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Regensburg
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Prozess

Prostituierten-Mörder verurteilt

Ein 22-Jähriger tötete eine Regensburger Prostituierte. Jetzt wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Robert Hankowetz. Foto: Armin Weigel/dpa
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Robert Hankowetz. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Wegen Mordes an einer 33-jährigen Prostituierten in Regensburg und Raubes mit Todesfolge ist ein 22-jähriger Asylbewerber aus Mali am Freitag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Michael Hammer sah es als erwiesen an, dass der unter falschem Namen und ohne Papiere eingereiste Afrikaner das Opfer aus Habgier und zur „Ermöglichung einer Straftat“ erwürgte – nämlich um die junge Frau, wie geplant, auszurauben. Der Angeklagte nahm das Urteil bewegungslos entgegen, den Kopf zwischen den auf der Tischplatte abgelegten Armen verborgen.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte vor Gericht ein Teilgeständnis abgelegt: Er gab zu, am späten Abend des 29. August 2017 die 33-jährige Rumänin, die in einem Appartementhaus im Stadtosten ihre Dienste anbot, gewürgt und ausgeraubt zu haben. Eine Tötungsabsicht bestritt er jedoch: Er habe geglaubt, die Frau lebe noch, als er mit ihrem Geld und ihrem Handy flüchtete. Sein Verteidiger brachte daraufhin weitere Verdächtige ins Spiel, die nach dem Angeklagten das Appartement betreten und das Leben der Frau ausgelöscht haben könnten. Erst gegen 3 Uhr morgens war die Tote von einem Freier auf ihrem Bett gefunden worden. Die Tür hing aufgebrochen in den Angeln. Der Mann rief die Polizei.

Würgen war Todesursache

Nach der Vernehmung zahlreicher Zeugen und den Ausführungen mehrerer Sachverständiger war das Gericht jedoch am Ende überzeugt: „Das Opfer verstarb allein infolge des Würgens durch den Angeklagten“, so der Vorsitzende Richter. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Dritte vor dem Auffinden des Opfers das Werk des Angeklagten gleichsam vollendeten.“

„Das Opfer verstarb allein infolge des Würgens durch den Angeklagten.“

Richter Michael Hammer

Der 22-jährige Afrikaner war im März vergangenen Jahres unter Angabe eines falschen Namens und einer falschen Staatsbürgerschaft (eigentlich stammte er aus Burkina Faso) nach Deutschland eingereist, wohl „um der Strafverfolgung im eigenen Land zu entgehen“, sagte Hammer. Sein im April gestellter Asylantrag wurde abgelehnt. Mangels Papieren wurde er aber nicht abgeschoben, sondern blieb in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Regensburger Zeissstraße wohnen. Als er Geld für sich und die medizinische Behandlung seiner in Mali zurück gebliebenen Tochter (3) brauchte, gab ihm ein Mitbewohner den Tipp, er könne ja eine Prostituierte ausrauben. Der Bekannte beschrieb dem Angeklagten das Gebäude und das Appartement. Dort sei die Prostituierte allein. Sie habe Geld.

Spuren des Täters

  • Genetische Spuren: Der wegen Mordes verurteilte Asylbewerber aus Mali hinterließ am Tatort seine DNA an einem Kondom, einer Zigarette und in der Toilette.

  • Handyortung: Der 22-jährige hatte bei seiner Flucht aus dem Appartement der Prostituierten auch deren Handy mitgehen lassen. Er benutzte es jedoch und konnte so von den Fahndern geortet werden.

  • Zugriff: Schon eine Woche nach dem Mord gelang der Kripo der Durchbruch. Der inzwischen in den Raum Tirschenreuth verlegte Asylbewerber wurde in Weiden gefasst.

Da entschloss sich der Angeklagte zu dem Raub, so die Kammer. Er suchte das spätere Opfer zunächst um 21.06 Uhr auf, wie Videoaufzeichnungen im Gebäude zeigten. Er wurde aber wohl auf später vertröstet.

Bei seinem zweiten Besuch ab 21.36 Uhr zahlte er, hatte Sex mit der Prostituierten und rauchte mit ihr anschließend eine Zigarette. Die beiden tauschten sogar Handynummern aus. Dann schritt er zur Tat: Er versetzte der Frau „erst einen, dann weitere Schläge gegen den Kopfbereich“, sagte Hammer. Doch wider Erwarten wurde die Frau nicht bewusstlos. Da begann der Angreifer sie mit einer Hand zu würgen, ließ kurz von ihr ab. Doch als sie weiter schrie, „würgte er sie mit erheblichem Kraftaufwand mindestens zwei Minuten lang bis zur Bewusstlosigkeit.“ Dann ließ er die sterbende Frau um 23.33 Uhr mit einem Kissen auf dem Gesicht zurück.

Tod billigend in Kauf genommen

Sie erlitt infolge des massiven Würgens einen Bruch des Zungenbeins und ein Hirnödem und starb an zentraler Lähmung. „Der Angeklagte konnte nicht darauf vertrauen, dass sie den Angriff überleben könnte. Er nahm ihren Tod billigend in Kauf“, sagte Hammer.

„Der Angeklagte konnte nicht darauf vertrauen, dass sie den Angriff überleben könnte. Er nahm ihren Tod billigend in Kauf.“

Richter Michael Hammer

Ein Stammkunde scheide nach der Beweisaufnahme als Täter aus, ebenso der Lebensgefährte der Getöteten, befand das Gericht. Der Verlobte der Prostituierten sei zwar nach Regensburg gefahren, als er sie telefonisch nicht erreichen konnte. Er habe „aus Wut“ gegen die Tür getreten, als die Frau nicht öffnete. Dann sei er wieder gefahren. Dass die Tür danach „mit zeitlicher Verzögerung“ nach außen gekippt sein könnte, habe eine technische Untersuchung ergeben, sagte Hammer. Beide Männer hätten zudem kein Motiv.

Die Kammer sah „keine außergewöhnlichen mildernden Umstände, aber auch keine besondere Schwere der Schuld.“ Der Angeklagte sei bei der Tat „voll schuldfähig“ gewesen.

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