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Wohnen

Parkvilla: Der erste Blick übern Zaun

Fünf Jahre dauerte die Renovierung der Regensburger Stadtbau-Immobilie. Doch nun hat Bert Wilden auch echt was zum Herzeigen.
Von Helmut Wanner, MZ

Bert Wilden steht auf Flossenbürger Granit: Der Innenhof wurde damit gepflastert. Foto: altrofoto.de
Bert Wilden steht auf Flossenbürger Granit: Der Innenhof wurde damit gepflastert. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Bert Wilden kann sich Daten nicht gut merken, aber den Oktober 2010 wird er nie vergessen. „Ich habe mich nämlich immer wieder gefragt, wie lange baue ich denn eigentlich schon in der Wittelsbacher Straße.“ Am Ende waren es fünf kostspielige Jahre. Wie viele Millionen liegen hier vergraben?

„Parkvilla. Dem Charme von gestern und dem Komfort von morgen.“

Bert Wilden

Bert Wilden nennt keine Zahlen. Aber hätte der 59-Jährige es vorher gewusst, was ihm an Statik- und sonstigen Problemen blühte, hätte er die Finger davon gelassen. „Aber es ist wie mit einer Geburt“, sagt er. „Die Wehen sind vergessen.“ Jetzt, da das Baby in Schönbrunner Gelb durchs Unterholz strahlt, ist der Bauherr nur noch glücklich.

Parkvilla: eine Liebesbeziehung…

Zwischen der Parkvilla und Bert Wilden besteht so eine Art Liebes-Beziehung. Sie begann 2001. Damals hatte Bert Wilden im Dörnberg-Palais den Firmensitz des Plastik-Spezialisten bezogen, die 2008 an die Firma Gerresheimer verkauft wurde. „Als ich noch hier arbeitete, bin ich im Park oft vorbeigegangen. Ich hab mich immer gefragt, was ist da drin: Eine Behörde, ein Altenheim? Ich sah keine Menschen.“

Mittlerweile weiß er, die Stadtbau GmbH hatte in ihrer Gründerzeit hier ihre Verwaltung geplant. Der dem Verfall preisgegebene Wohn- und Geschäftshauskomplex am Dörnbergpark hatten einmal große Namen beherbergt: Bühnenbildner Jo Lindinger, Schauspieler Karl Sladek und Kulturdezernent Dr. Walter Boll. Der Dichter Eugen Roth kam hier zu Besuch. Max Wissner hatte im Kutscherhaus sein Atelier. Jetzt steht die Anlage da wie nie zuvor, als die Regensburger Edeladresse an sich. 3000 Quadratmeter Wohnfläche wurden aufwendigst saniert. Unter der Ägide der Regensburger Architekten Oliver Benke, der während der Arbeit am Objekt 2014 starb, und Peter Unglaub, entstanden 18 Wohnungen zwischen 140 und 180 Quadratmetern, alle individualisiert. Eine Innenarchitektin aus Südtirol plante Böden und Bäder, von denen keines dem andern gleicht – mit italienischen Mosaiken und Armaturen.

Bert Wilden wohnt hier mit seiner Familie. Und über ein Dutzend anderer Mieter mit klingenden Namen. So ein Forensikexperte und ein emeritierter Inhaber des einzigen deutschen Lehrstuhls für Pharmaziegeschichte.

Wenn man jetzt in der blauen Stunde durch den Park geht, blickt einen die 1924 von Carl Winkler gebaute schlossartige Dreiflügelanlage an wie ein Ganzjahres-Adventskalender. Untypisch für die Stadtvillen zeigt sie ihre Schauseite in den Park hinein. Die Architektur wurde mit Fensterrahmungen und Säulenportikus aufwendig gestaltet, in Hinblick auf eine projektierte Straße, die vor der Langfront unter Beschneidung des Dörnbergparks entstehen sollte.

Vorne an der Wittelsbacher Straße hat Bert Wilden ein Wahrzeichen aus Flossenbürger Granit setzen lassen. Die Skulptur des Bildhauers Mayan (Hans Mayer) heißt „Dreisamkeit“. Viele Pendler fahren täglich dran vorbei. „Parkvilla. Dem Charme von gestern und dem Komfort von morgen.“ Neben der Einfahrt zur Tiefgarage hängt dieses Kupferschild. Nur noch ein Kupferhäuschen erinnert an das Riesenloch der Tiefgarage, das bis 2014 hier klaffte. Es ist die Einfahrt zu einer der komfortabelsten Tiefgaragen der Stadt. Jedes Auto darf Aufzug fahren. Die Sohle der zweistöckigen Tiefgarage liegt bei 7,5 Metern. Dort unten soll sich auch das ominöse Schwimmbad befinden, über das in Regensburg gesprochen wird. „Ja, ich hab eins, aber es hat keine 50 Meter“, sagt der Unternehmer.

Den Hof und die Außenbereiche hat der Weidener als Reverenz an die Heimat mit wertvollem Flossenbürger Granit pflastern lassen. Schreiner der Firma Träg schrauben Holzpaneele für die Pergola an, die das Grundstück vom Kloster der Heimatmission abgrenzt. Hier will Wilden einen Treffpunkt der Mieter schaffen, geschmückt durch eine Klein-Plastik von Markus Egli mit kleinen Figuren, die im Kreis stehen und statt Gesichter Spiegel tragen. „Meeting point“ heißt das Stück. Zwischen zwei Brunnen duftet das „Bouquet“, ein metallener Riesen-Blumenstrauß des Magdeburger Kunstprofessors Eckard Kremers. Aber die Bavaria im Garten Bert Wildens, eine gewaltige Frau aus der Werkstatt des bekannten Künstlers Dietrich Klinge, zieht die Blicke auf sich. Insgesamt sieben Skulpturen schmücken den Außenbereich. Die Parkvilla ist nicht von der Stange. Eine verschwenderische Fülle an echter moderner Kunst bedeckt die Wände der Treppenaufgänge und Flure und gibt der Anlage das Flair einer Galerie Wilden. „Ich hab nicht alles gehängt“, sagt Bert Wilden, ein Freund der Künste.

Charme von gestern, Komfort von morgen

Die Grundrisse blieben gleich

Nicht nur auf Geld, auf die drei Säulen Toleranz, Respekt und Verantwortung hat er sich seine Welt gebaut. Diesen Respekt hat er auch gegenüber der Parkvilla bewiesen. „Ich hätte den Wohnraum verdichten können, ich hab darauf verzichtet“, sagt Wilden. Was erhaltenswert war, wurde zum Leuchten gebracht. Man sieht es in den Treppenhäusern. Die Terrazzoböden strahlen wieder in Grün, Weiß, Rot und Schwarz. Gut Ding brauchte genau 65 Monate. Solange dauerte es vom Grundstückserwerb bis heute.

Übrigens: Die Brüder Hans und Bert Wilden hatten ihre Firma 2008 verkauft. Gerresheimer wurde so zum weltweiten Marktführer für Healthcare-Systeme.

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