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Verwaltung

NS am Auto ist ab sofort tabu

Das Landratsamt Regensburg setzte das Kürzel auf die Liste verfänglicher Kennzeichen. Eine Anfrage der MZ hatte die Behörde wach gerüttelt.
Von Marianne Sperb, MZ

Ein Auto mit dem fiktiven Kennzeichen R-NS 01: Das Kürzel NS ist seit Dienstag im Landkreis Regensburg nicht mehr verfügbar. Eine MZ-Anfrage hatte die Behörde sensibilisiert.Foto: Lex/Montage: MZ-Infografik

Regensburg. Wer in Regensburg sein Auto zulassen will und als Wunschkennzeichen zum Beispiel R-SS 204 angibt, bekommt einen Korb: „Nicht verfügbar“ heißt die Antwort auf der Homepage der Stadt. Das Kürzel „SS“ ist tabu; es ist als Abkürzung für Hitlers Verbrecherorganisation gesetzlich geächtet. Ebenfalls ausgeschlossen sind die Buchstaben-Kombinationen „SA“, „KZ“, „NS“ und „HJ“, alles Kürzel, die in Neonazi-Kreisen als Erkennungszeichen dienen.

„Wir geben keine verfänglichen Buchstaben-Kombinationen für Kennzeichen aus“, sagt Alfred Santfort, Chef des Amts für öffentliche Ordnung und Verkehr. „Das praktizieren wir seit vielen Jahren.“ Grundlage, so der Behördenleiter, ist eine amtliche Verlautbarung des Bundesverkehrsministeriums, die bereits in den 1960er Jahren ergangen war.

Die Kürzel „SA“, „SS“, „KZ“ und „HJ“ auf Kennzeichen sind auch bei der Zulassungsstelle für den Landkreis nicht verfügbar. Die Buchstaben „NS“ allerdings gab die Behörde bisher ohne weiteres aus. Seit Dienstag ist das anders. Das Landratsamt hat gestern mit sofortiger Wirkung auch „NS“ auf die Tabu-Liste gesetzt und auf der Homepage die beiden Buchstaben für die Bestellung von Wunschkennzeichen gesperrt. Auslöser war eine Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung.

„Wir sind jetzt sensibilisiert“

Ein Auto mit dem Buchstaben „R-NS“ und einer Zahlenfolge, die in rechtsradikalen Kreisen beliebt ist, brachte den Stein ins Rollen. Die MZ hakte bei beim Landratsamt nach. Die Anfrage ergab: Die Behörde hatte bis dato zwar eine Weisung des Bundesverkehrsministeriums von 1981 umgesetzt, die Kürzel „SS“, „SA“, „HJ“ und „KZ“ für Kennzeichen zu sperren. Eine zusätzliche Empfehlung des Ministers von 2010, auch auf die Vergabe der Buchstaben „NS“ zu verzichten, blieb aber bisher unberücksichtigt, wohl aus Gedankenlosigkeit oder weil die E-Mail aus dem Ministerium ignoriert wurde. „Wir sind jetzt sensibilisiert“, sagte Pressesprecher Markus Roth.

Neonazis nutzen Kennzeichen mit einschlägigen Kürzeln, um sich untereinander zu erkennen zu geben. Beliebt sind in der „braunen“ Szene nicht nur die genannten Buchstaben, sondern auch bestimmte Zahlenfolgen. „88“ etwa steht für „H“ als achten Buchstaben im Alphabet, also für Heil Hitler, „204“ symbolisiert den 20. 4., den Geburtstag des Diktators, und „18“Adolf Hitlers Initialen A und H.

Weder in Stadt noch Landkreis. so die Auskunft von Santfort und Roth, sind Kennzeichen, die auf braune Gesinnung schließen lassen könnten, besonders begehrt. „HH zum Beispiel: Diese Kombination wird nicht öfter nachgefragt als MM oder DD“, so Santfort. Auch die „88“ sei nicht beliebter als andere Doppelzahlen wie etwa „77“. Allerdings komme es vor, dass Menschen, denen die Behörde ein Kennzeichen zuteilt, weil sie keinen expliziten Wunsch geäußert haben, dann protestieren. „R-AM“ nennt Santfort als Beispiel: „Türkischstämmige Menschen wollen diese Kombination nicht, weil Ram im Türkischen ein wüstes Schimpfwort sein muss.“

Überzeugter Demokrat mit „HH“

Wer „HH“ oder „88“ auf dem Kennzeichen seines Fahrzeugs hat, ist nicht automatisch rechtsradikaler Gesinnung verdächtig und kann selbstverständlich ein überzeugter Demokrat sein. Das betont Landkreis-Sprecher Roth. Auch der aktuell nachgefragte Fall des Kennzeichens „R-NS“ erscheine völlig unverdächtig: Der Vorname des Autohalters beginnt mit N, der Nachname mit S. Roth: „Da wollte wohl jemand einfach seine Initialen auf dem Kennzeichen haben.“

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