstaltungsort ins Leben gerufen hatte, steht dem Projekt sehr positiv gegenüber. „Auch wenn hier vielleicht nicht Idealismus, sondern Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, ist für das Publikum ja zunächst einmal entscheidend, dass es überhaupt mehr Live-Angebote gibt“, sagt er. Für die Stadtgesellschaft wäre es seiner Ansicht nach aber wichtig, zusätzlich eine Möglichkeit für nichtkommerzielle Veranstalter zu schaffen.

Live-Kultur in der Altstadt

  • In Bars

    wie der „Heimat“, dem„Büro“, der „Couch“, dem „Tiki-Beat“ oder dem „Jag deine Eltern nicht vom Hof“ finden regelmäßig Konzerte statt. Offiziell ist die Anzahl von Konzerten in Kneipen aber nach wie vor auf zwölf Veranstaltungen pro Jahr reglementiert.

  • Initiativen

    wie con_temporary, der Verein Livekultur oder das Popkultur-Festival unterstützen außerdem Live-Projekte in Regensburg.

„Die Halle schließt eine Lücke“, sagt Veranstalter Axel Bolland. Sie sei eine gute Option, Konzerte nach Regensburg zu holen, die sonst nur in Nürnberg oder München stattfinden würden. „Nur mit Live-Musik wird es aber wohl trotzdem nicht gehen“, sagt Bolland. „Das zeigen unsere Erfahrungen mit dem Kulturspeicher: Man muss mehrgleisig denken, um heute zu überleben.“

Das Mischwerk zieht in Königswiesen in ein Gebäude, in dem zuvor Diskotheken wie das „7Reasons“, das „Qu“ oder das „Delux Night“ beheimatet waren.
Das Mischwerk zieht in Königswiesen in ein Gebäude, in dem zuvor Diskotheken wie das „7Reasons“, das „Qu“ oder das „Delux Night“ beheimatet waren. Foto: mt

„So eine Live-Musik-Halle macht sicher Sinn, sofern sie nicht zu sehr ins Fahrwasser einer Diskothek gerät“, sagt Konzertveranstalter Arthur Theisinger. Er organisiert oft Veranstaltungen in der Eventhalle Airport. Konkurrenz-Probleme sieht er nicht. „In Obertraubling bringen wir 1800 Leute unter – das ist also noch mal eine Nummer größer.“ Was Regensburg jetzt noch brauche, sei eine Kongresshalle mit 2500 Sitzplätzen, sagt Theisinger. „Außerdem sollte die Conti-Arena für große Open-Air-Veranstaltungen tauglich gemacht werden.“

Natürlich unterscheidet sich das Mischwerk von einem nichtkommerziellen Projekt wie dem H5. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, aber wir wollen definitiv auch junge Talente aufspüren und Regensburger Künstler fördern“, sagt Sohrabi. Der Eingangsbereich der Halle werde beispielsweise schon von Regensburger Graffiti-Künstlern gestaltet.

Eine Musikanlage für rund 220 000 Euro

Die Adamson-SpekTrix-Musikanlage im Mischwerk kostete – laut den Angaben des Geschäftsführers – über 220 000 Euro.
Die Adamson-SpekTrix-Musikanlage im Mischwerk kostete – laut den Angaben des Geschäftsführers – über 220 000 Euro.Foto: Mischwerk Entertainment GmbH

Ketten, Stahlträger, Maschinen, Paletten: Insgesamt soll das Mischwerk von Industriedesign geprägt sein. Betritt man den Hauptraum über das Foyer, befindet sich vis-a-vis eine 25 Quadratmeter große Bühne, die problemlos noch erweiterbar ist. „Nicht die Dekoration, sondern die Funktionalität steht hier im Vordergrund“, sagt Sohrabi. „Wir legen großen Wert darauf, dass der Aufbau speziell für Bands optimale Bedingungen bietet.“ Allein für die Adamson-SpekTrix-Musikanlage investiert der Unternehmer über 220 000 Euro. „Das ist eine Anlage mit der Künstler wie Jan Delay auf Tour gehen.“ Linker Hand befindet sich im Hauptraum eine 20 Meter lange Bar. Charakteristisch für den Raum ist außerdem die umlaufende Galerie mit weiteren Bars und Podesten als Sitzmöglichkeit.

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