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Kirche

Pfarrei bringt Orgeln auf Vordermann

St. Wolfgang in Regensburg startet die 364 000 Euro teure Restaurierung. Vor dem Umbau erklang zu Ostern ein letztes Konzert.
von Daniel Steffen

Der Termin steht: Die große „Siemannorgel“ in der Pfarrkirche St. Wolfgang wird nach Pfingsten mit großem Aufwand restauriert. Foto: altrofoto.de
Der Termin steht: Die große „Siemannorgel“ in der Pfarrkirche St. Wolfgang wird nach Pfingsten mit großem Aufwand restauriert. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Mit einem „letzten Konzert“ verabschiedete sich die Pfarrei St. Wolfgang von ihren beiden Orgeln. Mit Werken von Johann Sebastian Bach und Wilhelm Rudnick präsentierte Kirchenmusiker Thomas Engler noch einmal die „vielfältigen Klänge der großen Siemannorgel“, bevor in Kürze eine Fachfirma deren Restaurierung in Angriff nimmt. Im Laufe der Jahre versagten immer mehr Pfeifen und Register ihren Dienst, auch die Elektrik der Orgel geriet in Mitleidenschaft. „Dem Blasebalg geht die Luft aus“, hatte Regionaldekan Prälat Alois Möstl bereits 2015 wegen des schlechten Zustands der Windanlage Alarm geschlagen.

In den nächsten Monaten wird nun all den Problemen Abhilfe geschaffen –auch dank zahlreicher Unterstützer. So seien zugunsten der Sanierung schon weit über 43 000 Euro Spenden eingeflossen, bilanziert Pfarrer Möstl erfreut. Jeder, der dazu beitragen will, kann auch weiterhin eine Patenschaft für eine der 3800 Orgelpfeifen übernehmen. Insgesamt, so sagt Möstl, schlage die Restaurierung mit 364 000 Euro zu Buche. 150 000 Euro davon übernehme die Diözese.

Im Sinne der klanglichen Vielfalt

Nach Ostern beginnen zunächst die Arbeiten an der kleinen Orgel, die sich vor dem Hauptportal befindet. „Ihre neun Register werden durch den Einbau einer Einzeltonsteuerung umgebaut und klanglich an die große Orgel angepasst“, sagt der Regionaldekan. Diese Maßnahme soll eine „Steigerung der klanglichen Vielfalt“ erwirken.

Nach Pfingsten ist die Reparatur der großen Orgel an der Reihe. Rund 1800 Arbeitsstunden seien dafür veranschlagt, zumal jedes einzelne Teil gereinigt, überprüft und bei Bedarf repariert werden müsse. Während die kleinste der 3800 Orgelpfeifen nur 15 Millimeter misst, bringt es die größte auf elf Meter Länge. Irreparable Orgelpfeifen werden durch neue Originalpfeifen ersetzt, kaputte Register rekonstruiert. 48 Register zählt die im Jahr 1944 eingeweihte Orgel insgesamt. „Unser Ziel ist, das Klangbild der Orgel in seinen Originalzustand zu bringen“, sagt Möstl. Zudem will die Kirchenverwaltung den Spieltisch ersetzen: Für 1500 Euro soll der alte nun an Interessenten aus Memmingen verkauft werden.

Eine bewegte Geschichte

Erbaut von der früheren Firma Binder und Siemann, hat die große Orgel eine bewegte Geschichte hinter sich: Im Jahr 1940 bat die Kirchenverwaltung von St. Wolfgang ihren Pfarrer darum, die Orgel „sofort zu bestellen“. Da der 2. Weltkrieg tobte, befürchtete sie, keine Orgel mehr zu erhalten. Obwohl es sogleich zu einem Vertrag mit der Firma Siemann kam, musste sich die Pfarrei drei Jahre gedulden, bis die Teile geliefert wurden und die Orgel aufgebaut werden konnte. Am 15. Oktober 1944 feierte sie die Einweihung, bei einem Luftangriff zweieinhalb Monate später jedoch wurde die Orgel zu großen Teilen zerstört. Jener 28. Dezember 1944 ging als „schwarzer Tag für Kumpfmühl“ in die Geschichte, zumal 29 Anwohner bei dem Angriff ihr Leben verloren und zahlreiche Häuser zerstört wurden. Erst in der Nachkriegszeit, am 13. Juni 1948, wurde die Orgel nach ihrem Wiederaufbau ein zweites Mal eingeweiht.

Möstl schätzt an der Orgel vor allem den „dunklen, grundtönigen Klang mit nur wenigen hellen Farben“, der typisch für die Orgelbautechnik der Romantik sei. Wie er sagt, habe sich die Firma Siemann als eine von wenigen gegen den Trend der neubarocken Orgelbautechnik gestemmt. Deshalb sei der „Siemann-Klang“ einzigartig.

An diesen Originalklang heranzukommen bezweckt auch der Umbau der kleinen Orgel. 1961 errichtet, folge die Portalorgel dem „neobarocken Klangbild“ und verschmelze daher nicht mit der Siemann-Orgel „zu einem großen Ganzen“, wie Möstl beklagt. Er geht davon aus, dass die Umbau- und Restaurierungsarbeiten an beiden Orgeln bis Oktober abgeschlossen sind. Der Termin für die feierliche Einweihung nach der Restaurierung steht bereits fest: Am 3. Advent (16. Dezember) wird Bischof Rudolf Voderholzer diesen Akt vollziehen.

Die Firma Mühleisen bekam den Zuschlag

  • Für die Restaurierung

    der beiden Kirchenorgeln hat die Kirchenverwaltung im Juli 2015 eine Ausschreibung an die „vier namhaftesten Orgelbaufirmen Deutschlands“ versandt.

  • Nach mehreren Beratungen

    gab sie der Firma Mühleisen aus Leonberg bei Stuttgart den Zuschlag.

  • Die große Orgel

    in der Pfarrkirche St. Wolfgang ist das größte erhaltene Instrument des früheren Münchner Herstellers Siemann.

  • Mit einer Breite

    von 12,5 Metern und einer Höhe von elf Metern über dem Orgelwerk hat sie den größten Orgelprospekt der Diözese. (mds/sw)

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