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Rallye-Legende auf Entschleunigungs-Kurs

Walter Röhrl wird am Sonntag in Wolfsburg als Fahrer des Millenniums geehrt. Dann fährt er erstmal runter – mit Alois Weger.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Hohe Geschwindigkeiten im Porsche sind Walter Röhrls Element. Angst hat er vor Spontanausflügen.Archiv-Foto: Pfeifer
  • Walter Röhrl mit Alois Weger sen. auf dem Fiat-Betriebsgelände an der Adolf-Schmetzer-Straße. Foto: Weger
  • Alois Weger jun. trifft sich kommende Woche mit Walter Röhrl für die Bayerwald-Etappe seiner Nordkap-Fahrt. Foto: Weger

Regensburg. Jetzt kommen die Freundschaftswochen für Alois Weger. Gegen Ende seiner Radtour, die ihn von Sevilla zum Nordkap und wieder zurück bis Venedig führt, wird sich Rallye-Weltmeister Walter Röhrl für zwei Tage anschließen und an seiner Seite radeln.

„Ich suche immer die Perfektion. Das kann auch zur Qual werden.“

Walter Röhrl

„Ich will von Alois Weger lernen“

Auch der größte deutsche Autosportler ist etwas aufgeregt. „Ich will was lernen“, sagt er. Von unserem Regensburger Dauerradler will er lernen, was eigentlich Gift für seinen Beruf ist: zu entschleunigen und in den Tag hinein zu leben. Leben ohne Plan kennt er nicht. Das macht ihm Angst. Das sagt er geradeso am Telefon, während er gerade wieder seine Sachen für ein weiteres turbulentes Wochenende packt. „Ich bewundere den Alois. Er ist nämlich das genaue Gegenteil von mir.“

Walter Röhrl findet es ungeheuer spannend, wie ein Mensch so lange am Stück Rad fahren kann und gar nichts plant. Die beiden Regensburger kennen sich schon ewig und drei Tage. „Ich war ja mal Rallye-Weltmeister auf Fiat“, erzählt Röhrl ganz aufgeräumt am Telefon. Alois‘ Vater sei damals einer der angesehensten Fiat-Händler Deutschlands gewesen, mit Sitz im Beirat. Als der italienische Autohersteller das Sondermodell Fiat 131 Kollektion Walter Röhrl mit einer Stückzahl von 2000 auf den Markt brachte, war die Pressevorstellung in Regensburg bei Fiat Weger. „Auch meinen Dienstwagen ließ ich dort warten. Da hatte ich immer einen guten Kontakt auch zu den Weger-Buben.“

In unserer interaktiven Grafik können Sie Alois Wegers Tour nachvollziehen und weitere Geschichten lesen:

Alois ist 58 Jahre alt. Er ist der älteste der drei Weger-Buben. Walter Röhrl ist zwölf Jahre älter und beneidet ihn um seine Lockerheit. „Ich war und bin immer fokussiert, ich kann nicht in den Tag hinein leben. Ich bin ruhelos und suche immer die Perfektion. Das kann auch zur Qual werden. Ich habe mir das Leben immer sehr, sehr schwer gemacht. Eigentlich suche ich die Entschleunigung. Die kann ich bei Alois Weger lernen.“ Schon als er von seinen Fahrten auf dem Jakobsweg erfuhr, horchte Röhrl auf. Das aktivierte im ehemaligen Chauffeur des Bischofs eine Sehnsucht.

Im März hat sich Alois Weger dann auf die Nordkap-Fahrt verabschiedet. Weger weiß von Jugendbeinen an, dass die Geburtstage seines Vaters und seines Motorsport-Idols nahe beinander liegen. „Mein Vater hatte am 8. März Geburtstag, Walter einen Tag früher. Er wurde 70.“ Bevor er sich auf seinen Weg nach Sevilla machte, kam Weger zum Gratulieren vorbei. Walter Röhrl war total interessiert an Wegers Projekt. „Und wie machst du das mit dem Nachtquartier?“ – „Ich fahr ins Dorf und schau, ob ein Zimmer frei ist.“ – „Und wenn keines frei ist?“ – „Dann fahre ich ins nächste Dorf.“

Dieser Wagemut forderte dem Risikofahrer Walter Röhrl die höchste Bewunderung ab. Man möchte es nicht glauben: Er hat einen richtigen Bammel vor Spontanurlaub. Aus diesem Grund scheitern auch Zwei-Tagesfahrten mit seinen Porsche-Oldtimern. Er muss wissen, wo er abends sein Haupt betten wird. Nach eigenem Bekunden hat der Rallye-Weltmeister in seinem ganzen Leben noch kein Hotelzimmer gebucht. „Das wurde alles für mich gemacht.“

Gerade ist Walter Röhrl aus Graz zurückgekommen, wo er seit 40 Jahren für eine Zeitung Autos testet. Er packt für den Wachau-Ring. Dort wird er am Freitag um 16 Uhr ein Zweistundenrennen fahren. „Ein Fan hat das seinem Vater zum 80. Geburtstag geschenkt. Diesmal fahre ich nicht Porsche, sondern den Audi S1 mit 550 PS, mit dem ich 1986 gefahren bin.“ Dann fährt er weiter nach Ypps zur Oldtimer-Rallye. „Mein Beifahrer wird der Vizekanzler von Österreich sein, den Namen kenn ich nicht, einer von der ÖVP.“ Für die nächsten Tage braucht sich Walter Röhrl also keine Gedanken zu machen. Die Stunden sind alle getaktet. Von dort geht es zum Fahrerlehrgang nach Bremen, wo er 30 Porschefahrern eine Lehrstunde erteilt.

Am Mittwoch radeln sie am Arber

Am Sonntag dann wird er in Wolfsburg sein. Anlässlich seines 70. Geburtstags widmet ihm die Autostadt eine eigene Ausstellung im ZeitHaus. „Ein Leben im Rennsport – die Rallye-Legende Walter Röhrl“ zeigt die Fiats, weitere Originalfahrzeuge, besondere Exponate und Bilder und gibt Einblick in die Persönlichkeit und den aufregenden Karriereweg des „Rallyefahrers des Milleniums“. Die Ausstellung wird am 21. August um 18 Uhr von Röhrl selbst eröffnet. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung sind Besucher zu einer Talkrunde um 19.30 Uhr auf die Hafenbühne eingeladen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Beifahrer Christian Geistdörfer spricht Walter Röhrl dort über sein Leben als erfolgreicher Rallye-Sportler.

Röhrl hat den Ablaufplan der nächsten Tage im Kopf, aber dann kommt der Mittwoch, das Loch, das Nichts – mit Alois. Er freut sich drauf.

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Fiat Weger als Röhrls Partner

  • Walter Röhrl

    war täglich bei uns in der Adolf-Schmetzer-Straße“, sagt Alois Weger. Mit Fiat wurde Röhrl 1980 erstmals Rallye-Weltmeister.

  • Seine erste

    Rallye überhaupt, die Rallye Bavaria, bestritt Walter Röhrl 1968 auf einem Fiat 850 Coupé – ohne jedes vorausgehende Training. Eingebrochener Lichtmaschinenbügel warf ihn aus dem Rennen.

  • 1977 bot

    ihm Daniele Audetto für die Rallye San Martino di Castrozza einen Fiat 131 an. Röhrl begeisterte die Zuschauer in Italien (wie auch bald darauf beim WM-Lauf in Kanada, den er auch für Fiat fuhr) – und der Fiat begeisterte ihn. Mit seinem Beifahrer Christian Geistdörfer (einem Perfektionisten wie er selbst) unterschrieb er bald bei Fiat. 1980 wurde er Rallye-Weltmeister. Alois Weger war damals Partner von Walter Röhrl, der Fahrerlegende.

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