MyMz
Anzeige

Übung

Planspiel für die Katastrophe

Was ist zu tun, wenn Gas explodiert und Gefahrenstoffe austreten? 100 Einsatzkräfte probten in Regensburg den Ernstfall.
Von Sarah Höger

Bei der Katastrophenübung in Regensburg waren Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen, wie hier die medizinischen Rettungskräfte, beteiligt. Foto: Sarah Höger
Bei der Katastrophenübung in Regensburg waren Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen, wie hier die medizinischen Rettungskräfte, beteiligt. Foto: Sarah Höger

Regensburg.Es ist kurz nach 9 Uhr: Die meisten Regensburger sind bereits in der Arbeit oder auf dem Weg dorthin, die Kinder sind in der Schule, der Verkehr in der Stadt hat sich von der ersten Berufsverkehrswelle erholt. Alles ist wie gewohnt, wie jeden Werktag. Doch dann explodiert auf dem Gelände der TEGA (Technische Gase und Gastechnik GmbH) ein Gaskesselwagen, es kommt zu einem Großbrand, Gefahrenstoffe treten aus und drohen in die Kanalisation einzusickern.

Dies ist zum Glück nur ein fiktives Szenario. Doch die die Hilfskräfte in Regensburg wollen darauf vorbereitet sein, sollte es jemals tatsächlich zu einer Katastrophensituation kommen. Am Donnerstag wurde deshalb bei der Beruflichen Feuerwehr in der Greflinger Straße der mögliche Ernstfall geprobt. Initiiert wurde die Übung von der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried (Oberbayern), die ein rund 100 Seiten umfassendes fiktives Szenario erfand, um die Hilfskräfte in Regensburg auf die Probe zu stellen. „Über das Szenario wurden die Hilfskräfte in Regensburg erst zu Beginn der Übung informiert, alles sollte für die Beteiligten so echt wie möglich sein“, wie Dr. Walter Boeckh, Rechts- und Regionalreferent der Stadt Regensburg, unserer Zeitung verriet.

Auch Bundeswehr beteiligt

„Die Übung läuft so ab, dass die Führungsgruppe Katastrophenschutz von einem örtlichen Einsatzleiter über die Lage informiert wird“, erklärte Boeckh. Dann muss entschieden werden, ob ein Katastrophenfall vorliegt oder nicht. Je nachdem werden dann entsprechende Einsatzkräfte mobilisiert.

Beteiligt waren Feuerwehren, Polizei, Technisches Hilfswerk, Hilfsorganisationen, Fachbehörden und Verwaltungen – sowie die Bundeswehr. Sie wird in Deutschlands nur im Katastrophenfall eingesetzt, wie zuletzt beim Schneechaos in Teilen Bayerns.

„Im Wesentlichen führen wir die Lage hier mit und übermitteln dieses Lagebild nach München an unsere vorgesetzte Dienststelle“, erklärte Oberstleutnant Matthias Zeisner. Dort können so die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden. Wichtig ist das immer besonders dann, wenn sehr viele Hilfeleistungseinsätze zu koordinieren sind, denn dann müssen die Kräfte entsprechend nach Priorität zugeteilt werden.

In dem Szenario der Gasexplosion mussten 10 000 Menschen aus dem Gefahrenbereich evakuiert werden, gelagerte Gasflaschen in der Nähe des Explosionsorts drohten zu explodieren. Eine Mammutaufgabe, mit der die Regensburger jedoch schon vertraut sind, wie Bernhard Würsch, Leiter des Katastrophenschutzes der Stadt Regensburg, erklärte: „In Regensburg sind wir ja leidgeprüft durch die vielen Bombenfunde, die wir in letzter Zeit hatten. Deshalb sind wir es schon gewohnt, Personen aus den betroffenen Bereichen rauszubringen und zu evakuieren. Aber in so einem großen Rahmen wie im Szenario der Übung ist das natürlich eine Herausforderung.“

Mithilfe des RVV würden die Evakuierten dann in die verfügbaren Kantinen und Räumlichkeiten der Stadt gebracht werden, etwa in die Mensas der Universität, in die Polizei-Kantine, die Kantinen bei Infineon oder Continental, in städtische Turnhallen oder, wie zuletzt bei der Bombensprengung, in die Donau-Arena.

Conti nimmt Evakuierte auf

Auch solche Evakuierungsmöglichkeiten wurden während der Übung so echt wie möglich geprobt. So wurde zum Beispiel das Unternehmen Continental kontaktiert, das sich bereiterklärte, 8000 evakuierte Personen aufzunehmen. Während der Übung kamen immer wieder neue Schwierigkeitsgrade hinzu, die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried erneuerte die Katastrophenlage im Verlauf der Übung regelmäßig, um die rund 100 beteiligten Einsatzkräfte auf Trab zu halten. Die Übung fand nur im Gebäude selbst statt, da es lediglich um den koordinativen Ablauf eines möglichen Katastrophenfalls ging, am fiktiven Explosionsort selbst wurde nicht geprobt.

Bürgertelefon

  • Kontakt:

    Eine der wichtigsten Aufgaben im Katastrophenfall ist der Kontakt mit den Bürgern, die entweder direkt betroffen sind oder sich um Angehörige sorgen.

  • Hotline:

    Um die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten, werden während einer Katastrophe Pressekonferenzen abgehalten sowie eine Bürgerhotline eingerichtet. Auch die Betreuung des Bürgertelefons wurde am Donnerstag geprobt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht