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Vorwürfe

Palmator-Schläger kommt glimpflich davon

Wegen gefährlicher Körperverletzung war ein 22-jähriger Regensburger angeklagt. Doch er bekommt nur eine milde Strafe.
Von Marion von Boeselager

Beim Starkbierfest 2018 auf dem Adlersberg soll der Angeklagte ausgerastet sein. Symbolfoto: Steffen
Beim Starkbierfest 2018 auf dem Adlersberg soll der Angeklagte ausgerastet sein. Symbolfoto: Steffen

Regensburg.Dramatische Szenen sollen sich im März 2018 beim Starkbieranstich auf dem Adlersberg abgespielt haben. Deshalb musste sich ein 22-jähriger Student aus Regensburg wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten.

Laut Anklageschrift blockierte der Mann in den Abendstunden nach reichlichem Bier-Genuss beim Haupteingang den Verkehr, indem er sich mitten auf die Fahrbahn stellte. Ein Sicherheitsmitarbeiter soll ihn höflich zur Seite gebeten, dann gezogen haben. Der 22-Jährige reagierte rabiat: Erst soll er dem Security-Mann seinen Ellenbogen gegen die Schläfe gerammt haben. Als Kollegen den wütenden Zecher zu Boden bringen wollten, soll der Palmator-Besucher einem der Helfer eine leere Glasflasche auf den Kopf gedroschen haben, so die Vorwürfe. Der Security-Mann verlor kurz das Bewusstsein und musste dann von Sanitätern behandelt werden. Danach stürzte der Angreifer laut Anklage mit einem Sicherheitsmann zu Boden und verdrehte diesem dabei schmerzhaft das Knie. Mehrere Leute der Bereitschaftspolizei griffen in das Gerangel ein. Auf dem Weg zum Dienstwagen soll sich der laut schreiende 22-Jährige so vehement gewehrt haben, dass ein Beamter einen Fußtritt aufs Auge abbekam. Die Blutprobe bei dem rabiaten Starkbier-Fan ergab 1,8 Promille Alkohol in seinem Blut sowie Spuren von Cannabis.

Vier Bier auf dem Hinweg

Der Angeklagte mit seinem Anwalt Michael Steindl vor Gericht Foto Boeselager
Der Angeklagte mit seinem Anwalt Michael Steindl vor Gericht Foto Boeselager

Etwas zerknirscht räumte der Angeklagte ein, mit seiner Freundin schon auf dem Weg zum Palmator etwa vier Bier getrunken, dann auf dem Adlersberg „mindestens zwei Maß Starkbier“ zu sich genommen und etwas „Gras“ geraucht zu haben. „Dann wollte ich mit meiner Freundin nach Hause trampen“, erinnerte er sich noch. „Aber wir waren wohl nicht recht erfolgreich. Dass ich die Straße versperrt haben soll, weiß ich nur noch schwammig.“

Erst als er die polizeilichen Videoaufnahmen sah, auf denen er aus Leibeskräften brüllt und sich wehrt, „kamen gewisse Erinnerungsfrequenzen wieder.“ Die Vernehmung aller Beteiligten ließ jedoch die Vorwürfe schnell in sich zusammensinken: Der federführende Beamte der PI Nittendorf gab vor Gericht an, er habe selbst von dem Vorfall nichts mitbekommen. Er habe die Zeugenbefragungen nur telefonisch durchgeführt. Die Bereitschaftspolizisten konnten nur die Gegenwehr auf dem Weg zum Dienstwagen bezeugen. Der durch einen Tritt getroffene Beamte meinte aber, das könne „ein Reflex“ des Angeklagten gewesen sein.

Starkbierfest

Palmator hinterlässt Müllberge

Die Polizei zieht eine zufriedene Bilanz zum Starkbierfest auf dem Adlersberg. Als erste fiel eine betrunkene 17-Jährige auf.

Der erste Security-Mitarbeiter, der nur gebrochen Deutsch sprach und angeblich einen Schlag mit dem Ellenbogen und ein schmerzhaft verdrehtes Knie abbekommen haben soll, ruderte vor Gericht zurück. Andere Gäste hätten sie gerufen, „weil zwei Leute ständig vor Autos sprangen und die Türen aufrissen.“ Er habe einen von ihnen, den Angeklagten, zur Seite gebeten und, als der nicht reagierte, an ihm gezogen. Dabei seien sie beide gestolpert und gestürzt, wobei der andere nach seinem Knie griff. Von einem Schlag mit dem Ellenbogen wisse er nichts. Richterin Cornelia Blankenhorn hielt dem Zeugen vor, er habe seine Aussage später doch unterschrieben. Der musste einräumen, sie nicht mehr durchgelesen zu haben.

Schlag auf den Kopf verspürt

Das Gleiche galt für seinen angeblich mit einer Bierflasche niedergestreckten Kollegen. Dieser sagte nun, er sei auf dem rücklings auf dem Boden liegenden 22-Jährigen gesessen, „um ihn zu beruhigen“. Da habe er plötzlich einen Schlag auf den Kopf verspürt. Woher der Schlag kam, könne er aber nicht sagen. Auch er hatte seine Aussage vor der Unterzeichnung nicht geprüft.

Da von der ursprünglichen Anklage so gut wie nichts übrigblieb, kam der junge Mann mit einem blauen Auge davon. Das Gericht stellte das Verfahren gegen ihn ein. Der bisher unbescholtene Student muss lediglich 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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