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Verkehr

OB gibt den Radfahrern mehr Freiheiten

Noch im Sommer öffnet die Koalition die Regensburger Fußgängerzone und Alleen. Passanten, die sich jetzt schon gestört fühlen, reagieren skeptisch.
Von Marion Koller, MZ

Fußgänger und Radfahrer: In manchen Bereichen gelingt das Miteinander gut, in anderen weniger. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Nur 19 Prozent der Regensburger bewegen sich mit dem Fahrrad durch die Stadt, 51 Prozent ziehen das Auto vor. Das wollen OB Joachim Wolbergs und seine bunte Koalition ändern. Der Anteil der umweltfreundlichen Biker soll wachsen. In zwei bis drei Monaten wird Wolbergs die gesamte Fußgängerzone und den Alleengürtel für Radfahrer öffnen – zunächst für ein Jahr. Das Vorhaben wurde auch im Koalitionsvertrag festgehalten.

„Die knallen hier richtig durch“

Das Projekt soll in enger Abstimmung mit dem städtischen Verkehrsüberwachungsdienst und dem Kommunalen Ordnungsservice laufen. Sie werden das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern überwachen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll miteinander umgehen“, sagt OB Wolbergs zur MZ. Vom Verhalten der Radfahrer hängt ab, ob die Freigabe nach dem Probejahr wieder zurückgenommen wird oder bleibt. Denn die acht Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsservice und die (rein rechnerisch) 28 des Verkehrsüberwachungsdienstes können nur punktuell eingreifen.

Begeisterte Radfahrer wie Thomas Großmüller von der Abteilung Verkehrsplanung des Planungsreferats begrüßen den Vorstoß. Schließlich sei das Fahrrad ein schnelles, günstiges Verkehrsmittel. Großmüller strampelt selbst täglich ins Büro und hofft, dass die Stadt viele Regensburger vom Fahrrad überzeugen kann.

Ein Teil der Fußgänger aber sieht die Neuerung mit Skepsis. Schon derzeit gibt es etwa in der Gesandtenstraße, die als gemeinsamer Geh- und Fahrradweg gilt, Konflikte – vor allem wenn die Radler zu schnell dran sind. Ein Kritiker, der anonym bleiben möchte, bedauert, dass die Fußgängerzone geöffnet wird. Bisher sei das ein Bereich zum Schlendern und Bummeln. „Es gibt zu viele Radler, die keine Rücksicht nehmen und sich nichts um Regeln scheren“, klagt er. Passanten in der Gesandtenstraße äußerten sich am Freitag grundsätzlich positiv zur Wolbergs-Idee. Sie befürchten nur, dass die Biker weiterhin zu sehr aufs Tempo drücken. Erika und Jürgen Schröder (67 und 73) aus dem Regensburger Umland fahren selbst gerne Fahrrad und finden die Neuregelung schon deshalb gut. „Aber man muss an die Vernunft der Radfahrer appellieren“, sagt das Ehepaar unisono. „Gerade ist wieder einer von hinten an uns vorbeigeschossen.“

Der angehende Medienwissenschaftler Dennis Perzl (24) begrüßt es, dass die Stadt das Fahrradfahren fördert. Er bezweifelt jedoch, dass sich durch die Liberalisierung viel ändert. „Es fahren doch eh alle durch“, beobachtet der Regensburger. Karl (64) und Christl Antwerpen (62), Touristen aus Euskirchen, können sich durchaus vorstellen, dass Biker in der Fußgängerzone zugelassen werden. Das Urlauber-Ehepaar schüttelt aber auch den Kopf über die Rücksichtslosigkeit der Radfahrer in der Altstadt. „Die knallen hier richtig durch“, urteilen sie.

Stadt Erlangen ruderte zurück

Im äußerst fahrradfreundlichen Erlangen, wo die Zahl der Strampler am Gesamtverkehr 30 Prozent beträgt, ist Referentin Marlene Wüstner mit der völligen Freigabe der Fußgängerzone gescheitert. Ein Jahr lang hatten die Biker freie Fahrt. „Wir hatten keine besonderen Vorkommnisse, trotzdem haben sich Seniorengruppen vehement dagegen gewehrt“, sagt Wüstner am Freitag zur MZ. Also schränkte sie die Genehmigung wieder ein: Heute ist das Radeln nur während der Lieferzeiten bis 10.30 Uhr und ab 18.30 Uhr erlaubt. Marlene Wüstner gibt aber nicht auf: Demnächst startet eine Rücksichtnahme-Kampagne. Und danach, so hofft die Erlanger Referentin, werden die Verkehrsteilnehmer reif für die Öffnung der Fußgängerzone sein.

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