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Wahl

Peter Aumer siegt, die SPD trauert

Der CSU-Kandidat schafft es mit Verlusten. Dr. Tobias Hammerl (SPD) verliert krachend. FDP und Grüne holen wohl ein Mandat.
Von Marion Koller, MZ

Auch im Wahlkreis 233 wurde gewählt. Bewohner von Stadt und Landkreis Regensburg gaben ihre Stimmen ab.

Regensburg.Im neuen Bundestag werden voraussichtlich drei Regensburger mitreden: Peter Aumer holte das Direktmandat für die CSU, schnitt aber schlechter ab als sein Vorgänger Philipp Graf Lerchenfeld vor vier Jahren. Über Listenplätze kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit Ulrich Lechte von der FDP und Stefan Schmidt von den Grünen in das Parlament. Für Astrid Freudenstein (CSU) ist der Traum vom Bundestag wohl geplatzt. Der Listenplatz reichte offenbar nicht. Der große Wermutstropfen: Die AfD erzielte im Wahlkreis Regensburg mit seinen 252 910 Wahlberechtigten aus Stadt und Land 12,97 Prozent, im Landkreis haben sie mehr Menschen gewählt als die SPD.

Glückwünsche für den frisch gebackenen Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (Mitte). Dr. Josef Zimmermann, CSU-Fraktionschef im Stadtrat, und Stadträtin Bernadette Dechant gratulierten. Foto: altrofoto.de
Glückwünsche für den frisch gebackenen Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (Mitte). Dr. Josef Zimmermann, CSU-Fraktionschef im Stadtrat, und Stadträtin Bernadette Dechant gratulierten. Foto: altrofoto.de

Bei ihrer Wahlveranstaltung im Leeren Beutel hatte die Stadt diesmal darauf verzichtet, einen Fernseher für die bundesweiten Hochrechnungen aufzustellen. Kandidaten und Besucher mussten also warten, bis die ersten Ergebnisse aus dem Wahlkreis Regensburg über die beiden Beamer-Leinwände flimmerten, die aufgehängt waren. Alle starrten konzentriert auf die Smartphones. Erst gegen 18.45 erschienen auf den Leinwänden die ersten Regensburger Ergebnisse.

Einen Kommentar von Lokalchef Ernst Waller zum Thema lesen Sie hier:

Kommentar

Blass und blasser

Die SPD im freien Fall, die CSU fliegt dicht dahinter und die AfD rauscht nach oben – der landesweite Trend spiegelt sich auch im Raum Regensburg wider....

Wegen der Verluste der Volksparteien und des AfD-Abschneidens herrschte eine gedrückte Stimmung im Leeren Beutel. Nur einmal klatschte eine Gruppe. Es waren CSU-Mitglieder, die Peter Aumer begrüßten. Der 41-jährige Diplom-Betriebswirt aus Regenstauf freute sich, mit 40,05 Prozent der Erststimmen ein „respektables Ergebnis“ eingefahren zu haben. Die Partei erreichte 37,8 Prozent. An das von Philipp Graf Lerchenfeld aus dem Jahr 2013 kam es allerdings nicht heran. Dieser hatte 48,45 Prozent der Erststimmen erhalten. Aber damals schnitt auch die CSU insgesamt besser ab. Aumer kündigte an, er werde in Berlin Netzwerke für die Region knüpfen. Seine Ziele: Er will sich für die Verkehrsinfrastruktur starkmachen, etwa für eine zusätzliche Donauquerung und eine dritte Tunnelröhre auf der A 93. Die Digitalisierung möchte er voranbringen. Das katastrophale Bundesergebnis seiner Partei kommentierte er mit den Worten: „Das gibt mir zu denken. Wir müssen das Vertrauen der Leute zurückerobern und klar Position beziehen.“

Regensburger Politiker im MZ-Interview: Bei der Wahlveranstaltung im Leeren Beutel in Regensburg haben unsere Reporter viele Stimmen in Videointerviews gesammelt.

Hier sehen Sie außerdem ein 360-Grad-Bild von der Wahlveranstaltung im Leeren Beutel in Regensburg:

Die Wahlveranstaltung der Stadt Regensburg im Leeren Beutel - Spherical Image - RICOH THETA

Völlig niedergeschlagen wirkte SPD-Direktkandidat Dr. Tobias Hammerl, der auch nach eigener Aussage eine „krachende Niederlage“ erlitten hatte. Er erreichte nur 16,69 Prozent der Erststimmen, die Partei vereinigte 14,46 Prozent der Zweitstimmen auf sich. Er habe zwar mehr Erst- als Zweitstimmen bekommen, doch freuen könne er sich darüber nicht. Die herbe Niederlage der Sozialdemokraten überschatte alles. „Die SPD hat es nicht geschafft, den Leuten die Zukunftsangst zu nehmen.“ Sie müsse sich in der Opposition neu erfinden. Während des Gesprächs gratulierte ihm ein Unterstützer. Hammerl fragte: „Für was?“ Der Anhänger sagte: „Fürs tapfere Durchhalten.“ Hammerl, der das Abensberger Museum leitet, wird am heutigen Montag mit seiner Lebensgefährtin und dem einjährigen Johann in den Bayerischen Wald reisen.

Betroffene Gesichter bei der SPD. Rechts neben Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer steht Direktkandidat Dr. Tobias Hammerl. Foto: altrofoto.de
Betroffene Gesichter bei der SPD. Rechts neben Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer steht Direktkandidat Dr. Tobias Hammerl. Foto: altrofoto.de

Ulrich Lechte, sagte, es sei „ein großartiges Gefühl, dass ich den Sprung vermutlich geschafft habe“. Fassungslos mache ihn das Wahlergebnis der AfD. Der Betriebswirt (40), der 6,22 Prozent der Erststimmen bekam, hat vor, sich vor allem für eine bessere Verkehrsinfrastruktur einzusetzen. Der Grüne Stefan Schmidt – 9,32 Prozent der Erststimmen – sagte um 21.15 Uhr noch: „Ich traue mich nicht, mich zu freuen.“ Er gab sich jedoch vorsichtig optimistisch, den Sprung nach Berlin zu schaffen. AfD-Kandidat Armin Bauer tauchte nicht im Leeren Beutel auf. Die Partei wurde in der Stadt viertstärkste, im Land zweitstärkste Kraft. Auch Dr. Astrid Freudenstein machte sich rar. Sie weilte in München.

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Einige Bilder vom Wahl-Sonntag in Regensburg finden Sie in unserer Bildergalerie:

Die Bundestagswahl im Leeren Beutel

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