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Spektakel

Orks eroberten die Altstadt

Ein düster-lustiges Halloween-Schauspiel: Finstere wie fröhliche Gestalten machten die Altstadt unsicher. Manche verkleideten sich sogar als Pferde.
Von Daniel Steffen, MZ

Regensburg. Ja, ist denn Regensburg irre geworden? Was zu Fasching nicht so richtig klappen will, gelingt an Halloween immer mehr: Getrieben von der Lust, sich zu schminken und zu kostümieren, stürzten sich Tausende junger Menschen am Donnerstagabend in das Halloween-Partyvergnügen. An die keltisch-heidnischen Wurzeln des Festes mochte wohl kaum einer gedacht haben, so sehr ist in den Köpfen der Menschen verwurzelt, dass Halloween ja als Modeerscheinung aus den USA gekommen sein muss. Teils richtig: Der Ursprung des Halloween-Fests liegt in Irland und ist mit dem Glauben daran, dass die Seelen der Toten sich in dieser Zeit bemerkbar machen, fest verknüpft. In der Forschung ist deshalb oft von einer „Unruhenacht“ die Rede. Allerdings: Man muss gar nicht erst an die Mythologie glauben, um die Atmosphäre jener „Unruhenacht“ zu spüren. Es reichte völlig, zu später Stunde durch die Straßen und Gassen der Altstadt zu ziehen. Dort tobte das Leben in all seiner Verrücktheit: Finstere mexikanische Totenbräute begegneten lebenslustigen Piraten, Orks jagten den Passanten einen Schrecken ein – und blutbeschmierte Krankenschwestern nahmen sich ihre „Patienten“ vor.

Grablichter erhellten den Raum

Zwangsläufig gruselig musste die Kostümierung nicht sein, kam aber in jedem Fall gut an. Von besonders originalgetreu gewandeten Damen und Herren schossen andere Partygänger immer wieder gern ein Foto. Und gäbe es einen Preis für das „Halloween-getreueste“ Lokal der Stadt, dann hätte sich das Hemingway’s in der Oberen Bachgasse ihn durchaus verdient. Zuhauf hangen dort die Spinnenweben von der Decke, Grablichter und Skelette zierten den Raum, der sich mit finsteren Gestalten füllte.

Eine furchteinflößende Gruppe Orks, wie man sie etwa aus der „Herr-der-Ringe“-Trilogie kennt, nahm gemütlich am Tresen Platz. „Wir machen all unsere Kostümierungen selbst“, sagte einer der „Orks“, der sonst auf den Namen Richard Gilch hört. Die Vorlage fürs Basteln entnahm man den Tolkien-Verfilmungen. Mit „200 bis 400 Euro“ Kosten sei auf jeden Fall zu rechnen, in einigen Fällen könne eine Kostümierung sogar „mehrere Tausend Euro“ verschlingen. Im Falle von ihm und seiner Freunde gehe die Vorliebe für die darstellende Kunst weiter: Auch auf mittelalterlichen Märkten präsentiere man sich regelmäßig, so Gilch.

Derweil gab sich die 29-jährige Dagmar als „mexikanische Totenbraut“. Ihr Äußeres sei eine „Freestyle“-Kreation, sei aber an den Maskierungen am dortigen „Tag der Toten“ angelehnt. Auch wenn ihre aufwendige Arbeit auf höhere Investitionen schließen lässt, habe sie lediglich in die weiße Clownschminke investieren müssen. Glitzersteine, Puderglitzer, Lippenstift und schwarzen Kajal habe sie bereits besessen. Insgesamt hätten Kostümierung und Schminke zwei Stunden Zeit in Anspruch genommen. Mit einer Freundin, die sich als Piratenbraut verkleidet hatte, feierte sie in der „Jalapenos“-Bar ab.

Eine unmögliche Liebe?

Am Donnerstag ging es auch eine Spur ruhiger: So lasen die Autoren Julia Kathrin Knoll und Martin Stauder im „Altstadthotel am Pach“ bei Kerzenschein aus ihren Fantasy-Werken vor. Gespannt lauschten die Gäste zum Beispiel den „Kindern Liliths“: Bei dem Werk von Autorin Knoll geht es um ein Mädchen, das von Hamburg ins niederbayerische Viechtach gezogen ist und dort ihre große Liebe Alahrian entdeckt. Wie das Schicksal es will, ist jener mysteriöse Mann nicht Mensch, sondern von elfischer Natur.

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