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Einsatz

Räuber sprengen Geldautomaten im REZ

Die Täter lösten einen Brand in der Sparkassenfiliale in einem Wohnhaus aus. Die Regensburger sind am Tag danach schockiert.
von Gustav Wabra

  • Die verbrannten Bankautomaten sind kaum mehr als solche zu erkennen. Hinter dem Geld in ihnen waren die Täter vermutlich her. Fotos: Wabra
  • Die Filiale der Sparkasse bleibt für Monate geschlossen.

Regensburg.Ein beißender Gestank wabert durch die Gänge des Hauses in der Schönwerthstraße im Regensburger Westen. Der Vorraum der Sparkassenfiliale ist komplett verrußt, überall liegen Scherben, alle fünf Geldautomaten sind ausgebrannt. Bankräuber hatten in der Nacht auf Donnerstag versucht, einen Geldautomaten zu sprengen. Stattdessen setzten sie das Haus in Flammen und brachten die Bewohner des sechsstöckigen Hauses in Lebensgefahr. Die Sparkasse befindet sich in einem Wohnhaus.

Sehen Sie hier ein Video vom Tatort

Sparkassen-Filiale nach Feuer komplett verwüstet

„Der Rauch kam aus den Steckdosen.“ Daniel M. (Name geändert) lebt im ersten Stockwerk des Hauses. Ihm ist der Schock am Tag danach noch ins Gesicht geschrieben. Wie viele der über 40 Anwohner musste er mitten in der Nacht sein Zuhause verlassen. Jetzt steht er mit Putzeimer und Lappen in seiner Wohnung.

Es stinkt unerträglich

„Alles ist voller Ruß, das müssen Sie sich erstmal vorstellen. Ich habe keine Kleidung mehr, alles muss in die Reinigung.“ Er habe die Wohnung jetzt schon öfters gereinigt, ob er diese Nacht hier schlafen wird, weiß er nicht. „Es stinkt so unglaublich, aber meine Fenster offenlassen, ohne dass ich da bin? Oder zulassen und es stinkt weiter?“ Den Gestank könne man fast nicht ertragen, so der 36-Jährige. Neben Daniel wohnt eine Nachbarin im gleichen Alter. Sie hängte gerade ihre Gardinen zum Trocknen auf, als sie mit uns sprach.

Brand

Explosion in Regensburger Sparkasse

Unbekannte Täter versuchten wohl, einen Geldautomaten zu sprengen. 46 Personen mussten im Stadtwesten evakuiert werden.

„Ich gehe morgen in den Urlaub, was soll ich jetzt machen? Alles ist voller Dreck und es stinkt, ich kann das gar nicht beschreiben.“ Daniel und seine Nachbarin haben die Nacht in einem von den Rettungskräften bereitgestellten Bus auf einem nahegelegenen Parkplatz verbracht. Dort hatten Helfer für die Betroffenen Getränke, Essen und Decken bereitgehalten. Beide sind froh, dass nicht mehr passiert ist. Nur zwei Nachbarn klagten nach dem Vorfall über leichte Beschwerden.

„Der Rauch kam aus den Steckdosen.“

Daniel M.

Neben der Sparkassenfiliale ist ein Blumenladen. Die Türen stehen offen, der Laden hat aber geschlossen. Für wie lange weiß auch die Besitzerin nicht. Einer ihrer Angestellten war als Erster um drei Uhr nachts vor Ort. Er wohne näher und wurde durch seine Chefin alarmiert. „Ich musste aufsperren, damit der Rauch raus kann.“ Wie in einem Blumenladen riecht es auch hier nicht mehr. Statt süßlichen Geruchs jetzt stechender Gestank nach verbranntem Plastik, Holz und Metall. Der Blumenladen muss nun erst mal ausgeräumt werden, die meisten Pflanzen werden wohl sterben, berichtet die Geschäftsführerin. „Wer macht sowas? Und das nur wegen des Geldes?“, fragt sie sich.

Sehen Sie hier eine Video vom Brand

Brand zerstört Sparkasse im Regensburger Westen

Wer die Täter sind, das wusste die Kriminalpolizei Regensburg auch bis Redaktionsschluss nicht und bittet Zeugen, sich zu melden. Nach Polizeisprecher Florian Beck sind die Täter weiterhin auf der Flucht.

In den frühen Morgenstunden des Donnerstags, kurz vor halb zwei Uhr, hatte die Alarmanlage der Sparkassenfiliale ausgelöst.

Die ersten Einsatzkräfte der Polizei sahen sofort den Rauch in der Sparkasse und riefen die Berufsfeuerwehr. Kurz darauf begann der Vorraum der Bank stark zu brennen. Die Einsatzkräfte warnten Bewohner und evakuierten die, die sich noch nicht selbst in Sicherheit gebracht hatten. Schnell wurde klar: Räuber versuchten, einen Geldautomaten zu sprengen. Eine in der Bank aufgefundene Gasflasche untermauerte diese Annahme. Zeitgleich zur Räumung wurde durch die Polizei eine intensive Fahndung nach verdächtigen Personen eingeleitet, die bislang jedoch ohne Erfolg verlief.

Kein Knall war zu hören

Wie uns die Anwohner berichten, gab es keinen lauten Knall. Kaum vorzustellen, wenn man sich in dem Vorraum der Filiale umsieht, er ist völlig zerstört. Die Räume dahinter blieben verschont. Sparkassensprecher Christian Orschler ist froh, dass keinem Menschen etwas passiert ist. Über die Höhe des Schadens kann er noch keine Auskunft geben. Die Täter seien allerdings ohne Geld geflüchtet. Die Angestellten der betroffenen Filiale werden bis zur Neueröffnung in unbestimmter Zeit in der Zentrale in der Lilienthalstraße arbeiten. Für Kunden seien sie unter den bekannten Nummern weiterhin erreichbar. Einen ähnlichen Fall gab es im Juli 2016 in Pentling. Auch dort kam es zu einer Explosion in einer Sparkasse. Anders als in dieser Woche erbeuteten die Räuber damals mehrere Zehntausend Euro.

UPDATE:

Auch am Freitag waren die Beamten der Kriminalpolizei und der Spurensicherung noch am auswerten der Daten. Der oder die Täter sind weiter auf der Flucht. Laut Polizeipräsidium Oberpfalz soll unter anderem auch das gesamte Video-Material gesichtet werden. Es gibt Parallelen: Bei einer früheren Tat in Neumarkt hatte ein Täter versucht, durch ein Loch Gas in einen Automaten zu pumpen. Dann wurde er möglicherweise gestört und er suchte unverrichteter Dinge das Weite. Seine Ausrüstung ließ er zurück. Fakt ist, dass für eine möglichst effiziente Explosion das Sauerstoff/Gas-Gemisch sehr genau sein muss.

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