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Demonstration

Regensburg bremst Ultrarechte aus

Tröten, Sprechchöre, Vuvuzelas: Die NPD findet bei ihrer Kundgebung am Mittwoch in Regensburg kein Gehör und zieht mit ihrem „Info-Mobil“ ab.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Die Demonstranten zeigten: In der Stadt ist kein Platz für die NPD.
  • Hunderte Menschen demonstrierten Haidplatz gegen die NPD. Fotos: Lex
  • DGB-Kreisvorsitzender Christian Dietl bei seiner Rede
  • Aktivisten wollten die NPD blockieren.
  • Die drei Bürgermeister waren vor Ort, hier Gerhard Weber.
  • In der Stadt war die Polizei auf allen Plätzen präsent.
  • Eine Aktivistin entrollte am Gerüst der Kassianskirche ein Transparent.
  • Die Polizei löste die Blockade am Neupfarrplatz auf.

Regensburg. Nach rund vier Stunden war der braune Spuk vorbei: Die NPD, die am Mittwoch auf ihrer „Deutschlandfahrt“ in Regensburg Station machte, zog am frühen Nachmittag mit ihrem „Info-Mobil“ ab, Richtung Nürnberg, zur nächsten Kundgebung. In der Regensburger Altstadt ließen Hunderte Demonstranten den Rechtsextremen keine Chance, ihre Parolen zu verbreiten. Die Reden von Karl Richter und Ronny Zasowk aus dem NPD-Präsidium gingen auf dem Neupfarrplatz in infernalischem Lärm unter. Sprechchöre, Pfiffe, Tröten und Vuvuzelas übertönten Forderungen wie „Deutschland den Deutschen“. Die Neupfarrkirche stimmte lautstark in den Protest ein: Die Glocken ließen 15 Minuten lang Solidaritätsgeläut hören. Kirchenvorsteherin Henriette Wimmer, Diakon Hans Köhler und Pfarrer Wolfgang Lahoda hatten die Aktion spontan beschlossen, als der NPD-Bus am Neupfarrplatz anrollte.

Das „Flaggschiff“, wie die NPD ihren Tourbus nennt, konnte erst mittags, nach einer Irrfahrt durch die Altstadt, mit knapp zwei Stunden Verspätung auf dem Neupfarrplatz Station machen. Bis zum Kassiansplatz, ursprünglich genehmigter Kundgebungsort, waren die Rechtsnationalen gar nicht erst durchgedrungen. Am Zwischenstopp Bismarckplatz steckte der Lkw fest, umringt von Polizisten und Hunderten Demonstranten. Die Menge, die immer mehr anschwoll, skandierte Parolen wie „Ob Ost, ob West – nieder mit der Nazipest“, zeigte den NPDlern Rote Karten, schrie „Nazis raus!“ und zeigte Schilder mit Sprüchen wie „Zu Risiken und Nebenwirkungen des Faschismus lesen Sie ein Geschichtsbuch oder fragen Sie Ihre Großeltern“.

Der Protest gegen die „Schandfahrt“ begann um 10 Uhr auf dem Haidplatz. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Regensburger Bündnis „Kein Platz für Nazis“ (KPfN) hatten alle großen Plätze in der Altstadt belegt, als Anfang der Woche die NPD-Kundgebung bekannt geworden war. Die Regensburger dokumentierten eindrucksvoll, dass Neonazis hier nicht geduldet sind – durch Bürger, Politik Kirchen und Verwaltung. Auf dem Haidplatz zeigten etwa die Bürgermeister Gerhard Weber (CSU) und Joachim Wolbergs (SPD) und Fraktionschefs wie Norbert Hartl (SPD) und Jürgen Mistol (Grüne) Präsenz. Oberbürgermeister Hans Schaidinger sagte: „Ich bin hier, um zum Ausdruck zu bringen, wofür Regensburg steht: für Weltoffenheit, Toleranz und gegen dumpfe NPD-Parolen.“

DGB-Regionalvorsitzender Christian Dietl warnte in seiner Ansprache vor den Nationaldemonkraten: Sie gäben vor, soziale Rechte einzufordern, „aber ich sage: Vorsicht! Schauen wir uns an, wie ihre Vorgänger-Organisation mit diesen Rechten umgegangen ist.“ Man könne braune Gesinnung nicht verbieten, „aber wir können bewirken, dass sie sich nicht ausbreitet.“

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