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Glaube

Neuer Bischof mit offenen Armen

Der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler sprach im Presseclub über seine Sicht auf den Glauben und seine Pläne.
Von Daniel Pfeifer

Klaus Stiegler sprach im Presseclub über seine Sicht auf Glaube, Gemeinschaft und Kirchenaustritte.  Foto: Pfeifer
Klaus Stiegler sprach im Presseclub über seine Sicht auf Glaube, Gemeinschaft und Kirchenaustritte. Foto: Pfeifer

Regensburg.Klaus Stiegler ist ein sportlicher Mensch: Ehemaliger Fußballer, Volleyballer und Triathlet. Die Ausdauer kann er für seine neue Aufbabe gut gebrauchen. Seit zwei Monaten ist er der neue evangelische Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg. Mit 149 Gemeinden und 300 000 Christen zwischen Ingolstadt, Passau und Weiden ist es der größte Kirchenkreis Bayerns. Stiegler möchte nahe an jedem seiner „Schäfchen“ sein. Das heißt, er ist ordentlich unterwegs.

Am Donnerstag stellte er sich im Regensburger Presseclub auch der Hauptstadt seines Kirchenkreises vor und erklärte, was er für seine „Amtszeit“ alles vor hat. Ein erstes großes Thema ist für ihn die Ökumene. Sie sei das „beste für alle“ und fördere ein besseres Zusammenleben. Konkret möchte er „einfachere Wege für konfessionsverschiedene Ehepaare“ ebnen und wünscht sich ökumenische Gottesdienste, wie er sie in Schwabach bereits vereinzelt eingeführt hatte.

Nächstenliebe statt Nationalismus

Ein friedliches Zusammenleben will er ebenso mit aus der Kirche ausgetretenen Christen wie auch Muslimen fördern. „Der Islam gehört zu Deutschland, der freiheitlichen Werten folgt und Frauen als ebenbürtige Menschen ansieht“, ist Stiegler überzeugt. Er sieht große Wichtigkeit in einem interreligiösen Dialog bei einer auseinanderdriftenden Bevölkerung. „Halle hat gezeigt, was in so einer Gesellschaft auch schlummert“, warnt der Regionalbischof. Auch die Hasswelle für das neue, dunkelhäutige Nürnberger Christkindl habe ihn schockiert. „Wir erleben, dass Nächstenliebe auf dem absteigenden Ast ist“, muss Stiegler feststellen. Dafür machten sich Nationalismen breit.

Auch in der Klimadebatte möchte er Stellung beziehen. Die Bewahrung der Schöpfung sei seit Jahrzehnten ein Anliegen der evangelischen Kirche gewesen, auch wenn man das nicht gut habe kommunizieren können. „Was jetzt Greta Thunberg schafft, ist uns als Kirche nicht gelungen“, gibt er zu. Gleichzeitig jedoch mahnt er, Maß zu halten: „Mit dieser Panikmache, dieser Endzeitstimmung ist ja auch niemandem gedient.“

Medizin

Die Fortschritte der Neurologie

Professor Ralf Linker gab im Presseclub Einblick in die Welt der Nerven. Zu MS hatte er bsonders viel zu sagen.

Abseits dieser historischen Problemfelder warten auch in der Oberpfalz Herausforderungen auf den neuen Regionalbischof. Mit einem dieser Probleme musste sich schon Vorgänger Hans-Martin Weiss in Regensburg ausgiebig beschäftigen: den Kirchenaustritten. „Ich habe auch nicht die Antwort auf diese schwierige und schmerzhafte Entwicklung, die uns da begegnet,“ seufzte Klaus Stiegler bei seinem Gespräch im Presseclub. Kirchenaustritte bedeuten langfristig auch ein geringeres Kirchenbudget, selbst wenn dank der starken deutschen Konjunktur derzeit noch viel Geld da ist.

Leere Kirchen und Pfarrhäuser

Seine Kirche müsse sich wohl oder übel Gedanken machen, welche Aufgaben aufrechtzuerhalten sind, und welche nicht. Oder welche Pfarrhäuser man sich noch leisten könne, wenn sie leerstehen. In Schwabach zum Beispiel musste Stiegler ein gottesdienstlich genutztes Haus verkaufen. In der Regensburger Altstadt werde sich die Frage ebenso stellen, ob es wirklich so viele Kirchen braucht. Derzeit wird ein Gottesdienstkonzept für die Innenstadt entwickelt, welche Nutzung noch in welcher Kirche sinnvoll ist.

Bis es so weit ist, möchte Klaus Stiegler seine Zeit dafür nutzen, auf die Menschen zuzugehen. Er möchte Gemeinschaftsarbeit und Jugendaktionen fördern. Als Sohn eines Metzgers und eines katholischen Flüchtlingskinds wuchs Stiegler nicht erzkonservativ auf. Er sieht den Wert von Tradition, möchte aber gleichzeitig allen Menschen mit offenen Armen begegnen – Christen, Andersgläubigen und Konfessionslosen.

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