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Priester stimmt bei den Zombies mit ein

Mit einem Pfarrer besucht die MZ den „Sommernachtsalbtraum“ in Regensburg. Im Angesicht des „Skandal-Stücks“ beweist er Humor.
Von Micha Matthes, MZ

  • Die Satire ließ einen Vertreter der Kirche kalt: Bedenken hatte der Pfarrer nur, als Steffi Denk das Lied „Wo ich auch stehe“ sang. Foto: Jochen Quast
  • Holger Kruschina (l.) ist katholischer Pfarrer in Roding. Christof Hartmann (r.) ist Chormanager der Domspatzen. Die MZ begleitete beide ins Theater. Foto: mt
  • Die Zombies tanzen zu „Thriller“. Foto: Jochen Quast
  • Durchlaucht-TV geht auf Sendung. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Domspatzen mutieren zu hirnlosen Kannibalen, Franz-Peter Tebartz-van Elst klaut der Tochter der Fürstin das Höschen und nimmt eine Zombie-Epidemie in Kauf, nur damit beim Schlusssegen die Quote stimmt: In der Rock-Revue „Der Sommernachtsalbtraum auf St. Emmeram“, die derzeit im Velodrom zu sehen ist, werden das Fürstenhaus, die Domspatzen und die katholische Kirche ordentlich durch den Kakao gezogen. Für manchen Theaterbesucher ist das zu viel. Daher scheiden sich an dem „Albtraum“ die Regensburger Geister. Die Persiflierten selbst scheint die Darstellung jedoch kalt zu lassen. Bei einem gemeinsamen Theaterbesuch fragte die MZ nach, wie es den „Betroffenen“ mit dem umstrittenen Stück geht.

Franz-Peter Tebartz-van Elst konnte die MZ dabei nicht ins Theater locken, obwohl er derzeit wohl noch in Regensburg verweilt. Stattdessen vermittelte die Diözese jedoch Holger Kruschina, Pfarrer in Roding, als Vertreter der Katholischen Kirche. Und auch Christof Hartmann, Chormanager der Domspatzen, wagte den Schritt ins Velodrom. Als dort dann bei einem „Prince“-Auftritt in der Show ein blutrünstiger Domspatz auf der Bühne wütete, gingen bei dem Chormanager die Mundwinkel zwar zunächst nach unten. Nach anfänglicher Skepsis blieb aber sowohl bei Hartmann als auch bei Kruschina am Ende keine Spur von Empörung. Der Pfarrer aus Roding sang sogar selbst lauthals bei den Einlagen mit.

Zombiespatzen sind keine Gefahr

Kirche und Domspatzen waren in jüngster Vergangenheit immer wieder mit dem Thema Missbrauch in den Medien präsent. Im Sommernachtsalbtraum wird dieses Thema jedoch nicht angeschnitten. Kruschina lobte daher das „feine Gespür der Humoristen, weil man über so etwas keine Scherze macht.“ Dass der erste Zombie im Stück ein Domspatz ist, störte Chormanager Hartmann nicht. „In diesem Spiel sind 40 Prozent aller Regensburger Zombies, warum sollten dann nicht auch die Domspatzen welche sein?“ Würde der Albtraum in Nürnberg spielen, müsste wohl das Christkind als Zombie herhalten, vermuteten die beiden Theatergäste. „Ein Domspatz ist eben ein Markenzeichen, genauso wie die Fürstin ein Markenzeichen ist“, sagte Hartmann.

„Weil sogar die Heiligen, die zu den Showeinlagen im Hintergrund projiziert werden, ihre Würde bewahren“, fand auch Pfarrer Kruschina nur wenige Kritikpunkte an der Rock-Revue. Am Ende outete er sich sogar als Monty-Python-Fan, indem er beim finalen „Always Look on the Brigth Side of Life“ selbst lautstark mitsang und -pfiff. Nur als Steffi Denk – als Schlager-Star Maria Hinterseher – die christliche Ballade „Wo ich auch stehe“ sang, kamen Kruschina Bedenken. „Problematisch wird es, wenn dieses Lied einem Zuhörer wichtig und heilig ist“, sagte der Pfarrer. „Wer das als Hochzeitslied ausgewählt hat oder es auf einer Beerdigung gehört hat, den trifft so eine Darstellung ganz anders.“ Letztlich sei der Song aber wohl nur der Auftakt zu den übrigen Rockballaden gewesen. Auch dass zu dem Lied zwei stark geschminkte Nonnen tanzten und der Bühnen-Tebartz-van Elst den kirchlichen Segen mit einem liturgischen „Singsang“ parodierte, konnte Kruschina problemlos verkraften. „Der ärmste Mensch ist der, der nicht über sich selbst lachen kann“, sagte er. Die Art, wie die zahlreichen Zitate – etwa aus Dan Browns Thriller „Illuminati“ – für die Revue mit Regensburger Eigenheiten verbunden wurden, beeindruckte Kruschina. „Da braucht man einfach starke Charaktere, an denen man persiflieren darf, sich abarbeiten kann. Und einer davon ist leider momentan auch Franz-Peter Tebartz-van Elst – da muss er durch.“

Trotz anfänglicher Skepsis attestierte auch Chormanager Hartmann den Musikern und Tänzern am Ende eine „gigantische Leistung“. Die Revue sei pfiffig gemacht. Natürlich würden darin Regensburger Originale übertrieben gezeichnet. Auf den ersten Blick könne er dabei aber nichts Verletzendes erkennen.

Gerwin Eisenhauer und Jens Schmidl haben den Albtraum gemeinsam erdacht. „Das Klima in Regensburg lässt es unterdessen zu, dass man so etwas macht“, sagte Eisenhauer. Die Art des Humors sei unter anderem an „American Dad“ oder „Die Simpsons“ angelehnt. In diesen amerikanischen Serien würden viele Figuren absichtlich völlig politisch unkorrekt dargestellt. Eine solche Zeichnung wäre vor 20 Jahren in einem Stadttheater wohl nicht möglich gewesen. Heute könnten viele Autoritäten jedoch über sich selbst lachen, „ohne dass den Machern eines Stücks gleich ein Schwall der Empörung entgegenschlägt“. Im Sommernachtsalbtraum würden auch Dinge angesprochen, die für Regensburg nicht sehr rühmlich sind. Musik und Humor seien die probaten Mittel, sie zu verarbeiten, ist Eisenhauer überzeugt.

Wolbergs beweist Selbstironie

Dass auch ein Oberbürgermeister über sich selbst lachen kann, beweist Joachim Wolbergs bei einem kleinen Video-Gastauftritt in der Revue. Er habe sich dabei köstlich amüsiert, sagte Wolbergs. Das Stück sei frech und witzig, die Musik mitreißend und die Schauspieler vermittelten glaubwürdig, dass sie viel Spaß auf der Bühne haben.

Beim Dreh habe er nicht gewusst, was letztlich bei der Gesamtproduktion herauskommen würde. „Jetzt bin ich sehr stolz darauf, dass ich ein kleiner Teil dieser großartigen Rockrevue sein darf“, sagte Wolbergs.

Das Stück

  • Idee und Buch:

    Gerwin Eisenhauer und Jens Schmidl

  • Inszenierung:

    Jens Schmidl

  • Musikalische Leitung:

    Gerwin Eisenhauer und Bernd Meyer

  • Besetzung:

    Viktoria (Linda Foerster), arbeitsloser Bischof (Michael Haake), Bertl (Sebastian Ganzert), Liesl (Andine Pfrepper), Maria Hinterseher (Steffi Denk), Prinz (Markus Engelstädter)

  • Weitere Vorstellungen:

    10., 11., 13., 14., 15., 16., 18., 19. und 20. Februar sowie am 16., 17., 18., 19., 21., 22., 23. und 24. April jeweils von 19.30 bis 21.35 Uhr im Velodrom

"Sommernachtsalbtraum" begeistert Zuschauer

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