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Immobilien

Neue Quote für günstige Mieten

Die Regensburger Koalition will, dass Investoren mehr geförderte Wohnungen bauen – damit auch die Mittelschicht profitiert.
Von Julia Ried

In neuen Baugebieten – hier das am Brandlberg – gilt schon eine 20-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau. Die Koalition will diese Quote auf 40 Prozent ausweiten und auch eine Förderstufe für Menschen mit mittlerem Einkommen miteinbeziehen. Fotos: Lex (4)/Sven Hoppe/dpa
In neuen Baugebieten – hier das am Brandlberg – gilt schon eine 20-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau. Die Koalition will diese Quote auf 40 Prozent ausweiten und auch eine Förderstufe für Menschen mit mittlerem Einkommen miteinbeziehen. Fotos: Lex (4)/Sven Hoppe/dpa

Regensburg.Das Rathausbündnis aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP will stärker Einfluss nehmen auf den Wohnungsbau in Regensburg – und damit unter anderem die Preise dämpfen. Regensburger Stadtplaner wünschen sich dies seit Langem. Herzstück der Pläne, die die Koalition nach ihrer Klausur in den Faschingsferien bekanntgab, ist die Verdopplung der Quote für geförderten Wohnungsbau in neuen Baugebieten von zwanzig auf vierzig Prozent. Von ihr sollen zukünftig auch Menschen mit mittlerem Einkommen profitieren. Diese doppelte Ausweitung der Quote hält SPD-Fraktionschef Dr. Klaus Rappert für „zwingend notwendig“.

Konkret will die Koalition die Quote für geförderten Wohnungsbau auf Stufe drei der einkommensorientierten Förderung (Eof) oder vergleichbare Förderprogramme ausdehnen. Einen Anspruch auf einkommensorientierte Förderung der Stufe drei hat etwa ein Paar mit zwei Kindern und einem Bruttojahreseinkommen zwischen 51 700 und 63 900 Euro im Jahr oder ein Einpersonenhaushalt mit einem Einkommen zwischen 23 300 und 28 100 Euro, erläutert Anton Sedlmeier vom Amt für Stadtentwicklung auf Nachfrage der Mittelbayerischen. „In Einkommensstufe drei beträgt die derzeit zumutbare Miete acht Euro.“

Neue Regeln für Investoren

Außerdem beschloss die Stadtratskoalition, „dass für Bauwillige und Investoren zukünftig verbindliche Vorgaben und Richtlinien gelten sollen“, wie sie als Ergebnis ihrer Klausur mitteilt. Als Inhalte der neuen Vorgaben gesetzt sind die Quote für den geförderten Wohnungsbau und die Beteiligung der Investoren an den Folgekosten ihrer Projekte, etwa für Kindergärten und Schulen. Immobilienunternehmen mussten hier auch bisher ihren Beitrag leisten – den handelten sie allerdings individuell in städtebaulichen Verträgen mit der Verwaltung aus. Das neue Regelwerk solle auch „dem Verdacht entgegenwirken, dass manche Investoren anders behandelt werden als andere“, erläutert Rappert. Er kann sich vorstellen, dass auch Vorstellungen aus dem „Leitbild Energie und Klima“ darin Eingang finden.

Auf eigenen Grund soll die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, das die Stadt vom Bund kaufen will, soll der Koalition zufolge „ein moderner und lebendiger Stadtteil mit hohem Grünanteil und herausragender Lebensqualität“ entstehen. „Dieses ,Zukunftsviertel‘ soll über die Stadtgrenzen hinaus ein wegweisendes Beispiel modernen Städtebaus bilden und Ziele wie vielfältige Wohn- und Eigentumsstrukturen für Jung und Alt, soziale Vernetzung der Bewohnerinnen und Bewohner, energetisches Bauen und Klimaschutz sowie Nutzung zum Arbeiten und Wohnen miteinander vereinen“, so fasst sie ihren Plan zusammen.

Architekt: „Positive Wende“

Andreas Eckl, Vorsitzender des Architekturkreises Regensburg, hofft, dass dieses Viertel auf andere „ausstrahlt“. Er findet an den Vorschlägen der Koalition „überhaupt keinen Haken“. „Das sieht mir nach einer sehr positiven Wende aus.“ Der Kreis hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, die Stadt müsse die Stadtentwicklung stärker gestalten, dürfe diese nicht so stark Investoren überlassen. Jetzt hält Eckl die Erhöhung der Quote für „absolut richtig“, weil davon auch die Mittelschicht profitiert. Nun müsse die Koalition ihr Konzept „inhaltlich deutlich vertiefen“. Insbesondere wünscht sich der Architekt, dass sich die Stadt mit ihrem neuen Regelwerk für Investoren auch in Gestaltungsfragen einmischt.

Der Regensburger Immobilienunternehmer Peter Trepnau ist dagegen skeptisch. Er sagt: „Ich sehe eine Quote von 40 Prozent nur dann als sinnvoll an, wenn eine Durchmischung erreicht werden kann.“ Es müsse möglich sein, Häuser mit frei finanzierten und geförderten Wohnungen zu bauen. „Denn in ,Sozialbauten‘ will man aus ,Statusgründen‘ nicht gerne wohnen.“ Aktuell schließe das Fördergesetz aber den ansonsten üblichen Verkauf von Teileigentum an einem Wohnhaus aus. Trepnau verweist darauf, dass die Realisierung von bezahlbarem Wohnraum nicht allein von einem neuen Regelwerk, sondern vielmehr davon abhänge, dass die Förderungen dafür verbessert werden müssten. Auch Kostentreiber beim Bauen müssten entfallen, zum Beispiel teure gestalterische Details, die hohen energetischen Anforderungen und die in Regensburg vorgeschriebene hohe Zahl an Parkplätzen.

Das schwebt der Koalition vor

  • Musterquartier:

    Die Stadt will auf eigenem Grund ein Viertel entwickeln, das dicht bewohnt, aber fahrradfreundlich und mit E-Car-Sharing-Angeboten ausgestattet ist. „Vielleicht kann sogar auf Autoverkehr innerhalb des Viertels verzichtet werden.“

  • „Sobon“:

    Die Stadt München nennt ihr Regelwerk für Investoren im Wohnbau „Soziale Bodennutzung“. Bestandteil ist unter anderem eine 40-Prozent Quote für geförderten und preisgedämpften Wohnungsbau. Hier zieht Regensburg nun nach.

  • Stadtbild-Entwicklung:

    Das Zukunftsviertel auf dem 150 000-Quadratmeter-Areal der Prinz-Leopold-Kaserne soll die Stadt mit der Bevölkerung und den Interessenverbänden entwickeln – unter dem Motto „so will ich zukünftig in der Stadt leben“.

  • Quote:

    Ende 2017 gab es in Regensburg 1298 Wohnungen der einkommensorientierten Förderschiene (Eof). Die meisten sind Menschen mit niedrigem Einkommen vorbehalten. Dank einer neuen Quote soll auch die Mittelschicht von der Eof profitieren.

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