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Freizeit

Neulinge schnupperten Flieger-Luft

Beim Probetag des Gleitschirmclubs Ratisbona konnten Interessierte erste Erfahrungen sammeln. Die Einnahmen werden gespendet.
Von Daniel Geradtz, MZ

Fluglehrer Schorsch Höcherl gibt Instruktionen zum richtigen Handling des Speedgliders.
Fluglehrer Schorsch Höcherl gibt Instruktionen zum richtigen Handling des Speedgliders. Fotos: Geradtz

Regensburg.Ungeduldig wartet Ina Wintsche auf weitere Anweisungen. Diese erhält sie von Inge Höcherl, die gut zehn Meter vor ihr steht. Trotz der geringen Entfernung sind sie durch ein Funkgerät miteinander verbunden. „Wenn ich das Signal gebe, läufst Du los. Danach rennst Du immer weiter“, sagt Höcherl.

Doch das mit dem Rennen ist für Ina Wintsche nicht so einfach. Hinter ihr bläst sich nach wenigen Sekunden ein großer Gleitschirm auf. Er wirft die Studentin nach wenigen Metern zurück. Aus dem Walkie-Talkie, das an ihrem Sicherungsgurt befestigt ist, hört sie nur „weiter, weiter, weiter“.

Mit ihr besuchen etwa 30 andere Teilnehmer den Schnuppertag des Gleitschirmclub (GSC) Ratisbona. „Ich bin überrascht, wie viele heute dabei sind. Vor ein paar Jahren haben wir den letzten Schnuppertag veranstaltet. Damals waren es deutlich weniger “, sagt Hermann Klarl. Er ist der Vorsitzende des Vereins.

Der GSC stellt das Material

Ihre ersten Flugversuche dürfen die Interessierten am Pröllerfeld in Tremmelhausen machen. Das Gelände hat der GSC zusammen mit dem Flugzentrum Bayerwald gepachtet. Inge Höcherl und ihr Mann Schorsch leiten das Flugzentrum. Sie sorgen an diesem Tag zusammen mit drei Mitarbeitern für die Sicherheit und stellen das Material zur Verfügung.

Mit dem kleineren Speedglidern können die Teilnehmer das Starten mit einem Gleitschirms üben.
Mit dem kleineren Speedglidern können die Teilnehmer das Starten mit einem Gleitschirms üben.

Die Einführung vor dem ersten Startversuch übernehmen die Clubmitglieder. Einer von ihnen ist Thomas. Er ist seit etwa fünf Jahren ein Flieger. „Das wichtigste ist, dass die Leinen frei liegen und nicht verknotet sind. Achtet am Anfang darauf, dass die A-Leine oben ist“, erklärt er, nachdem das Gurtzeug angelegt ist. Danach zupft er auch die anderen Seile aus dem losen Knäuel hervor und hängt sie mit einem Karabiner an das Geschirr. Die verschiedenen Gruppierungen haben unterschiedliche Farben, damit man sie auseinanderhalten kann.

Fluglehrerin Höcherl erteilt die Startfreigabe für die Neulinge. Sie hat die Windbewegungen im Auge. Ein Profi-Segler würde das für sich selbst übernehmen. Er orientiert sich am Tanz der Grasspitzen, kann abschätzen wie lange der Luftzug anschließend braucht, bis er bei ihm angekommen ist.

„Normalerweise braucht der Wind drei bis vier Sekunden, bis er die Strecke zwischen Dir und dem Schirm zurückgelegt hat“, sagt einer. Solche Kalkulationen hat der geübte Gleitschirmflieger stets im Hinterkopf.

Fluglehrer Alexander Heinisch erklärt Ina Wintsche, wie sie die Leinen festhalten soll.
Fluglehrer Alexander Heinisch erklärt Ina Wintsche, wie sie die Leinen festhalten soll.

Einige Sekunden lang schweben

Nachdem Ina Wintsche kurz aus dem Takt gekommen war, folgt sie den Anweisungen der Fluglehrerin und rennt weiter vorwärts. Der Gleitschirm hat sich nun über ihr entfaltet: Er bremst sie nicht mehr, sondern verleiht ihr Auftrieb. Dadurch fällt ihr das Laufen wieder leichter. Zum Schluss hebt sie sogar für einige Sekunden ab und schwebt den abfallenden Hang hinunter.

„Die Bedingungen sind heute ideal“, sagt der Vereinsvorsitzende Hermann Klarl. Noch vor wenigen Tagen hätte er nicht geglaubt, dass der Schnupperkurs stattfinden könnte. Denn da war das Wetter noch nicht so stabil. Auf Sonnenschein folgte Schneefall und heftiger Wind.

Von ihm sollen die Probesegler aber auch nicht verschont bleiben. Als die Luft am Mittag unruhiger wird, zieht Schorsch Höcherl die Konsequenz: „Wir steigen um auf die Speedglider“, sagt er. Dies sind kleinere Schirme, mit einer Fläche von rund 15 Quadratmetern. Für die Anfänger sind sie nicht zum Fliegen geeignet. Stattdessen sollen sie im Stehen versuchen, ein Gefühl für das richtige Handling zu bekommen.

„Du musst in der Mitte unter dem Schirm stehen“, erklärt Fluglehrer Alexander Heinisch. So kann Ina Wintsche am besten reagieren: Driftet der Schirm zu einer Seite ab, soll sie ihn durch das Ziehen der Bremse an der entsprechenden Seite wieder ins Lot bringen.

Es gibt auch Naturtalente

Natalja Klink hat auf Anhieb das richtige Gespür dafür. Sie besucht den Kurs mit ihrem Mann. Zusammen haben sie bereits einen Fallschirmsprung gemacht. Vergleichbar sei das aber nicht. „Das Gleitschirmfliegen ist sehr viel ruhiger und entspannter.“ Auch wenn sie eher der „Adrenalintyp“ ist, kann sie Gefallen an der Sportart finden.

Auch Ina Wintsche hat der Schnupperkurs Spaß gemacht. Sie kann sich vorstellen, nun eine Grundkurs- und Theorieausbildung zu absolvieren, um später mit einer Fluglizenz auch selber in die Luft gehen zu können.

An diesem Tag arbeiten die Vereinsmitglieder und die Mitarbeiter des Flugzentrums kostenlos. Die gesamten Einnahmen wird der GSC an eine soziale Einrichtung spenden. „Wir haben uns noch nicht zu 100 Prozent festgelegt. Aber es sollte auf jeden Fall etwas Lokales sein“, sagt Hermann Klarl. Es kommen rund 600 Euro zusammen.

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100 Mitglieder

  • Gründung:

    Der Gleitschirmclub Ratisbona wurde 1987, also vor fast 30 Jahren, gegründet. Inzwischen sind rund 100 Mitglieder in dem Verein aktiv.

  • Flugbereiche:

    Neben dem Gebiet in Tremmelhausen, Markt Lapperdorf, gehören auch Hänge in Kallmünz, Seedorf und die Winzerer Höhen zu den Flugbereichen in der Region. Zum Langstreckenfliegen fährt der Verein in die Alpen. Dort sind das Zillertal oder Zell am See beliebte Fluggebiete.

  • Austausch:

    Regelmäßig trifft sich der Verein zum „Fliegerstammtisch“. Der nächste Termin findet am 13. Mai statt.

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