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Verkehr

Planer prüfen Tram aufs Land

Der Landkreis lässt einen möglichen Stadtbahn-Ausbau untersuchen. Gemeinden im Stadtsüden jubeln – andere sind skeptisch.
Von Julia Ried

Diese Tram überwindet nicht nur eine Stadt-, sondern sogar eine Staatsgrenze: Sie fährt von Straßburg ins baden-württembergische Kehl. Foto: Uli Deck/dpa
Diese Tram überwindet nicht nur eine Stadt-, sondern sogar eine Staatsgrenze: Sie fährt von Straßburg ins baden-württembergische Kehl. Foto: Uli Deck/dpa

Regensburg.Als vor einigen Wochen ein Gutachter des Wiener Planungsbüros Komobile Neutraubling besuchte, war Bürgermeister Heinz Kiechle (CSU) einmal froh, dass viel Verkehr war in seiner 14 400-Einwohner-Stadt mit mehr Arbeitsplätzen als Bürgern. Schließlich wollte er zeigen, wie voll die Straßen sind – und wie dringend nötig eine Entlastung durch eine Tram. Dass eine mögliche Realisierung noch hinter dem Zeithorizont von zehn, zwölf oder 15 Jahren liegt, von dem in Regensburg die Rede ist, mindert seine Begeisterung nicht. „Je mehr die Region boomt, desto wahrscheinlicher wird es“, sagt er – und weist darauf hin, dass er in der Königsberger Straße schon Platz frei halte für eine mögliche Trasse.

Die Stadt Neutraubling hat hier in der Königsberger Straße sogar schon Platz für eine Stadtbahn freigehalten. Foto: Tino Lex
Die Stadt Neutraubling hat hier in der Königsberger Straße sogar schon Platz für eine Stadtbahn freigehalten. Foto: Tino Lex

Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) ist bei dem Thema deutlich zurückhaltender. Sie weist im Gespräch mit der Mittelbayerischen zunächst darauf hin, dass sie eine Stadtbahn in den Landkreis keineswegs für eine Patentlösung für die Verkehrsprobleme hält – sei doch aktuell das Fahrgastpotenzial für die Förderkonditionen zu gering, seien prinzipiell die Straßen nicht so belastet wie in Regensburg. Bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs gelte so: „Für uns wird nach wie vor der Bus das Wichtigste sein.“ Sinnvoll könne aber eine Weiterführung der Tram ins unmittelbare Umland sein. Eine solche lässt sie prüfen – von demselben Büro, das federführend das Tram-Gutachten für die Stadt Regensburg erstellt hat.

Es handle sich bei der „Untersuchung zur Erweiterung der Stadtbahn auf ausgewählten Trassen in den Landkreis Regensburg“ um eine erste Vorstudie, betont Josef Weigl, Chef der landkreiseigenen Nahverkehrsgesellschaft GFN. Der Landkreis wolle sich rüsten für einen potenziellen Ausbau – schließlich könnten sich die Fördermöglichkeiten ändern. „Man schaut, ob das überhaupt in Erwägung zu ziehen ist.“

Sieben Trassen

Abgeklopft werden Trassen ab den End- und Knotenpunkten der geplanten Regensburger Stadtbahn: von Wutzlhofen nach Wenzenbach/Bernhardswald, von der Nordgaustraße nach Lappersdorf, vom Uniklinikum nach Pentling und von Burgweinting nach Ober- und Neutraubling. Ebenso untersuchen die Gutachter eine Verlängerung einer Ost-West-Trasse, die erst in einer zweiten Ausbaustufe realisiert werden könnte, nach Kneiting und Barbing.

Hier sehen Sie die untersuchten Trassen in einer Grafik auf einen Blick.

Die Bürgermeister aus dem südöstlichen Umland von Regensburg, mit denen die Mittelbayerische sprach, zeigten sich Feuer und Flamme für eine Tram ins Umland. Der Barbinger Bürgermeister Hans Thiel (CSU) sagt zwar einerseits: „Was wir brauchen, ist eine schnelle Lösung.“ Derzeit stehe der Bus genauso im Stau wie das Auto, eine ÖPNV-Fahrt aus dem Barbinger Umland zum Regensburger Gewerbepark sei „eine Weltreise“. „Da reden wir nicht mehr von einer Stunde.“ Andererseits aber fordert er: „Die Stadtbahn brauchen wir.“ Das südöstliche Umland müsse sie anfahren – bis dorthin, „wo ich mit dem Auto schnell noch hinfahren kann, aber noch stadtnah bin“. Dort gelte es, Pendlerparkplätze zu schaffen. Die Pentlinger Bürgermeisterin Barbara Wilhelm (Freie Wähler) sagt: „Ich habe ganz große Hoffnungen, wenn die Stadtbahn kommt, dass sie dann auch hinüberführt vom Uniklinikum nach Pentling. Ich sehe es als ganz wichtig an für die Gemeinde Pentling, weil wir hier ganz viele Personen haben, die in Regensburg arbeiten.“ Sie sei „sehr zuversichtlich“ und von der Wirkung überzeugt: „Man könnte hier ganz viel Individualverkehr abfangen.“

Kneitinger Brücke auch für Tram

Eduard Obermeier (Freie Wähler), als Bürgermeister von Pettendorf auch für Kneiting verantwortlich, reagiert dagegen eher ungehalten auf das Stichwort „Stadtbahn“. Die Verkehrsprobleme seien lang bekannt – und Abhilfe dringend. Die Tram sei da nicht das Mittel der Wahl. „Ich glaube, das ist eine sehr unflexible und teure Lösung.“ Auch für sie sei im Übrigen eine Kneitinger Brücke notwendig – über die sollten seiner Meinung nach aber eher Elektrobusse fahren. „Prinzipiell interessiert“ an einer Anbindung, aber doch reserviert äußert sich der Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch (SPD). Es bestehe noch „reichlich Abstimmungsbedarf zu diversen größeren Problemfeldern“. Als Trasse würde sich der Falkenstein-Radweg anbieten, dabei gelte es allerdings, zwei Schwierigkeiten zu berücksichtigen: Es sei eine Alternative für Radler nötig. Und der Weg sei für den vorgesehenen Begegnungsverkehr von zwei Stadtbahnen nicht breit genug.

Auch jenseits des Untersuchungsgebiets hoffen einige auf die Schiene, so der Zeitlarner Bürgermeister Franz Kröninger (SPD). „14 000 Fahrzeuge auf der B15 sprechen für sich“, klagt er sein Verkehrsproblem. Er könnte von der Initiative der Landrätin, der Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und der Landräte aus den Nachbarlandkreisen für einen S-Bahn-ähnlichen Takt und weitere Haltepunkten im Eisenbahnverkehr der weiteren Region um Regensburg profitieren – und zwar viel schneller als die Tram-Fans von ihrer zukünftigen Anbindung: laut Weigl von der GFN nämlich möglicherweise schon 2022 oder 2024.

Stadtbahn und S-Bahn im Landkreis

  • Stadtbahn:

    Der Landkreis rechnet nach den Sommerferien mit den Ergebnissen seiner Voruntersuchung möglicher Tramtrassen ins Regensburger Umland. Auch darüber hinaus bereitet sich der Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft GFN auf die Stadtbahn vor: „Es wird auch an den Endpunkten eine Einspeisung des Regionalbusverkehrs geben“, kündigt Josef Weigl an.

  • S-Bahn:

    Parallel zu den Stadtbahnplänen verfolgt der Landkreis das Anliegen, in der Region um Regensburg – bis Straubing, Neumarkt, Landshut, Schwandorf, Ingolstadt – einen 30-Minuten-Takt im Schienennahverkehr zu erreichen. Auf ein entsprechendes Schreiben aus Stadt und Nachbarlandkreisen an das Wirtschaftsministerium von Anfang Juli hat dieses allerdings noch nicht reagiert.

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