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Justiz

Postmitarbeiter plünderte Packerl

Der Regensburger riss im Post-Fracht-Zentrum Pakete von Online-Shops auf und klaute verschiedene Wertsachen.
Von Marion von Boeselager

Der Mann öffnete Pakete, die über die sogenannte Rutsche bei ihm in Frachtzentrum ankamen. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Mann öffnete Pakete, die über die sogenannte Rutsche bei ihm in Frachtzentrum ankamen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Regensburg.Ein 23-jähriger Leiharbeiter war im November vergangenen Jahres drei Tage lang im Regensburger Post-Fracht-Zentrum in der Robert-Bosch-Straße eingesetzt. Diesen Job soll er missbraucht haben, um mehrere Packerl, vorzugsweise solche mit der Aufschrift des Online-Shops Amazon, aufzureißen und den Inhalt zu stehlen. Jetzt stand der Mann wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses in neun Fällen und fünffachen Diebstahls vor dem Amtsgericht. Er hatte Einspruch gegen seinen Strafbefehl eingelegt, der ihn zur Zahlung von 100 Tagessätzen zu je 35 Euro (3500 Euro) verdonnerte.

Darin wurde dem Mann zur Last gelegt, in neun Fällen die Verpackung der Pakete, die über eine Rutsche bei ihm im Frachtzentrum ankamen geöffnet und – wenn ihm der Inhalt zusagte – die Waren in seinen Rucksack gesteckt zu haben. Die Verpackungen und die Sachen, die ihn nicht interessierten, warf er dann einfach in den Container, mit dem die Pakete anschließend weitertransportiert werden sollten. Auf diese Weise soll er sich unter anderem Schmuck, Bluetooth-Kopfhörer, einen Echtleder-Schlüsselanhäger und ein Mobiltelefon im Wert von rund 188 Euro angeeignet haben. Unter den aussortierten Sachen sollen sich Damenohrstecker, ein Thermometer und ein elektronisches Steuerungsgerät befunden haben.

Gleich mehrere Diebe im Frachtzentrum?

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Johannes Büttner (rechts) und seiner Dolmetscherin. Foto: Boeselager
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Johannes Büttner (rechts) und seiner Dolmetscherin. Foto: Boeselager

„Ich streite nicht ab, dass ich manche Sachen mitgenommen habe, aber nicht alle“, erklärte der aus Griechenland stammende ehemalige Krankenpfleger über seine Dolmetscherin. Er hatte seinen Einspruch über seinen Verteidiger Johannes Büttner auf einen Teil der Vorwürfe beschränkt. Es gebe mehrere Diebe im Frachtzentrum, erklärte er. Er habe sich zu den Taten verleiten lassen. „Sie sagten, stehlen ist einfach. Du musst nur aufpassen, dass Du nicht erwischt wirst.“

„Sie sagten, Stehlen ist einfach. Du musst nur aufpassen, dass Du nicht erwischt wirst.“

Der Angeklagte

Tatsächlich ergab die Anhörung der Zeugen – eines Angestellten für interne Ermittlungen, des Schichtleiters und eines Kollegen – keinen eindeutigen Nachweis für die Täterschaft des Angeklagten in allen Fällen. Der Kollege, durch den die Ermittlungen ins Rollen kamen, berichtete, er habe gesehen, wie der 23-Jährige „mit den Zähnen“ eine Verpackung aufriss und sie dann in den Container warf. Ob da ein Handy drin war, konnte er aber nicht erkennen.

Vier Diebstähle zugegeben

Mit dem Verdacht konfrontiert, räumte der Angeklagte damals sofort vier Diebstähle ein und stimmte einer freiwilligen Hausdurchsuchung zu. Die Beute der von ihm eingeräumten Fälle wurde auch bei ihm gefunden, die übrigen Sachen aber nicht.

Mangels Nachweis wurden diese Vorwürfe eingestellt. Der bisher unbescholtene Regensburger kam nur mehr mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen davon. Zu seinen Gunsten wertete Richter Moosburner sein frühes Geständnis und den relativ geringen Wert des Diebesguts, zu seinen Lasten jedoch die Tatsache, dass er das Vertrauen seines Arbeitgebers missbrauchte.

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