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Mobilität

ÖPNV-Revolution beginnt jetzt

Für die Stadtbahn krempeln die Verantwortlichen das Verkehrssystem um. Auch die Busse sollen 2030 rein elektrisch fahren.
Von Julia Ried

Die Straßburger Tram führten die von der Stadt Regensburg beauftragten Verkehrsgutachter als Positivbeispiel an. Die Experten rieten Regensburg zu einer Stadtbahn. Die Politik ist dieser Empfehlung im Juni gefolgt. Foto: Rolf Haid/dpa/lsw
Die Straßburger Tram führten die von der Stadt Regensburg beauftragten Verkehrsgutachter als Positivbeispiel an. Die Experten rieten Regensburg zu einer Stadtbahn. Die Politik ist dieser Empfehlung im Juni gefolgt. Foto: Rolf Haid/dpa/lsw

Regensburg.Während die Stadtpolitik Sommerpause macht, nimmt in Rathaus und Stadtwerk die Arbeit am öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der Zukunft Fahrt auf. Planungsreferentin Christine Schimpfermann sucht gerade einen Chef für die Spezialistentruppe, die die im Juni beschlossene Stadtbahn planen soll. Stadtwerk-Chef Manfred Koller kümmert sich um die Einbindung der Tram in das ÖPNV-System der Zukunft, das er jetzt mit Schimpfermann der Mittelbayerischen vorstellte: Ein Tram-Kernnetz mit zwei Linien bildet ihr Rückgrat, das die Nutzer mit unterschiedlichsten Verkehrsmitteln anfahren können sollen: vom Fahrrad über den E-Stadtbus bis zum Auto, das sie auf dem Park-und-Ride-Parkplatz lassen können.

Koller sagt über die ÖPNV-Zukunft, die seinem Wunsch nach in zehn Jahren Wirklichkeit sein soll: „Für den Busbetrieb wird ein Sekundärnetz entwickelt, das auf die Stadtbahn mit abgestellt wird.“

Ringe statt Stern

Während heute das Busnetz noch sternförmig auf den Hauptbahnhof ausgerichtet ist, soll es dann mehr Ringlinien geben. Knotenpunkte, an denen sich Kern- und Sekundärnetz, aber auch Eisenbahnnetz kreuzen, sind in dem neuen System zentral. Verknüpfungen mit der Bahn soll es nicht nur am Hauptbahnhof geben, wo die Stadt eine direkte Verbindung von der Galgenbergbrücke zu den Gleisen schaffen will, sondern auch in Burgweinting und Wutzlhofen. Der Haltepunkt im Stadtnorden muss ganz neu geplant werden.

Eine Grafik mit dem Stadtbahn-Kernnetz und möglichen Knotenpunkten sehen Sie hier.

An der Wöhrdstraße entsteht auf dem Gelände des alten Eisstadions ein „Mobilitätstreff“ samt Parkhaus und Mietfahrrad-Station, das ist schon beschlossen. Weitere Stadtbahn-Bus-Drehscheiben sollen hinzukommen. Koller sagt: „Die Knotenpunkte müssen zu Mobilitätsknotenpunkten ausgebaut werden. Da gehört der Fahrradverleih dazu, aber auch der Zugriff auf ein E-Fahrzeug.“ In der Nähe des Donaueinkaufszentrums sollen die Verbindungen aus dem Stadtnorden und der Region zusammenlaufen. Am südlichen Endhaltepunkt am Uniklinikum soll eine Bushaltestelle die Regionalbuslinien aus dem Süden abfangen. Wie am Hauptbahnhof, an der Benzstraße im Stadtosten, in Burgweinting und in Wutzlhofen ist auch hier ein potenzieller Standort für Mietautos und -räder. Das Ziel ist laut Schimpfermann: „Es geht uns darum, eine Mobilitätsalternative zum eigenen Auto anbieten zu können.“ Davon profitieren zunächst vor allem Regensburger, die in der Nähe der Knotenpunkte im Norden, Süden und Südosten leben. Eine Tramlinie von West nach Ost ist erst in einer möglichen Erweiterungsstufe vorgesehen. Noch erkannten die Gutachter hier zu geringes Fahrgastpotenzial.

Die ÖPNV-Vision des Stadtwerk-Chefs für das Jahr 2030 sehen Sie hier im Video.

Die ÖPNV-Vision des Stadtwerk-Chefs

Wolfgang Bogie vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland fordert vor diesem Hintergrund: Die Stadt müsse auch den Ausbau des Bahnhaltepunkts Prüfening und dessen Anbindung an das Busnetz vorantreiben. Er hält auch weitere innenstadtnahe Knotenpunkte notwendig, die den Pendlerverkehr vor dem Bahnhof abfangen. „Da muss man Linien entwickeln, die in den Südosten zu den großen Arbeitgebern gehen.“

75 emissionsfreie Busse

Die Zeit der Diesel-Stadtbusse soll bis 2029 zu Ende gehen, kündigt Koller an. 2019 soll das Stadtwerk von der Stadt einen neuen Zehn-Jahres-Auftrag für den ÖPNV erhalten. „Wir werden schauen, dass wir am Ende 75 emissionsfreie Busse haben, wenn wir es uns leisten können.“ Das hängt auch von Förderung ab, denn noch sind E-Busse in der Anschaffung mehr als doppelt so teuer wie dieselbetriebene.


Die ÖPNV-Vision der Planungsreferentin für das Jahr 2030 sehen Sie hier im Video.

Die ÖPNV-Vision der Planungsreferentin

Vonseiten des Stadtwerks kümmert sich der ehemalige Betriebsleiter für den Stadtbusverkehr, Frank Steinwede, federführend um die Tram. Schimpfermann hat für das Planungsreferat zusätzlichen Personalbedarf angemeldet, wird sich auch externer Planer bedienen. „Die Stadt wird jetzt natürlich als Erstes die Planung machen, wo es darum geht, die Strecken Meter für Meter anzuschauen.“ Um 15 Kilometer Trasse handelt es sich insgesamt. Am Ende der Ferien werden sich Schimpfermann und Koller mit Kommunalpolitikern erst einmal Inspiration holen: bei einer Exkursion in die Tramstädte Augsburg und Luxemburg.

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