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Biotonne

Obstschale und Brotrest auf neuen Wegen

2017 soll die Biotonne kommen und an 2100 Standorten 5500 Tonnen Speisereste schlucken – wenn die Regensburger mitmachen.
Von Heinz Klein, MZ

Rund 35 Kilogramm Küchen- und Speiseabfälle wirft der Regensburger pro Jahr weg. Sie sollen nun in der Biotonne verschwinden.
Rund 35 Kilogramm Küchen- und Speiseabfälle wirft der Regensburger pro Jahr weg. Sie sollen nun in der Biotonne verschwinden. Foto: dpa-Archiv

Regensburg. Der Zeitplan in eine ökologisch korrektere Zukunft steht. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Umweltbürgermeister Jürgen Huber und Rudolf Gruber, Chef im Umweltamt, stellten ihn vor.

Nach einer generalstabsmäßigen Untersuchung des Regensburger Hausmülls steht nun fest: der Durchschnitts-Regensburger wirft pro Jahr rund 167 Kilogramm Abfall in die Restmülltonne. Darunter sind rund 8,5 Kilo Lebensmittel – vom überlagerten Wurstzipfel über die angeschimmelten Brotscheiben bis hin zum schlapp gewordenen Salatkopf. Genau das sind die Objekte der Begierde einer Biotonne. 2100 Stück dieser Art sollen auf alle Stadtteile verteilt den organischen Abfall schlucken und ihn einer sinnvollen Verwertung in einer Biogasanlage zuführen. Dort verwandeln Mikroorganismen unseren organischen Abfall zu etwas, was wir brauchen können: Wärme, Biogas und Kompost.

Huber wirft Bedenken auf den Müll

Nicht nur der „grüne“ Umweltbürgermeister Huber will das so, auch der Gesetzgeber verlangt das in seinem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Dass Jürgen Huber das Projekt mit viel (Bio)Energie vorangetrieben hat, dafür gab es nun Lob vom OB. Und der stellte klar: „Wir stellen nicht noch eine dritte Tonne in die Hausflure, wir setzen auf ein Bring-System.“ Das erste Stück des Weges muss der Bürger gehen – bis zu nächsten Biotonne.

Nun gilt es, mit den Bürgern die einzelnen Standorte für etwa 2100 Biotonnen zu entwickeln. Die sollen nicht einfach gleichmäßig über die Stadt verteilt werden, sondern den Anforderungen in den unterschiedlichen Stadtteilen genügen. In Stadtvierteln, in denen es viele Gärten mit privater Kompostierung gibt, werden sicherlich weniger Biotonnen gebraucht als in Vierteln mit Geschosswohnungen und dichter Bebauung. Zudem würden in der Altstadt viele Biotonnen in Innenhöfen verschwinden, glaubt Wolbergs und versichert: „Das wird viel unkomplizierter als gedacht!“

Bürgermeister Huber stellte die Details vor und warf Vorbehalte und Zweifel, die in großer Fülle im Stadtrat geäußert worden waren, auf den Müll. Allen voran das Totschlagargument Rattenplage. Warum sollte plötzlich so etwas drohen, fragte sich Huber. Die Speisereste seien ja bisher auch schon weggeworfen worden – in die normale Restmülltonne. Dann müsste es deswegen ja längst eine Rattenplage geben. Auch das Thema Geruchsbelästigung stieg ihm unangenehm in die Nase, denn die Biotonnen werden im wöchentlichen Rhythmus geleert.

Zunächst soll es um die Standortwahl der Biotonnen gehen, die für jeden Bürger fußläufig zu erreichen sein sollen. Dazu findet am 5. Dezember um 19 Uhr im Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz eine erste Bürgerinfoveranstaltung statt. „Wir lassen uns Zeit und verbessern das System Schritt für Schritt“, kündigte Huber an. Das Konzept ist mit dem bifa Umweltinstitut entwickelt worden und ganz auf Regensburg zugeschnitten.

Die Haushalte, die sich an der Sammlung der Küchenabfälle beteiligen, erhalten ein Starter-Set von der Stadt. Dieses Set umfasst ein Zehn-Liter-Gefäß mit Deckel für die Küche und einen Einlegebeutel aus kompostierbarem Biokunststoff. Damit können die Abfälle zur nächstgelegenen Biotonne gebracht werden. Die Biotonnen fassen 240 Liter Inhalt, werden wöchentlich entleert und dreimal im Jahr gründlich gereinigt. Der Standort der Tonne soll nicht in Stein gemeißelt sein. Wenn sich ein Standort als ungeeignet herausstellt, soll er wieder verändert werden können. Hier ist das Wissen der Bürger vor Ort gefragt.

Das Wichtigste bei der gesamten Aktion ist die Akzeptanz beim Bürger und dessen Bereitschaft, mitzumachen. Natürlich werde es auch Fehlwürfe geben, doch eine moderne Biogasanlage müsse imstande sein, auch die eine oder andere Plastikverpackung eines Salatkopfs verdauen zu können. Insgesamt allerdings sollte die Moral beim Trennen schon hoch sein, hofft Huber. Sein Argument: Wer bereit ist, die Küchenabfälle selbst zur nächsten Biotonne zu tragen, der werde wohl auch bei der Mülltrennung Sorgfalt walten lassen.

Biotonne kostet neun Euro im Jahr

Rund 18 000 Tonnen Grüngut werden jährlich an den Sammelstellen angeliefert. Ein gutes Drittel davon, rund 5500 Tonnen Küchenabfälle, sollen nun auch jährlich gesammelt werden. Zur Abholung wird ein spezielles Fahrzeug zum Einsatz kommen. Maximal 70 Kilometer weit sollen die Bioabfälle zu einer Biogasanlage transportiert werden. Einen noch weiteren Weg erlaubt die Ökobilanz nicht.

Die Kosten für die Biotonne sind noch schwer zu taxieren. Entsprechend groß wurde der Kostenspielraum kalkuliert. Zwischen 400 000 und 780 000 Euro sollen die jährlichen Kosten liegen. Ein reines Hol-System hätte allerdings die doppelten Kosten verursacht, sagt der Umweltamtsleiter. Die Einführung der Biotonne werde bei der jährlichen Müllgebühr pro Haushalt etwa neun Euro betragen. Gleichzeitig gibt es damit aber eine Entlastung beim restlichen Hausmüll.

Bereits jetzt steht fest, dass die Müllgebühren in Regensburg im Jahr 2018 deutlich steigen werden, bedauerten sowohl Gruber als auch Huber. Die neue Gebühr müsse deutlich angepasst werden, was allerdings nichts mit der Einführung der Biotonne zu tun habe. Wer die Gebührenerhöhung dann als Argument gegen die Biotonne verwende, handle nicht sachlich.

Immerhin sei in der Vergangenheit ein Teil der Gebühren sogar an den Bürger zurückgegeben worden, erinnerte Rudolf Gruber und unterstrich, dass die Regensburger Müllgebühren wirklich günstig seien: Sie liegen derzeit um 47 Prozent unter denen von 1999.

Details zur Biotonne

  • Das darf in die Biotonne

    Abfälle von Obst und Gemüse, gekochte und ungekochte Speisereste, Brot- und Gebäckreste, Fleisch- und Wurstreste, verdorbene Lebensmittel, Kaffeefilter und Teebeutel, Eier- und Nussschalen, Käse-, Quark- und Joghurtreste, Fette, Küchenrolle, Federn und Holzwolle

  • Das darf nicht in die Biotonne Rohes Fleisch, Windeln, Hunde- und Katzenkot, Holzasche, Grillkohleasche,Zigarettenkippen, Verpackungen, Staubsaugerbeutel, behandeltes Holz. Auch Tragetaschen, die als „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ angeboten werden, dürfen nicht in dieBiotonne.

  • Was mit dem Bioabfall passiert

    Die gesammelten Küchen- und Speisereste werden in einer Biogasanlage von Mikroorganismen zu Biogas abgebaut und schließlich zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Die Gärreste werden kompostiert und dienen als Humus oder Dünger für die Landwirtschaft. Privates Kompostieren ist natürlich weiterhin möglich. Die Biotonne soll schließlich nur eine Ergänzung zur Eigenkompostierung sein, bei der man keine Speisereste kompostieren wird. Die Kompostierung im Garten mit Grasschnitt, Grüngut, Laub und Pflanzenresten ist erwünscht.

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