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Kriminalität

Polizei warnt vor „stummen“ Abzockern

Angebliche Unterschriftensammler fordern in Regensburg mit einer Mitleidsmasche Geld. Die Spenden wandern in die Taschen von kriminellen Banden.
Von Mathias Wagner, MZ

Mit solchen Listen sprechen die Betrüger Passanten an. Foto: Neufeld

Regensburg.Trickbetrüger, die sich als Spendensammler ausgeben, sind derzeit wieder verstärkt in Regensburg unterwegs. Meist junge Männer nehmen Kontakt mit Passanten auf und präsentieren ihnen ein Klemmbrett mit einer selbstgefertigten Unterschriftenliste. In der Petition wird um Unterstützung für eine angebliche Taubstummen-Organisation gebeten – und um Geld.

Die vermeintlichen Sammler für einen guten Zwecke stellen sich beim Kontakt mit ihren Opfern taubstumm. Mehrere MZ-Leser haben ich inzwischen in der Redaktion gemeldet und von dem Phänomen in Regensburg berichtet. Eine Leserin erzählt von einem Vorfall mit einem angeblichen Sammler auf einem Supermarktparkplatz: „Er ist auf ein älteres Ehepaar zugegangen, erhielt eine Unterschrift und die alte Dame zückte auch gleich den Geldbeutel und gab ihm zehn Euro. Ich bin dann gleich hin. Leider zu spät, weil sich der Kerl schnell aus dem Staub gemacht hat.“

Gutgläubige Menschen, die auf die Mitleidsmasche reinfallen, unterstützen mit ihrer Spende mitnichten einen Taubstummen-Verband. Viel mehr wandert das Geld direkt in die Taschen der Betrügerbanden. Bundesweit taucht das Phänomen in verschiedenen Abwandlungen seit gut zwei Jahren regelmäßig auf. In Regensburg sind die organisierten Trickbetrüger-Gruppen verstärkt seit Anfang 2012 unterwegs, bestätigt Polizeihauptkommissar Rudolf Forberger von der Polizeiinspektion Regensburg Süd. „Und es sind bereits etliche Betrugsverfahren am Laufen“. Das Problem: Ein großer Teil der bandenmäßig auftretenden Trickbetrüger stammt aus Osteuropa und hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Und das macht eine Strafverfolgung schwer.

Die Polizei mahnt Passanten, die von Spendensammlern auf der Straße angesprochen werden, zur Vorsicht.

Das Regensburger Ordnungsamt beschäftigt das Thema nicht – aus guten Gründen. 2007 wurde das sogenannte Sammelgesetz vom Bayerischen Landtag ersatzlos gestrichen, erklärt Alfred Santfort, Leiter des Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr. Seitdem besteht keine Anmelde- oder Erlaubnispflicht für Sammelaktionen mehr. Jeder kann nun in der Öffentlichkeit sammeln gehen, ohne zuvor eine Genehmigung einzuholen oder Rechenschaft abzulegen.

Die neue Rechtslage ruft nun eben auch Betrüger auf den Plan.

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