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Regensburg
Sonntag, 22. Juli 2018 28° 8

Stadtentwicklung

Platz für Unternehmen wird knapp

Die Nachfrage steigt, das Angebot nicht. Die Engpässe könnten die Entwicklung Regensburgs gefährden.
Von Julia Ried

Voll belegt: das Gewerbegebiet Haslbach Foto: Julia Ried
Voll belegt: das Gewerbegebiet Haslbach Foto: Julia Ried

Regensburg.Vor zehn Jahren kam Dr. Georg Schwab, Geschäftsführer des Software- und Elektronikentwicklers AVL, alleine für die Firma mit Mutterhaus in Graz nach Regensburg. Mittlerweile hat er im Gewerbepark 400 Mitarbeiter unter sich. Den Platz für sie zu organisieren, war nicht immer ganz einfach. „Wir haben einmal geguckt, ob wir etwas anderes finden, sind aber nicht wirklich fündig geworden“, erzählt der Unternehmer.

Gewerbeflächen und -immobilien in Regensburg werden zunehmend knapp, das erleben auch viele andere Firmenchefs. Für die Grundstücke gilt: Die Nachfrage steigt kontinuierlich – doch das Angebot stagniert, so steht es im aktuellen Ansiedlungsbericht von Wirtschaftsreferent Dieter Daminger. Auch den Betrieben kurzfristig geeignete Bestandsobjekte anzubieten, sei schwieriger geworden. Daminger warnt deshalb: „Dies wird schon in absehbarer Zeit zu Engpässen führen, die einer positiven und stabilen wirtschaftlichen Entwicklung entgegenstehen.“

Die Gewerbegebiete Haslbach und Burgweinting-Süd sind zwischenzeitlich voll belegt. Auch die Grundstücke in Burgweinting-Ost seien „endlich“. Die stark nachgefragten kleinen Grundstücke würden schon mittelfristig nicht mehr zur Verfügung stehen. „Günstige Flächen, die dringend für bereits ansässige, etablierte Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen benötigt werden, die zum Beispiel aufgrund von Nachtbetrieb ein Industriegebiet benötigen, bescheidenere Summen in ihre Bauvorhaben investieren können oder keinen 1a-Standort brauchen, sind derzeit nicht verfügbar.“

114 Grundstücks-Anfragen

Habe es in den Jahren 2011/2012 noch 90 Anfragen für städtische Gewerbeflächen gegeben, stieg diese Zahl bis zu den Jahren 2016 und 2017 auf 114 – eine Steigerung von 26 Prozent. 41 Prozent der Nachfragen kamen aus dem Dienstleistungssektor. Das liegt Daminger zufolge unter anderem an den steigenden Mietpreisen für Büroflächen, die zunehmend mehr Firmen dazu veranlassen, sich ein eigenes Grundstück zuzulegen. Weder der Stadt noch privaten Eigentümern von Gewerbeflächen gelang es in der Zwischenzeit, ihr Angebot zu erweitern. Ein Grund: In den vergangenen Jahren wurden Gewerbestandorte wie das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik, Flächen im Gleisdreck und am Brandlberg zugunsten von Wohnbebauung aufgegeben.

Zahlen und Fakten zum Wirtschaftsstandort Regensburg finden Sie in diesem Video.

Der Wirtschaftsstandort Regensburg

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht die Lage ähnlich. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, sagt: „Regensburg boomt.“ Die Zahl der Einwohner sei in den vergangenen zehn Jahren um 13 Prozent gestiegen, die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 25 Prozent, auf gut 118 000 (Stand: 2016). Der daraus resultierenden Nachfrage nach Gewerbeflächen stehe allerdings ein „relativ überschaubares Angebot“ gegenüber. Besonders betroffen seien bereits ansässige Firmen aus Großhandel, Produktion und Handwerk, die wegen akuten Platzmangels oder auslaufenden Mietverträgen Ersatzstandorte suchten.

Auf dem Tech-Campus am Galgenberg baut Gefasoft seine neue Zentrale. Foto: Julia Ried
Auf dem Tech-Campus am Galgenberg baut Gefasoft seine neue Zentrale. Foto: Julia Ried

Betriebe mit nicht ganz so großem Platzbedarf könnten sich wohl auch in Zukunft in der Stadt ansiedeln, wenn Gewerbeflächen dichter und höher bebaut werden, heißt es von Daminger und der IHK. Gerade Dienstleister wie die wachsenden Softwareentwicklungsfirmen könnten sich auf mehreren Geschossen ausbreiten, sagt Daminger. Eine größere Herausforderung ist die Flächenknappheit für die großen produzierenden Unternehmen. In den vergangenen Jahren fanden sie noch am Stadtrand mehr Platz. Die Maschinenfabrik Reinhausen etwa baut in Haslbach aus, ebenso das Maschinenbau-Unternehmen Andritz Fiendler. Der Lichtkonzern Osram erweitert seinen Standort in Burgweinting-Ost.

Kooperation mit Umland nötig

In Zukunft könnten Produktionsbetriebe schnell an die Grenzen der Entwicklungsmöglichkeiten stoßen, sagt Kammerer. „Wenn der Mangelzustand an Gewerbeflächen anhält, muss im Einzelfall auch mit Abwanderung betroffener Betriebe gerechnet werden.“ Positiv wäre es für ihn, wenn diese passende Grundstücke im Landkreis finden könnten – auch Daminger sieht das so. Als ersten Ansatz zur Stärkung der Kooperation mit dem Umland erwähnt der Ansiedlungsbericht das geplante interkommunale Gewerbegebiet in Wenzenbach – jedoch mit dem Nachsatz, dass eine Umsetzung nicht kurzfristig zu erwarten sei. Der Grund sind ungelöste Verkehrsprobleme.

Doch das Wirtschaftsreferat ist überzeugt: Auch die Stadt müsse Unternehmen weiter Raum bieten. Experten sollen in einem neuen Gewerbeflächen-Konzept Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Daminger bittet den Wirtschaftsausschuss heute um seine Zustimmung für die Vergabe des Auftrags.

Die Firma AVL blieb letztlich im Gewerbepark – der habe ihr mit neuen oder zusätzlichen Räumen zum Glück immer wieder Möglichkeiten eröffnet, sagt Geschäftsführer Schwab. Die Firma AVL blieb letztlich im Gewerbepark – der habe ihr mit neuen oder zusätzlichen Räumen immer wieder Möglichkeiten eröffnet, erzählt Geschäftsführer Schwab. Auch jetzt sagt er: „Wir glauben, dass wir einen Weg haben, wie wir wachsen können.“

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  • JH
    Jens Hirschmann
    14.04.2018 06:40

    Vieles liegt allerdings auch an Managementfehlern, wie mangelhafte Personalplanung...

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