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Umwelt

Pestizid-Stopp empört Bauern

Die Stadt Regensburg verbietet Pflanzenschutzmittel. Betroffene Landwirte fühlen sich in ihrer Existenz bedroht.
Von Julia Ried

  • Bauer Gerhard Froschhammer sät auf diesem Feld in Irl gerade Zwischenfrüchte an: Ob er es in Zukunft noch von der Stadt pachten kann, weiß er nicht. Die neuen Auflagen kann er nicht erfüllen, sagt er. Foto: Tino Lex
  • Die betroffenen Bauern (von links) Albert Freidl, Gerhard Froschhammer und Johannes Wiesbeck

Regensburg.Der Beschluss trifft Bauern, die Flächen von der Stadt gepachtet haben, wie ein „Vorschlaghammer“, so formuliert es Landwirt Gerhard Froschhammer aus Irl: Auf Grund der Stadt oder ihrer Stiftungen dürfen sie bald keine Pflanzenschutzmittel mehr verwenden. Es sei in den Verträgen „grundsätzlich ein Verzicht auf die Verwendung von Pestiziden und Herbiziden zu vereinbaren“, lautet die Entscheidung des Grundstücksausschusses des Stadtrats. Froschhammer sagt: Einige Betriebe seien dadurch in ihrer Existenz gefährdet.

Er selbst hat ein Drittel seiner 150 Hektar von der Stadt gepachtet. Die Kommune hat derzeit 470 Hektar in Stadt und Umland Landwirten überlassen. Dazu kommen reichlich Flächen von städtischen Stiftungen, sodass insgesamt 60 Bauern in Pachtbeziehungen zur Stadt stehen, darunter nach Angaben der Stadt knapp zehn Prozent Bio-Bauern.

Bauern vermissen Mitsprache

Froschhammer und etliche weitere konventionell wirtschaftende Betroffene fühlen sich mit vollendeten Tatsachen alleingelassen. Bis jetzt seien sie noch nicht einmal offiziell informiert worden. „Es gibt ein Diktat der Stadt. Und das Ganze passiert aufgrund einer Polemik ,guter Bauer, schlechter Bauer‘.“ Der Beschluss laufe auf eine Bio-Bewirtschaftung hinaus, die unter den Bedingungen der Stadt kurzfristig gar nicht zu bewerkstelligen sei. Sie verpachte – anders als ihre Stiftungen – die Flächen jeweils für ein Jahr. Allein die Umstellung auf Öko-Landbau dauere zwei. Aber auch so müssten Bauern für ein Jahrzehnt vorplanen.

Bisher habe es trotz der kurzfristigen Verträge ein gutes Miteinander mit der Stadt gegeben. Bauern hätten Grund für Radwege oder Betriebsansiedlungen hergegeben, im Gegenzug habe ihnen die Stadt Pachtflächen in Aussicht gestellt. Nun fühlen sich die Bauern vor den Kopf gestoßen. Schon die Formulierung des Beschlusses bringt sie auf die Barrikaden. Johannes Wiesbeck vom Hölzlhof in Gonnersdorf sagt: Pestizide und Herbizide so gleichrangig zu nennen sei so „irrwitzig“ wie der Satz: „Am Wertstoffhof können Autoreifen und Winterreifen abgegeben werden.“

Eine Pflanzenschutzspritze Foto: Julia Ried
Eine Pflanzenschutzspritze Foto: Julia Ried

Herbizide sind eine Art von Pestiziden – nämlich solche zur Bekämpfung von Unkräutern –, die Formulierung sei deshalb „doppelt gemoppelt“, bestätigt Klaus Gehring vom Institut für Pflanzenschutz der Landesanstalt für Landwirtschaft. Er erläutert: Unter den Begriff Pestizide fallen nicht nur chemisch-synthetische Wirkstoffe, sondern auch natürliche Substanzen bis hin zu Organismen, beispielsweise Bakterien. Insofern gelte für den Beschluss: „Damit ist auch die ökologische Bewirtschaftung deutlich erschwert.“ Im Anbau von Bio-Kartoffeln etwa werde das Schwermetall Kupfer zur Bekämpfung von Kraut- und Knollenfäule eingesetzt. Ohne sei er „fast nicht sinnvoll möglich“. Schon die Umstellung auf normalen Öko-Landbau bringe einen Ertragsverlust von 30 bis 50 Prozent mit sich – den bekommen konventionelle Bauern aber nicht über „Ökopreise“ kompensiert.

Die Bauern Froschhammer, Wiesbeck und Albert Freidl aus Lappersdorf – Freidl baut auf 15 Hektar städtischen Grunds in Burgweinting Kürbisse an – wollen sich für ihr konventionelles Wirtschaften nicht an den Pranger stellen lassen. Freidl sagt: „Ich find das eigentlich eine Diskriminierung, was da betrieben wird. Ich habe absoluten Respekt vor einem Biobauern. Solchen Respekt fordere ich auch von der Stadt Regensburg.“ Die Landwirte betonen, sie seien nach wie vor gesprächsbereit.

Abfuhr beim Bürgermeister

Bei Umwelt-Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) haben sich Freidl und Froschhammer schon eine Abfuhr geholt. Froschhammer erzählt: „Der Herr Huber hat sich immer darauf berufen, der Beschluss sei bindend.“ Umgesetzt werden soll er laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra frühestens ab dem Pachtjahr 2019/2020, das am 1. Oktober 2019 beginnt. Im Vorfeld des Beschlusses sei der Bauernverband „beteiligt“ worden. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, deren SPD den Beschluss initiiert hat, und Huber versichern auf Nachfrage: „Die Stadt wird mit den Pächtern der Flächen und Vertretern des Bayerischen Bauernverbands in Regensburg im Gespräch bleiben und gemeinsam Lösungen finden.“ Laut von Roenne-Styra verfolgt die Stadt mit ihrem Beschluss die gesetzliche Vorgabe, dass auf Flächen der öffentlichen Hand „die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden sollen“.

Pestizide

  • Begriff:

    „Pestizid ist im originalen Wortlaut die Bezeichnung für eine Substanz, die einen Krankheits- oder Schaderreger mindert oder bekämpft“, erläutert Klaus Gehring von der Landesanstalt für Landwirtschaft.

  • Anwendung:

    In der Landwirtschaft kommen im Umfang von circa 40 Prozent Herbizide, also Unkrautbekämpfungsmittel, zum Einsatz – darunter fällt Glyphosat, das der Freistaat ab Oktober auf seinen landwirtschaftlichen Flächen verbietet. Fungizide zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten kommen zu 30 Prozent zum Einsatz. Ökobauern sind laut Gehring bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln „massiv eingeschränkt“; Für sie sind chemisch-synthetische Mittel verboten.

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