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Polizei: Dein Freund und Twitterer

Tausende folgen dem Polizeipräsidium Oberpfalz in den sozialen Netzwerken. Die Nutzer bremsen Provokateure aus.
Von Katharina Eichinger, MZ

Polizeihauptkommissar Marco Müller leitet das Social-Media-Team. /Gruber
Polizeihauptkommissar Marco Müller leitet das Social-Media-Team. /GruberFotos: Eichinger

Regensburg.28. November 2016, 11 Uhr: „Eine Flüsterpost geht durch die #Oberpfalz“ – so startete das Polizeipräsidium Oberpfalz seinen Twitter-Auftritt. Auch auf Facebook teilen die Beamten seit November vergangenen Jahres Fahndungsaufrufe, Sicherheitstipps und Warnungen. Die Bilanz sei „sicherlich positiv“, sagt Polizeihauptkommissar Marco Müller unserem Medienhaus.

Das dreiköpfige Social-Media-Team sitzt im dritten Stock des Präsidiums in der Bajuwarenstraße. An der Wand hängen Tafeln mit zeitlosen Themen: Tiere bei Hitze im Auto, Ausrüstung im Polizeiauto, 360-Grad-Foto aus der Einsatzzentrale. All das sind Posts, die das Team in den kommenden Monaten umsetzen möchte. Auf einer anderen Tafel steht: #PolizeiBayern #packmas.

Die Planungen für den Social-Media-Auftritt der Polizei laufen seit Mai 2016. „Das Angebot wird gut angenommen – sowohl von Seiten der Bevölkerung als auch von Kollegen“, sagt Müller. Er betreut das Projekt federführend, zuvor war er knapp ein Jahr Sprecher des Präsidiums.

Nutzer liefern Hinweise

Und nicht nur die Bürger sollen von dem Social-Media-Auftritt profitieren. Die Beamten selbst waren bereits Nutznießer. Im Februar fahndeten sie auf Facebook und Twitter nach einer Autofahrerin, die einen Jungen angefahren hatte. Knapp fünf Stunden später ging der entscheidende Hinweis bei der zuständigen Dienststelle ein. „Die Oberpfälzer Polizei sagt vielen Dank für Eure Mithilfe“, schrieben die Beamten am nächsten Tag. Trotzdem legt das Präsidium wert darauf, keine Online-Wache zu sein. Anzeigen und Hinweise nimmt das Team nicht entgegen.

Mehr als 14 000 Fans hat das Team der „Polizei Oberpfalz“ auf Facebook, etwa 1400 Menschen folgen „@polizeiopf“ auf Twitter. „Wir sind selbst überrascht über die Reichweite, die wir mit unseren Posts bekommen“, sagt Müller. Der Eintrag über eine Warnung vor betrügerischen E-Mails auf Facebook ging besonders gut. 139 Nutzer reagierten, 1200 Mal wurde er geteilt.

So startete die Polizei ihren Facebook-Auftritt:

Dem Unvorhersehbaren Herr werden

Die erste Amtshandlung des dreiköpfigen Social-Media-Teams ist morgen der Gang zur Einsatzzentrale zwei Türen weiter. Sie fragen nach, was in der Nacht los war und lesen Lageberichte. Im Anschluss planen die Polizisten den Tag. Die Texte müssen sie auch mit den Pressesprechern abstimmen.

Zum Valentinstag gab die Polizei Tipps:

Mit einem Plan versuchen die Beamten dem Unvorhersehbaren Herr zu werden. Das Tagesgeschehen gibt ihnen die Themen vor. Trotzdem teilen sie immer wieder zeitlose Beiträge. Im November versorgten sie ihre Nutzer mit Tipps gegen Autoaufbrüche, im Januar teilten sie Richtlinien, die Ersthelfer zu befolgen haben, und im Februar erklärten sie Wissenswertes zum Notruf.

Die Posts der Polizei ernten nicht nur positive Kommentare:

„Mit Trollen kämpfen wir zum Glück nicht“, sagt Müller. Trotzdem gebe es auch Nutzer, die weniger begeistert seien vom Social-Media-Auftritt der Beamten. Anfang des Monats teilte die Polizei ein Bild von ihren neuen Kollegen im Präsidium. Ein Nutzer schrieb: „Die größten Verbrecher tragen immer Uniform.“ Doch Müller bleibt angesichts solcher Posts ruhig. „Wir haben einen gewissen Selbstreinigungseffekt.“ So auch in diesem Fall: „Hoffentlich brauchst du mal keine Hilfe von der Polizei“, schrieb eine Frau.

Ende November war der Social-Media-Auftritt der Polizei Thema in unserer Mittagssendung:

Mittelbayerische am Mittag vom 29.11.16

Mehr Menschen erreichen

Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologie an der Fachhochschule der Polizei Brandenburg, bewertet die Auftritte der Präsidien positiv. „In Krisensituationen ist es wichtig, dass die Sicherheitsbehörden, vor allem aber die Polizei, die Informationshoheit haben und mehr Leute erreichen“, sagt er.

Manchmal darf es auch etwas weniger ernst sein:

Auch humorvoll dürfen die Posts sein. „Es ist gut, dass die Polizei sich menschennah zeigt und den Sprachduktus dem öffentlichen Raum der sozialen Medien anpasst“, sagt Rüdiger, aber: „In sozialen Medien sollte es nicht nur Spaß sein, sondern eine gesunde Mischung zwischen seriösen und lockeren Tweets. Da machen die bisherigen Auftritte aber einen sehr guten Job.“

Ein süßer Fund für die Beamten:

Aktuell haben die Beamten mehrere Projekte in Planung. Eines davon ist eine Zwölf-Stunden-Wache, denkbar wäre so ein Format im Sommer. Eine solche Aktion dürfte vielen Twitter-Nutzern bekannt sein. Die Münchner Polizei zwitscherte bereits im Sommer zwölf Stunden lang von jedem Einsatz. Mit der „#WiesnWache“ twitterten die Beamten live vom Oktoberfest und ernteten viele Lacher im Netz.

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