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Justiz

Pädophiler war in Sicherungsverwahrung

Landgericht Regensburg verhandelt Übergriffe auf Buben im Grundschulalter. Der mutmaßliche Täter war einschlägig vorbestraft.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Am Montag beginnt der Prozess vor dem Landgericht Regensburg. Foto: Weigel/dpa
Am Montag beginnt der Prozess vor dem Landgericht Regensburg. Foto: Weigel/dpa

Regensburg.Der Fall hatte Anfang des Jahres für große Unsicherheit in Regensburg gesorgt: Mehrfach wurden Buben im Grundschulalter von einem unbekannten Mann angesprochen und sexuell belästigt oder auch zu sexuellen Handlungen genötigt. Innerhalb weniger Tage kam es im Januar 2019 zu drei Übergriffen. Wie sich später herausstellte, war der Mann wohl auch für den Missbrauch an einem Achtjährigen im Stadtpark verantwortlich, der sich bereits im Februar 2018 ereignete, aber zunächst nicht aufgeklärt werden konnte. Es waren nicht die ersten Übergriffe: Der 56-Jährige war seit 2002 in Sicherungsverwahrung, weil er sich auch im Raum Nürnberg an Kindern vergriffen hatte. 2016 wurde die Unterbringung aufgehoben, der Angeklagte kam auf Bewährung frei.

Bis 2016 untergebracht

Bereits bei seiner ersten Verurteilung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth war dem Mann eine „ausgeprägte homosexuell-pädophile Neigung“ attestiert worden, weshalb die Richter neben der Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren wegen zweifachen sexuellen Missbrauchs von Kindern auch die gesicherte Unterbringung des Mannes anordneten. Im Dezember 2016 setzte die Strafvollstreckungskammer Straubing die Unterbringung zur Bewährung aus und erteilte dem Mann unter anderem die Weisung, das er keinen Kontakt zu männlichen Kindern und Jugendlichen aufnehmen dürfe.

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Doch der hielt sich offensichtlich nur wenige Monate daran. Die Anklage geht davon aus, dass er am 5. Februar 2018 am Arnulfsplatz in Regensburg einen Achtjährigen angesprochen hat und mit ihm in den nahegelegenen Stadtpark gelaufen ist. Dort setzte er sich mit dem Kind auf eine Parkbank und forderte es auf, sich auf seinen Schoß zu setzen. Der Mann soll das Kind geküsst und es an intimen Stellen berührt haben. Die darauffolgende Fahndung nach dem unbekannten Täter, den das Kind in seiner Beschreibung deutlich jünger eingeschätzt hatte, verlief zunächst ergebnislos.

Einer der Tatorte lag im Stadtpark in Regensburg. Foto: Lex
Einer der Tatorte lag im Stadtpark in Regensburg. Foto: Lex

Am 10. Januar 2019 kam es dann zu einem weiteren Übergriff auf einen Achtjährigen, diesmal im Bereich der Simmernstraße/Bischof-Wittmann-Straße. Der Angeklagte soll dem Kind auf dem Heimweg gefolgt sein, es berührt und geküsst haben. Noch am selben Tag soll sich der Mann ein weiteres Opfer gesucht haben. In der Kriemhildstraße sprach er einen Siebenjährigen an. Weil der Bub seinen Heimweg einfach fortsetzte, stellte sich ihm der Mann in den Weg und forderte ihn auf, sich auf die Treppenstufen eines Kellerabgangs zu setzen. Offenbar wollte sich der Täter durch die Anwesenheit des Kindes sexuell erregen. Während des Gespräches soll sich der Mann selbst befriedigt haben – vor den Augen des Kindes.

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Als der Mann am 24. Januar erneut zuschlug, blieb die Tat nicht unbeobachtet. Im Bereich der St.-Wolfgang-Mittelschule näherte er sich einem Zehnjährigen, legte den Arm um ihn und lief mit ihm bis zu dessen Zuhause. Der Junge habe geweint und sei eingeschüchtert gewesen, als ihn der Mann die Treppen zu einer Tiefgarage hinabzog. Vor dem Eingang zur Tiefgarage zog er dem Kind die Hose herunter, berührte und küsste es. Der Angeschuldigte habe nach kurzer Zeit von dem Kind abgelassen.

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Gefahr für die Allgemeinheit

Die Polizei fahndete wenige Tage später mit einem Foto sowie einem Video aus der Überwachungskamera der Tiefgarage nach dem unbekannten Mann. Ein Hinweis aus der Bevölkerung führte rasch auf die richtige Spur.

Vor dem Landgericht Regensburg muss sich der 56-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, sexueller Belästigung und Nötigung sowie Verstößen gegen die Führungsaufsicht verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Mann auch eine Gefahr für die Allgemeinheit und fürchtet weitere Straftaten zum Nachteil von Kindern. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten deshalb auch erneut die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung.

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