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Kultur

Rarität zur Wiedereröffnung zu hören

Drei Chöre singen am 8. Dezember in der Regensburger Dreieinigkeitskirche eine Motette, die zur Einweihung 1631 komponiert wurde.
von Martin Weindl, MZ

Ein Blick von der Orgelempore in der Dreieinigkeitskirche: Regensburger Kantorei, Raselius-Chor und Universitätschor proben gerade für das Konzert zum Abschluss der Sanierung am 8. Dezember. Foto: Weindl

Regensburg.„Können mich alle hören und sehen?“ Kantor Roman Emilius rudert in der Fürstenloge der Kirche heftig mit den Armen. An die 200 Sängerinnen und Sänger aus drei Chören sind auf Seitenemporen und Altarraum verteilt: „Ihr könnt nur nach meinem Schlag singen. Wenn ihr den andern Chor hört, seid ihr schon hintendran!“

Emilius’ Vor-Vor-Vorgänger im Amt des Regensburger Stadtkantors, Paul Ho

mberger (1560-1634), wird es vor 382 Jahren nicht anders ergangen sein. Im Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der renovierten Dreieinigkeitskirche am 8. Dezember wird dieselbe Musik erklingen wie fast 400 Jahre zuvor, bei der Einweihung der Kirche 1631.

Der damalige Kantor Homberger hatte extra den Psalm 84 neu vertont. Und nicht irgendwie: Zum festlichen Ereignis durfte es im Jahr 1631 schon mal 15-stimmig werden, verteilt auf drei Chöre im ganzen Kirchenschiff.

Deshalb proben auch an diesem Mittag im November 2013 Regensburger Kantorei, Raselius-Chor und Universitätschor das neu einstudierte alte Chorstück. Kantor Roman Emilius hat es eigens für die Wiedereröffnung in moderne Notenschrift gebracht. „Trotzdem hat mein Vorgänger Paul Homberger einige Nüsse in die Komposition gepackt“, schmunzelt Emilius. „Meine Chorsänger müssen ganz exakt singen, sonst wird ein Brei daraus. Außerdem haben sie das Stück bisher immer nur zu einem Drittel gehört, in den getrennten Proben der drei Chöre!“ Erst jetzt, drei Wochen vor dem Festgottesdienst, erklingt Hombergers Psalm nach Jahrhunderten des Schlummers wieder in der Kirche, für die das Stück komponiert wurde.

200 Stimmen füllen den Raum

Roman Emilius zieht seine weißen Dirigier-Handschuhe an – seine Gesten sollen auch aus 50 Metern Entfernung gut zu sehen sein. Gespannte Stille bevor er den Einsatz gibt, dann klingt es: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth“. Wie eine Huldigung an die „neue Wohnung“ Gottes, die Dreieinigkeitskirche, singen die drei Chöre zunächst nacheinander von den Seitenemporen und aus dem Altarraum. Plötzlich setzen alle 200 Sänger gleichzeitig ein: Klangfluten füllen den riesigen Kirchenraum – Gänsehaut-Feeling!

„Die Akustik ist noch so wunderbar, wie ich sie in Erinnerung hatte. Gott sei Dank!“, atmet Cora Hofmann, langjährige Altistin in der Kantorei, erleichtert auf. Tenor Marian Wagner vom Unichor dagegen hat hier noch nie gesungen: „Ein geiler Konzertraum!“ Die Sopran-Sprecherin Christine Massinger, Mitglied des Kirchenvorstands, ergänzt: „Unsere Konzertkirche müssen die Regensburger Musikliebhaber nach fünf Jahren Schließung erst wieder neu entdecken. Am besten beim Eröffnungskonzert gleich am Abend des 8. Dezember mit dem Magnificat und zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach.“

Neue Orgel braucht Gönner

Doch ein Instrument wird noch jahrelang stumm bleiben, obwohl es die Kirche optisch dominiert. Das reich verzierte Orgelgehäuse von 1758 ist leer, durch die verbliebenen Schaupfeifen fällt das Licht des Fensters dahinter. Hier soll, nach dem Willen der Kirchengemeinde und unterstützt von einem neuen Förderverein, die „Bachorgel Regensburg“ entstehen – am besten bis zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017. „Dazu müssen uns die Regensburger aber helfen“, erläutert Kantor Emilius. Es gibt keine Zuschüsse von Staat und Kirche für eine neue Orgel. „Die voraussichtlichen Kosten von einer Million Euro müssen rein aus Spenden gedeckt werden!“, so Emilius. Auch in der Dreieinigkeitskirche gilt: nach der Renovierung ist vor der Renovierung.

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