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Auszeichnung

Pfeifles Masterarbeit ist preiswürdig

Simone Pfeifle warf einen differenzierten Blick auf die Personalpolitik der Medbo. Dafür erhält sie jetzt den Studentenpreis der Wirtschaftszeitung.
Von Judith Buchwald, WZ

Simone Pfeifles Employer Branding Konzept fußt auf den drei Säulen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, der Patient im Mittelpunkt und Zukunft mit Stabilität. Fotos: Sebastian Pieknik

Regensburg.Warum arbeiten Sie gerne bei Ihrem Arbeitgeber? Diese simple, aber in Zeiten von Fachkräftemangel doch so akute Frage stellte Simone Pfeifle den Mitarbeitern der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz, kurz Medbo. Für ihre Masterarbeit zur Konzeption eines Employer-Branding-Ansatzes im Gesundheitswesen, die jetzt mit dem Studentenpreis der Wirtschaftszeitung ausgezeichnet wurde, tauchte die junge Human Resource Managerin tief ein in die Berufswirklichkeit von Ärzten, Pflegepersonal und Angestellten. Ihre Ergebnisse: Die Medbo hat sich in der Innenwahrnehmung als attraktiver, stabiler und zukunftsfähiger Arbeitgeber etabliert. In der Außenwirkung hängt vor allem dem Bezirksklinikum in Regensburg immer noch das Image der ehemaligen Nervenheilanstalt Karthaus nach.

Mit circa 2100 Mitarbeitern ist das Bezirksklinikum in Regensburg der größte Standort der Medbo. Weitere Einrichtungen befinden sich in Amberg, Cham, Parsberg, Weiden und Wöllershof. „Durch diese flächendeckende Ausrichtung stellen wir die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von etwa einer Million Einwohner sicher“, berichtet Horst Meisinger, der Personaldirektor der Medbo. Eine Klinik im Schlaraffenland? „Ganz im Gegenteil“, betont Meisinger. Im Bereich Neurologie und in weiteren Teilbereichen buhlt die Medbo mit anderen Kliniken und Privatpraxen um die Gunst der Fachkräfte. Hinzu komme der aktuelle Zeitgeist. „Der Anteil behandlungsbedürftiger psychischer Erkrankungen nimmt stetig zu. Umso wichtiger ist es, qualifizierte Mitarbeiter zu binden und neue zu finden.“ Nach außen habe das Bezirksklinikum zudem nach wie vor ein Imageproblem. „Würde man die Menschen in Regensburg auf der Straße fragen, würde man vermutlich mehr über die ehemalige Nervenheilanstalt Karthaus als über das moderne Kliniken- und Therapiezentrum erfahren, das die Medbo heute ist“, berichtet Pfeifle.

Mitarbeiter werben Mitarbeiter

Um neue Zukunftsstrategien zu ergründen und die enorme medizinische Bedeutung des Versorgungsangebots am Bezirksklinikums auch nach außen zu transportieren, öffnete Meisinger der Studentin Tür und Tor. Er gewährte der 26-Jährigen tiefe Einblicke in die Personalstruktur des Unternehmens. Für Meisinger ein erster Schritt zu erfolgreichem Employer Branding: Transparenz schaffen. Und den Mitarbeitern Mitbestimmungs- und Gestaltungsrechte einräumen. Die gaben ihren Teil zurück. Insgesamt 24,6 Prozent der Beschäftigten – von der Führungs- bis zur Reinigungskraft – beteiligten sich an der von Pfeifle durchgeführten Onlineumfrage. Zudem stellten sich 76 Prozent der Führungskräfte für ein Interview zur Verfügung. Pfeifle selbst hospitierte in verschiedenen Bereichen der Medbo. „Dadurch lernt man die Menschen und deren Arbeitsalltag besser kennen. Man bekommt ein Gefühl dafür, vor welchen Herausforderungen die Mitarbeiter tagtäglich stehen, welche Höhen und Tiefen deren Job mit sich bringt“, beschreibt Simone Pfeifle ihren Ansatz. Die hohe Beteiligung – normalerweise liegt der Anteil im Durchschnitt bei etwa sieben bis acht Prozent – wertete Pfeifle als gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass die Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber vertrauen und ihn auch in Zukunft weiter voranbringen wollen.

Ein zentrales Ergebnis der Analyse, auf das künftig auch das Recruiting der Medbo angepasst werden soll: Die Mitarbeiter machen sich schon jetzt gern für ihren Arbeitgeber stark. Etwa 40 Prozent der derzeit Beschäftigten wurden auf die Medbo durch Freunde, Verwandte und Bekannte aufmerksam. „Dieses Recruiting-Potenzial wollen wir natürlich weiter ausbauen“, sagt Meisinger. „Wohl nicht durch ein Kopfgeld“, betont der Personaldirektor. Allerdings soll ein gezieltes „Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter“-Programm entwickelt werden. Als weiteres Zugpferd des Employer Brandings der Medbo identifizierte Pfeifle das gut ausgebaute Personalentwicklungskonzept. So werden beispielsweise Führungskräfte über zwei Jahre in internen Schulungsprogrammen auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet.

Neue Ansprüche der „Generation Y“

„Ein Chefarzt erwirbt seine Führungsqualitäten nicht durch seinen Titel“, gibt Pfeifles Masterarbeitsbetreuer Prof. Dr. Bernt Mayer von der Fakultät Betriebswirtschaft, Unternehmens- und Personalführung der OTH Amberg-Weiden zu Bedenken. „Auch wenn viele Ärzte heute noch nach diesem Selbstverständnis agieren.“ Akuter Fachkräftemangel und erhöhte Ansprüche der sogenannten „Generation Y“ an ihr Arbeitsumfeld zwingen die Medizinbranche laut Mayer zum Umdenken. „Jede Klinik ist auch ein Unternehmen, das es zu führen gilt.“ Dabei müsse der Spagat zwischen Mitarbeiterführung auf der einen Seite und Patientenversorgung auf der anderen Seite gemeistert werden. Das eine geht jedoch nicht ohne das andere. „Nur wenn sich die Mitarbeiter in ihren Sorgen und Nöten Ernst genommen fühlen, werden sie sich auch freundlich und hingebungsvoll um die Patienten kümmern können“, merkt Mayer an.

Als ausgemachte Stärke bietet die Medbo ihren Führungskräften und Mitarbeitern im Gegenzug Nachhaltigkeit und Stabilität. „Wir wollen unsere Mitarbeiter längerfristig an das Unternehmen binden und bieten daher eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten“, betont Horst Meisinger. Auf dem Gelände des Bezirksklinikums in Regensburg befinden sich unter anderem eine Berufsfachschule für Pflegekräfte und ein eigenes Institut für Bildung und Personalentwicklung. Durch Kooperationsverträge mit der Universität haben wissenschaftlich ausgerichtete Mitarbeiter neben der praxisorientierten Arbeit auch die Möglichkeit, ihre Forschung weiter auszubauen.

Weitere Nominierte für den Studentenpreis waren Johannes Höcherl (OTH Regensburg), Claudius Löhnert (Universität Passau) und Daniel Lammering (OTH Regensburg).

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