MyMz
Anzeige

Religion

Neue Synagoge wird heute eingeweiht

Die jüdische Gemeinde in Regensburg erhält ein neues Gebetshaus. TV-Kommissarin Adele Neuhauser spricht als Schirmherrin.
Von Helmut Wanner

Luise Doll (links) und Laura Hilz vergolden die Türen des Almemors. Hier wird heute Rabbiner Josef Chaim Bloch die Thorarollen einsetzen.  Foto: Uwe Moosburger
Luise Doll (links) und Laura Hilz vergolden die Türen des Almemors. Hier wird heute Rabbiner Josef Chaim Bloch die Thorarollen einsetzen. Foto: Uwe Moosburger

Regensburg.Das wird in keiner Chronik aufgeschrieben werden: Es waren zwei Mädchen, die das Allerheiligste der Jüdischen Gemeinde vergoldet haben. Vergoldermeisterin Luise Doll und Laura Hilz von der Restaurierungswerkstätte Rappenegger haben am Dienstag in einem langen Arbeitstag Blatt für Blatt auf den Türen des Thoraschreins aufgetragen.

Dort wird am heutigen Mittwoch um 11 Uhr Rabbiner Joseph Bloch die drei Thorarollen der Gemeinde einsetzen.

Sehen Sie hier mehr Bilder aus der Synagoge:

Die Synagoge ist bereit zur Einweihung

Die letzte Reihe der Betstühle, wo Ehrengäste aus Kirche, Staat und Gesellschaft Platznehmen, wurde gar erst in der Nacht eingebaut. So hart wird bis zuletzt gearbeitet. Und noch ist längst nicht alles fertig. „Endgültig eröffnet werden Synagoge und Gemeindehaus am 19. April zum ersten Sederabend des jüdischen Pessach-Festes“, kündigte Vorsitzende Ilse Danziger in einer Pressekonferenz am Dienstag an.

Einweihung live im Fernsehen

Die Autorin und Journalistin Waltraud Bierwirth, die die jüdische Gemeinde in der Pressearbeit unterstützt, begrüßte dazu im Gemeindesaal auch Dieter Weber, den Vorsitzenden des Fördervereins sowie die Staab-Architekten Per Pedersen und Florian Nusser. Deren Chef, Prof. Volker Staab, wird am Mittwoch um 12 Uhr die Schlüssel der neuen Synagoge übergeben.

Hier gibt es einen ersten Blick in die neue Synagoge:

Ein erster Blick in die neue Synagoge

Dass das Dritte Bayerische Fernsehen ab 11 Uhr live unter der schwebenden Holzkuppel überträgt, verleiht der Einweihung mit 300 geladenen Gästen den Charakter eines Staatsaktes. Es reden der Regensburger Rabbiner Josef Chaim Bloch, die Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Die Festansprache hält Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Grußworte kommen von Dieter Weber, Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer, Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss. Adele Neuhauser, die aus ihrer Regensburger Zeit am Stadttheater noch gut bekannte TV-Kommissarin, wird ein Geleitwort sprechen. Neuhauser war schon bei der Grundsteinlegung dabei. Sie ist die Schirmherrin der neuen Synagoge. Musikalisch umrahmt wird das Ereignis von der Roman Kuperschmidt Klezmer Musik Band.

„Endgültig eröffnet wird die Synagoge am 19. April – zum ersten Sederabend des Pessach-Festes.“

Ilse Danziger

Die Synagoge wird durch die Präsenz der Thorarollen zum sakralen Raum. Der 27. Februar 2019 oder 22. Adar 5779 nach jüdischem Kalender stehen bereits eingemeißelt auf der Tafel im Eingang. Planungsbeginn für das neun Millionen Euro kostende Projekt war im September 2015. Vier Jahre später haben die Ideen der Staab-Architekten Gestalt angenommen: „Das neue Gemeindezentrum mit Synagoge soll Raum bieten für einen religiösen Aufschwung der 950 Mitglieder zählenden Gemeinde, der ältesten in Bayern“, so Ilse Danziger. Für Staab ist es die erste Synagoge, bekannte Per Pedersen, der Projekt-Koordinator. Durch den Neubau der Synagoge an ihrem historischen Ort entstehe das sakrale Dreieck aus katholischem Dom, protestantischer Neupfarrkirche und jüdischer Synagoge wieder, das bis 1938 existierte.

Projekt

Einblicke in die Regensburger Synagoge

Hinter Gerüsten und Bauplanen tut sich gerade viel in der Straße Am Brixener Hof. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen.

Drei Themen hätte das Büro zu bearbeiten gehabt, so Per Pedersen. Zunächst die Offenheit, die trotz der Sicherheitsprobleme von Architektur und Nutzung her gewährt sein müsse. Zweitens der Synagogenraum. Leicht gedreht wegen der Ostung, wurde er städtebaulich wirksam als Hochpunkt an der Süd-Ost-Ecke des Grundstücks platziert. Und schließlich die Fassade. Die Fassaden des Altbaus und des Neubaus wurden farblich aufeinander abgestimmt, zeigen aber deutlich ihre unterschiedlichen Entstehungszeiten. Ins Auge springen stehend vermauerte, sandfarbene Sichtziegel. Sie zeigen die besondere Bedeutung des Neubaus. Über deren Ziegelflächen erhebt sich auch von Ferne sichtbar die metallgedeckte Kuppel der Synagoge, deren Farbigkeit und Glanz je nach Lichtstimmung über den Tag changieren und sich vom Materialkanon der Altstadt absetzen kann.

Die Adresse blieb gleich: Am Brixner Hof 2. Am Vortag der Einweihung fuhren die Übertragungswagen des BR an der Synagoge vor. Foto: Uwe Moosburger
Die Adresse blieb gleich: Am Brixner Hof 2. Am Vortag der Einweihung fuhren die Übertragungswagen des BR an der Synagoge vor. Foto: Uwe Moosburger

Der Projektleiter Florian Nusser, ein geborener Regensburger, erklärte, dass der Bau die Dialektik von Dauerhaftem und Provisorischem aufgreife, die sich durch die Baugeschichte des Judentums zieht, symbolisiert durch den massiven Tempel in Jerusalem und die Stiftszelte der Juden auf Wanderschaft. In die gemauerten Umfassungswände des Synagogenraums wurde eine durchlässige, hölzerne Raumschale eingestellt, die über die Außenwände hinauswächst, so dass Tageslicht in den Innenraum fallen kann. Es wurde Holz von Hemlocktannen verwendet. Die Lamellen der Innenschale übertragen den Sonnen- und Tageslichtverlauf gedämpft in den Innenraum und erzeugen so eine von der Außenwelt entrückte, meditative Stimmung. In der Synagoge wird die Sprechstimme des Rabbiners nicht technisch verstärkt.

Ein positives Klima geschaffen

Das denkmalgeschützte Gemeindehaus aus dem Jahre 1912, das in der Reichspogromnacht stehen blieb, wurde saniert und behutsam an die neuen Gegebenheiten angepasst. Das Dach wurde mit Schiefer eingedeckt, dem Brandschutz wurde Rechnung getragen und der barrierefreie Übergang zum neuen Gemeindehaus wurde sichergestellt.

Warme Töne: Die schwebende Kuppel aus Holz wirkt wie das Zelt Gottes bei den Menschen.Foto: Uwe Moosburger
Warme Töne: Die schwebende Kuppel aus Holz wirkt wie das Zelt Gottes bei den Menschen.Foto: Uwe Moosburger

Der Gebetsraum im Erdgeschoss und das rituelle Tauchbad, die Mikwe, im Keller werden weiterhin genutzt.

Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins, sieht die Stadt Regensburg in der historischen Verantwortung, der Jüdischen Gemeinde ihre im November 1938 entschädigungslos vernichtete Synagoge zurückzugeben. Der Förderverein habe in den letzten Jahren zwei Ziele angestrebt: Geld zu sammeln und ein positives Klima in der Stadtgesellschaft zu schaffen. Der Synagogenbau sei jetzt durch eine breite Unterstützung getragen. „Viele, viele Hundert Menschen waren involviert und haben ein positives Zeichen gesetzt.“

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Stein für Stein

  • Auftrag;

    „Stein für Stein geben wir der Jüdischen Gemeinde die in der Pogromnacht 1938 zerstörte Synagoge zurück.“ Das war das bestimmende Motiv für Dieter Weber (unser Moosburger-Foto) und einen Kreis engagierter nicht-jüdischer Regensburger.

  • Besichtigung:

    Führungen durch die neue Synagoge gibt es am 12. Mai beim Tag der offenen Tür in der Gemeinde. Auch am Welterbetag, 2. Juni, gibt es Führungen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht