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Medizin

Regensburg hat wieder eine Druckkammer

Mithilfe von Spendengeldern und Sponsoren wurde das lebensrettende Gerät für das Caritas-Krankenhaus St. Josef finanziert.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Freitag die neue Sauerstoff-Überdruckkammer am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg vorgestellt.
Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Freitag die neue Sauerstoff-Überdruckkammer am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg vorgestellt. Foto: altrofoto

Regensburg.Regensburg hat wieder eine Druckkammer für Hyperbar-Medizin: Am Freitag wurde das Gerät offiziell am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Betrieb genommen. Das Rettungszentrum Regensburg hatte sich mit Professor Michael Nerlich an der Spitze für die Anschaffung stark gemacht . 40 000 Euro wurden aus der BMW-Charity, die auch von der Mittelbayerischen Zeitung unterstützt wird, bereitgestellt. Stadt und Landkreis Regensburg sowie die Sparkasse Regensburg beteiligten sich ebenfalls, um diese medizinische Versorgungslücke zu schließen.

Die vergangenen zehn Monate mussten Patienten mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung oder verunglückte Taucher zur Behandlung nach München oder Murnau gebracht werden, nachdem die bisherige Druckkammer, die Dr. Urs Braumandl im Regensburger Gewerbepark betrieben hatte, nicht mehr zur Verfügung stand. Es sei ein „schwarzer Tag“ gewesen, als im vergangenen Dezember das Ende dieses medizinischen Angebots besiegelt war und die Anlage nach Serbien verkauft wurde, sagte am Freitag Dr. Michael Pawlik, Direktor der Klinik für Anästhesiologie. Pawlik selbst hatte sich dafür stark gemacht, dass das Gerät in das Caritas-Krankenhaus St. Josef verlegt wird. Doch dafür gab es keine Unterstützung. „Wir sind von Pontius zu Pilatus gelaufen, haben mit Ministerien und Krankenkassen gesprochen – ohne Erfolg.“

Die Rettung kam jedoch kurze Zeit später, als Professor Nerlich das Projekt für die BMW-Charity 2015 vorschlug. „Ein Netz ist immer nur so gut wie die Maschen. Wenn sie zu groß sind, dann fällt man durch. Wir versuchen mit dem Rettungszentrum Regensburg seit 15 Jahren dieses Netz der medizinischen Versorgung in der Region enger zu knüpfen“, sagte er am Freitag.

Behandlung in der Druckkammer

  • Wenn Hämoglobin blockiert ist

    Bei der Kohlenmonoxidvergiftung wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstofftransport übernimmt, durch Kohlenmonoxid blockiert. Hämoglobin bindet sich rund 300-mal leichter mit Kohlenmonoxid als mit Sauerstoff. In der Überdruckkammer sättigen sich Blut und Körperflüssigkeit mit so viel Sauerstoff, dass es auch ohne Hämoglobin zum Überleben des Patienten reicht. Auch Spätschäden vor allem des Gehirns können so vermieden werden.

  • Bakterien mit Sauerstoff töten

    Die Wundheilung ist ein weiteres Anwendungsgebiet. Zur Heilung ist Sauerstoff vonnöten. Fehlt der, so stoppt der Heilungsprozess und Wunden schließen sich nicht mehr. Dies kann bei Weichteilquetschungen der Fall sein. Auch beim diabetischen Fuß wird die Wunde nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgt. Bei Gasbrandinfektionen, der schwersten Form der Wundinfektion, können die anaeroben Bakterien mit Sauerstoff abgetötet werden. (zk)

Mit der neuen Regensburger Überdruckkammer wird in mehrerlei Hinsicht ein deutschlandweit einzigartiges Modell unterstützt. Das Gerät ähnelt einem kleinen U-Boot. Es ist die erste Druckkammer in Deutschland, in der lediglich Platz für die zu behandelnde Person ist. Der Patient liegt darin je nach Krankheitsbild zwei bis sechs Stunden und atmet hundertprozentigen Sauerstoff ein. Besonders ist auch, dass die Druckkammer eine 24-Stunden-Bereitschaft mit angeschlossener Intensivmedizin bietet, wie sie lediglich neun weitere Kliniken in Deutschland zur Verfügung stellen. Zudem sei es gelungen, die Krankenkassen mit ins Boot zu holen uind eine Finanzierung der Behandlungen zu vereinbaren, sagte Florian Glück, der Geschäftsführer des Krankenhauses.

Etwa 6000 Kohlenmonoxidvergiftungen durch defekte Gasthermen in Bädern oder durch Rauchgasvergiftungen gibt es jedes Jahr in Deutschland, rund 1000 davon in Bayern. Schätzungsweise 35 bis 50 Prozent der Betroffenen benötigen eine Behandlung in einer Überdruckkammer, sagte Pawlik. Helfen kann die Überdruckmedizin auch Patienten mit schlecht heilenden Wunden. „Für diese schwerstkranken Patienten ist es manchmal die letzte Rettung“, weiß der Mediziner aus Erfahrung.

Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg, nannte die Anschaffung „wegweisend“. Das Caritas-Krankenhaus habe gegenüber der Bevölkerung eine Verantworung, die man gerne übernehme.

Das Leben eines Patienten konnte durch die neue Druckkammer bereits gerettet werden. „Am Donnerstag und Freitag wurde er in der Druckkammer behandelt. Dem Patienten geht es gut, er ist nicht mehr unter Druck“, sagte Pawlik.

Neuer Lebensretter in Regensburg

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