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Andenken

Papst-Zentrum begeistert die CSU

Die Stadträte Gugau und Lehner sind von der Lösung im Eichsfeld angetan. Nun wollen sie sehen, wie ihre Fraktion dazu steht.

  • Michael Lehner und Armin Gugau zusammen mit Landrat Werner Henning blicken auf den Touchscreen. Foto: Geradtz
  • Im Außenbereich weisen Aufsteller auf weitere Sehenswürdigkeiten im Landkreis hin. Foto: Geradtz
  • Im Infozentrum können die Besucher Bücher und DVDs zum Papstbesuch kaufen. Foto: Geradtz

Regensburg.„Jetzt wollen wir unsere Eindrücke ergebnisoffen in der Fraktionssitzung vorstellen“, sagt CSU-Stadtrat Armin Gugau begeistert. Zusammen mit seinem Stadtratskollegen Michael Lehner besuchte er am Wochenende das Pilgerzentrum in der thüringischen Gemeinde Steinbach, das in Gedenken an den Besuch von Papst Benedikt XVI. errichtet wurde (die MZ berichtete). „Wir finden, dass es hier sehr gut gelöst wurde“, pflichtet ihm Lehner bei.

In Regensburg tut sich die Stadt noch schwer damit, eine nachhaltige Würdigung für das Ereignis, zu dem damals 260 000 Pilger auf das Islinger Feld kamen, zu finden. Unlängst hatte OB Joachim Wolbergs einen Vorschlag der CSU unterstützt, die ein Denkmal zu Ehren des Papstes errichten will. Doch wenn es nach Gugau und Lehner geht, soll auch an das Gesamtwerk des Papstes, inklusive seines wissenschaftlichen Schaffens, erinnert werden.

Baukosten betragen 560 000 Euro

Was in Steinbach entstanden ist, das ist ein multimedialer Raum: Neben den geschrieben Informationen auf den Wänden und einigen Ausstellungsstücken, bildet ein großer Touchscreen das Herzstück des Informationszentrums. Auf ihm können mehrminütige Videosequenzen abgespielt werden. „Es sind insgesamt ungefähr 30 Minuten“, sagt Bürgermeister Mauritius Hünermund.

„Auf die Frage, wie es nach dem Papstbesuch weitergeht, waren wir gar nicht vorbereitet“, erklärt Werner Henning, Landrat des Landkreises Eichsfeld. Eigentlich sollte am Ort des Infozentrums lediglich eine Toilettenanlage für Pilger entstehen. „Die Zuständigkeit landete beim Landkreis“, so Henning. Der hat die ursprünglichen Pläne um einen größeren Parkplatz und das Dokumentationszentrum erweitert. Die Baukosten beliefen sich auf rund 560 000 Euro.

Jährlich entstehen Unterhaltskosten von 30 000 bis 35 000 Euro. Demgegenüber stehen Einnahmen von rund 1500 Euro durch den Verkauf von DVDs oder Büchern. Hinzu kommen Spenden. Sie genau zu beziffern, fällt Hünermund schwer: „Schätzungsweise sind es 200 bis 600 Euro pro Jahr. Viele Besucher gehen aber auch in die Kapelle, um dort zu spenden“, sagt der Bürgermeister.

Der Standort des Dokumentationszentrums ist ähnlich schlecht erschlossen wie das Islinger Feld. Deswegen wäre es für die CSU-Stadträte kein Muss, dass am Ort des Geschehens eine Gedenkstätte entsteht. „Wir könnten uns das Welterbezentrum vorstellen. Dort könnte man Synergieeffekte nutzen, die nichts kosten“, findet Armin Gugau. Er spricht von einer sechs bis sieben Meter langen Wand als Ausstellungsfläche. Dem Stadtrat schwebt vor, ebenfalls mit Videoausschnitten zu arbeiten. Sie machen das Erlebnis spürbar. Bei der Konzeption könnte er sich vorstellen, mit dem Institut Papst Benedikt XVI. zusammenarbeiten. Dessen stellvertretender Direktor Dr. Christian Schaller war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Institut Papst Benedikt XVI.

  • Der Auftrag

    2007 beauftragte Papst Benedikt XVI. den damaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Kardinal Müller mit der Herausgabe seines gesamten theologischen Schaffens.

  • Die Gründung

    Bischof Müller gründete das Institut Papst Benedikt XVI., das die Arbeit wissenschaftlich betreut. Der Sitz des Instituts ist im Priesterseminar.

  • Die Eröffnung

    Am 30. Oktober 2008 wurde die Einrichtung eröffnet. Zeitgleich wurde der erste fertiggestellte Band an den Apostolischen Nuntius Jean-Claude Périsset übergeben. Direktor des Instituts ist Bischof Rudolf Voderholzer, sein Stellvertreter ist Dr. Christian Schaller.

  • Erscheinungen

    Das Gesamtwerk Jospeh Ratzingers soll in einer 16 Bände umfassenden Publikation herausgegeben werden. Die ersten zwölf Bände sind bereits erschienen. Weitere Erscheinungen der Einrichtung sind „Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften“, „Ratzinger-Studien“, Mitteilungen Institut Papst Benedikt XVI.“ und „Monographische Beiträge“ von Fachautoren.

2015 kamen 15 000 Besucher

Peter Kittel, Geschäftsführer des Veranstaltungsservice Regensburg, organisierte beide Papstbesuche. Den in Thüringen sogar unter hohem Zeitdruck: Innerhalb von 100 Tagen stellte er die Veranstaltung auf die Beine. Dafür sind ihm die Eichsfelder bis zum heutigen Tag dankbar. Auch er sieht die Notwendigkeit, die Erinnerungen mit Multimediainhalten aufzufrischen. „Ein solches Dokumentationszentrum kann nicht durch ein banales Denkmal ersetzt werden.“ Kittel war von Anfang an von der Umsetzung begeistert. Er hatte die beiden Stadträte ermutigt, sich einen Eindruck des Neubaus zu verschaffen. „Viele kommen hierher, um die Erinnerungen wiederzubeleben und haben anschließend Tränen in den Augen“, bestätigt Bürgermeister Hünermund.

Nachdem das Dokumentationszentrum im Juni 2014 eröffnet wurde, kamen bis zum damaligen Jahreswechsel etwa 23 000 Besucher. Im vergangenen Jahr wurden 15 000 Gäste gezählt. Gegenstimmen hat es nur wenige gegeben, sagt Hünermund: „Der Gemeinderat war für die Errichtung.“

In Regensburg wurde bislang über die Höhe der Baukosten diskutiert. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gibt sich bei dem Thema weiterhin zaghaft. „Bislang habe ich noch nichts von so einem Vorschlag gehört. Wenn es so weit ist, werde ich mich damit beschäftigen“, kündigt OB Wolbergs an. „Wir werden der Bitte entsprechen und werden dem Papstbesuch mit einem Kunstwerk erinnern.“ Weiteres will er in den nächsten Wochen bekanntgeben.

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