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Lebensmittel

Regensburg: App gegen das Wegwerfen

6,1 Millionen Tonnen Nahrung landen jährlich hierzulande im Müll. Das muss nicht sein, findet ein Regensburger Konditor.
Von Christian Eckl

Johannes Pernsteiner mit App und Käsesahne. Foto: Eckl
Johannes Pernsteiner mit App und Käsesahne. Foto: Eckl

Regensburg.Jeder Regensburger wirft im Durchschnitt 75 Kilo Lebensmittel im Jahr weg. 6,1 Millionen Tonnen sind es allein in privaten Haushalten. Zählt man die Abfälle mit, die von Supermärkten, bei der Produktion und in der Gastronomie anfallen, landet man bei knapp zwölf Millionen Tonnen Essbarem, die jährlich vernichtet werden. Häufig werden in Supermärkten Lebensmittel weggeworfen, die zwar noch verzehrbar sind, aber bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Zudem fragt man sich vor so mancher gut gefüllten Auslage in einer Bäckerei spätabends, was eigentlich nach Ladenschluss mit den übrigen Baguettes, Semmeln und Brezen passiert.

Lebensmittel würden ansonsten weggeworfen

Gegen die Wegwerf-Praxis hat sich ein Berliner Start-Up-Unternehmen etwas einfallen lassen. Eine Smartphone-App soll dabei helfen, auch nicht mehr verkäufliche Lebensmittel an den Mann zu bringen. „Too good to go“ heißt sie, übersetzt sinngemäß etwa „Zu gut, um das wegzuwerfen“. Und sie hat auch in Regensburg einige Mitmacher gefunden – sowohl auf Kunden, als auch auf Anbieter-Seite.

So sieht die neue App aus. Foto: Too good to go
So sieht die neue App aus. Foto: Too good to go

Einer, der die App seit Juli mit Angeboten bestückt, ist Johannes Pernsteiner, er ist Inhaber und Konditormeister des Cafés Pernsteiner beim Albrecht-Altdorfer-Gymnasium. „Die Konditoren-Innung hat ihren Mitgliedern empfohlen, die App zu nutzen und das habe ich mir dann angesehen“, sagt Pernsteiner. Ihm komme das Konzept sehr entgegen. „Unsere Mitarbeiter können das, was übrig bleibt, nicht alles essen und auch der Bedarf im Strohhalm ist begrenzt, den wir gerne mitversorgen.“ Jede Konditorei kämpfe damit, dass Lebensmittel übrig bleiben. „Da geht es beispielsweise um das Stück Schwarzwälder Kirschtorte, das nicht mehr so schön aussieht und das ich nicht mehr verkaufen kann, das aber völlig einwandfrei ist“, erzählt der Konditormeister.

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Die Erfahrungen mit der App sind laut Pernsteiner von Anfang an „große Klasse: Sowas habe ich selten erlebt, dass etwas vom ersten Tag an so gut angenommen wird“. Die Idee ist folgende: In der App kann man sich als Kunde am Vortag ein Paket für den nächsten Tag buchen. Was man dafür bekommt, ist allerdings eine Überraschung – bestellen kann man bestimmte Waren nicht.

Neue App gegen Lebensmittel-Verschwendung

„Wenn eine Schwarzwälder Kirsch übrig ist, dann gibt es diese“, sagt Pernsteiner. Wenn nicht, dann gibt es eben etwas anderes. Jedes Paket hat einen Verkaufswert von zwölf Euro, der Kunde bezahlt dafür vier Euro. Allerdings ohne Gewähr, was drin ist.

So funktioniert die App

  • Herunterladen:

    Die App „Too good to go“ ist auf Apple- und Android-Smartphones erhältlich. Nach einer Anmeldung kann man bei Freigabe der Ortslokalisierung sehen, welche Händler in der Umgebung teilnehmen. Dort kann man die Angebote buchen und in der App bezahlen.

  • Teilnehmer:

    Anbieten können auf der App Hotels, Cafés, Supermärkte und beispielsweise Bäckereien ihre Waren. Sie dürfen maximal die Hälfte des Ladenpreises kosten. Im Schnitt werden die Pakete für drei Euro angeboten.

Für Pernsteiner ist aber nicht nur wichtig, dass keine Lebensmittel weggeworfen werden, sondern auch, dass die App Auskunft darüber gibt, wie viel CO2 eingespart wurde, weil die Lebensmittel nicht vernichtet wurden. „Die Produktion jedes Lebensmittels geht auch zu Lasten der Umwelt. Wenn man diese wegwirft, dann ist das ein umso fahrlässigerer Umgang mit unseren Ressourcen“, findet der Konditormeister. Aber ganz abgesehen sei er selbst aufgezogen worden von Menschen, die den Krieg und damit auch Hunger erlebt haben. „Da warf man nichts weg, schon gar keine Lebensmittel.“

Auch Dunkin‘ Donut ist mit dabei

Pernsteiner ist nicht der Einzige, der auf der App Lebensmittel anbietet. Mit dabei sind die beiden Filialen des Café Jolie, das Dunkin‘ Donut, „real“-Märkte und die Nordsee-Filialen in Regensburg.

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