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Soziales

Regensburg: Ein Schutzraum für Verlorene

Die Bahnhofsmission gewährt jedem Geborgenheit, der menschliche Nähe sucht oder Hilfe braucht. Blaue Engel sorgen dafür.
Von Angelika Lukesch

Die blauen Engel der Bahnhofsmission hören den Besuchern zu. Foto: Michael Scheiner
Die blauen Engel der Bahnhofsmission hören den Besuchern zu. Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Der Begriff „Bahnhofsmission“ führt manche Menschen in die Irre. Mit einer Missionstätigkeit haben die Mitarbeiter der Regensburger Bahnhofsmission nämlich rein gar nichts zu tun. Ihr Anliegen ist es allein, Menschen zu helfen. Die Mitarbeiter der Regensburger Bahnhofsmission werden auch „Blaue Engel“ genannt. Dies ist der Farbe der „Berufsbekleidung“ geschuldet, den Jacken in leuchtendem Blau. Auf Brusthöhe prangt das Emblem der Bahnhofsmission, ein rotes Kreuz auf weißem Grund mit einem diagonalen gelben Streifen. „Nächste Hilfe: Bahnhofsmission“ lautet der Slogan, der in doppelter Wortbedeutung auf die nächst gelegene Hilfe verweist, aber auch auf die Nächstenliebe, die in der christlichen Lehre eine der höchsten Tugenden darstellt.

Die zwanzig Mitarbeiter der Bahnhofsmission arbeiten bis auf Gertrud Reber (Caritas), Geschäftsführer Anton Stadler (In Via/Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit) und Susanne Mai (Diakonie) auf ehrenamtlicher Basis. Sie helfen mit, den oftmals verlorenen Seelen, die in der Bahnhofsmission Schutz und Geborgenheit suchen, Menschlichkeit, Verständnis und ein offenes Ohr zu geben.

Mit Rat und Tat zur Seite Foto: Michael Scheiner
Mit Rat und Tat zur Seite Foto: Michael Scheiner

Anton Stadler und Gertrud Reber erzählen von den Menschen, die sie bei ihrer Arbeit treffen: „Ein junger Mann bringt einen etwas älteren Mann in die Bahnhofsmission. Der Ältere hält sich seit dem Vortag auf dem Bahnhof auf und ist mittlerweile total durchgefroren. Er setzt sich an die Heizung und trinkt Kaffee. Nach einiger Zeit verlässt er die Bahnhofsmission. Er wollte keine weitere Hilfe.“ Dieses Beispiel verweist auf die Hilfsbereitschaft der Blauen Engel der Bahnhofsmission, die dem Gestrandeten die helfende Hand reichen. Menschlichkeit ist das Wort, das hier wohl am besten passt.

Suche nach einer Lösung

Das Team der Bahnhofsmission Foto: Michael Scheiner
Das Team der Bahnhofsmission Foto: Michael Scheiner

Ein zweites Beispiel, das die Mitarbeiter der Bahnhofsmission erzählen: „Zwei Männer kommen seit Tagen in die Bahnhofsmission. Mangels Sprachkenntnissen können wir uns nicht verständigen. Nach ein paar Tagen finden wir eine Kollegin, die sich mit ihnen auf Polnisch verständigen kann. Beide sind ohne Wohnung und Arbeit. In Ungarn könnten sie beim Vater im Haus leben. Wir organisieren die Rückfahrt per Bus und Bahn, das Amt für Soziales übernimmt die Kosten“ Solche Fälle kämen häufig vor, erzählen Stadler und Reber. Manchmal geraten Menschen unverschuldet in Situationen, aus denen sie sich ohne Hilfe nicht befreien können. In der Bahnhofsmission wird nach einer Lösung gesucht und diese auch realisiert.

Soziales

Bei den blauen Engeln vom Gleis 1

Wenn Menschen der Lebenszug entgleist, dann gibt es bei der Regensburger Bahnhofsmission immer noch eine offene Tür.

Und ein weiterer Fall: „Ein junger Flüchtling aus München hatte eine Anhörung in Regensburg. Der Termin dauerte länger, das Busticket war nicht mehr gültig, eine Buchung war nur online möglich. Wir buchten ein Ticket und bezahlten online, der Flüchtling gab uns das Geld in bar…“

Anton Stadler Foto: Lukesch
Anton Stadler Foto: Lukesch

Mehr als 90 Prozent der Besucher, die in die Bahnhofsmission kommen, haben psychische Probleme oder Schwierigkeiten im sozialen Umfeld. Sie finden in der Verlässlichkeit der Bahnhofsmission einen geschützten Raum und vor allem Menschen, die zuhören und helfen, wo es möglich ist. Eine Reihe von Besuchern kommt regelmäßig, für sie ist der Besuch in der Bahnhofsmission eine Struktur, die sie dem Tag geben können. Manche Menschen, erzählt Anton Stadler, wollen einfach nur ihre Ruhe: „Dann lassen wir sie in Ruhe!“ Die blauen Engel tun ihren Dienst aus christlicher Überzeugung. Man müsse auch Menschen helfen, wenn sie ihr Unglück selbst verschuldet hätten, sagt Gertrud Reber: „Jeder Mensch hat eine Würde!“

Jede Menge Beispiele

Gertrud Reber Foto: Lukesch
Gertrud Reber Foto: Lukesch

Der Aufenthaltsraum der Bahnhofsmission ist schlicht und freundlich gestaltet. Auf jeden Besucher wartet eine Tasse Kaffee oder Tee, ein Wurstbrot. Wer nach Ansprache sucht, findet hier ein offenes Ohr. Wer Gesellschaft sucht, fühlt sich hier nie einsam. Abgesehen von der psychischen Hilfe, die die Bahnhofsmission den hilfebedürftigen Menschen jeglichen Glaubens, jeglicher Herkunft und jeglichen Alters leistet, kümmern sich die Mitarbeiter auch um Reisende, die Probleme bei ihrer Zugreise bekommen.

Auch das ist passiert: „Eine junge Reisende klopft nachts an der Bahnhofsmission. Sie kommt mit dem Zug aus München, der Anschluss nach Berlin geht erst am Morgen. Sie kann sich mit ihrem gültigen Ticket in der Bahnhofsmission aufhalten beziehungsweise auf der Isomatte schlafen. Gegen 4 Uhr früh verlässt sie die Bahnhofsmission.“ Oftmals werde um Hilfe beim Umsteigen oder Unterstützung mit dem Rollstuhl gebeten. In der Bahnhofsmission gibt es auch einen Aufenthaltsort für Eltern mit ihren Kindern und einen Wickelraum. Und manchmal ergeben sich besondere Aufgaben.

Ein Blauer Engel

  • Gertrud Reber:

    Sie arbeitet seit 16 Jahren in der Bahnhofsmission.

  • Ihr Appel:

    „Man muss die Menschen mögen und man muss für diese Arbeit offen sein. Wir freuen uns über jeden neuen Mitarbeiter, der Interesse daran hat, für Menschen da zu sein.“

Gertrud Reber erzählt ein letztes Beispiel: „Ein kleiner Junge traut sich nicht auf die Rolltreppe. Die Mutter ist mit ihrem Baby bereits oben und der Vater schleppt das Gepäck. Der Kleine hat Angst, ich nehme ihn an der Hand, er sträubt sich, aber wir kommen nach oben und die Familie ist vereint!“

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