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Abzocke

Regensburg im Visier der Telefonbetrüger

Kriminelle geben sich derzeit als Mitarbeiter der Rewag aus. Über das Telefon wollen sie an persönliche Informationen kommen.
von Gustav Wabra

Die Betrüger rufen derzeit vermehrt in Stadtgebiet an und geben sich als Rewag-Mitarbeiter aus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Betrüger rufen derzeit vermehrt in Stadtgebiet an und geben sich als Rewag-Mitarbeiter aus. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Regensburg.Betrug über das Telefon ist eine beliebte Masche von Ganoven. Aktuell erhalten Regensburger Anrufe einer Firma, die sich als die Rewag ausgibt. Bei den betrügerischen Anrufen geben die vermeintlichen Rewag-Mitarbeiter an, dass Strom- oder Erdgasverträge auslaufen und verlängert werden sollen. Die Opfer werden dabei aufgefordert, wichtige Daten und Informationen, wie die Zählernummer und die Bankverbindung, preiszugeben.

Die Zahl der betrügerischen Anrufe steigt seit Jahren rasant an. In der Oberpfalz haben sich die Delikte von 2017 auf 2018 fast verdoppelt. Wurden 2017 noch 226 Straftaten dieser Art gemeldet, waren es ein Jahr später schon 460. Bei der Hälfte dieser Delikte gaben sich die Betrüger als Polizeibeamte aus. Am zweithäufigsten war der sogenannte Enkel-Trick. Wie lukrativ und gefährlich diese Betrügereien sind, zeigen weitere Zahlen. Besonders oft müssen Betrüger gar nicht nicht zum Ziel kommen, um großen Schaden anzurichten.

„Normalerweise ruft ein Täter an, ein Komplize ist vor Ort. Sobald klar ist, was in der Wohnung ist oder wie sie agieren können, schlagen die Betrüger zu.“

Florian Beck, Sprecher am Polizeipräsidium der Oberpfalz

Unter den 243 Delikten, als sich Betrüger 2018 als Polizeibeamte ausgaben, waren nur fünf erfolgreich, verursachten aber einen Schaden von 205 000 Euro. Die Dunkelziffer der Betrugsdelikte dürfte allerdings deutlich höher liegen. Menschen, die Opfer von Telefonbetrügerein geworden sind, zeigen diese oft aus Scham nicht an.

Rückverfolgung ist schwierig

Telefonbetrug ist eine Masche, deren Hintermänner oft nicht zu ermitteln sind, und die so wie überall auch in Regensburg zunimmt. Bei der Rewag bestätigt man den Trend. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Zahl der Fälle, in denen Betrüger den Namen der Rewag missbraucht haben, verdoppelt. Betrüger missbrauchen allerdings nicht nur den guten Namen der Rewag, sondern auch den der Stadtverwaltung und der hiesigen Polizei oder von Banken. Florian Beck, Sprecher am Polizeipräsidium der Oberpfalz, erklärt das Vorgehen der Betrüger: „Normalerweise ruft ein Täter an, ein Komplize ist vor Ort. Sobald klar ist, was in der Wohnung ist oder wie sie agieren können, schlagen die Betrüger zu.“

Was tun bei Telefon-Betrug?

Ein ähnliches Vorgehen könnte auch hinter den jetzigen Anrufen der Betrüger stecken, die sich als Rewag-Mitarbeiter ausgeben. Nach Angabe des Regensburger Energieunternehmens gibt es sogar Betrüger, die mit gefälschten Ausweisen von Haus zu Haus zu gehen. Dagegen geht das Unternehmen juristisch vor, bei den Telefonbetrügern sei eine Rückverfolgung manchmal zu schwer, sagt Rewag-Sprecher Martin Gottschalk.

Gefahr über Telefon

  • Maschen:

    Es gibt viele unterschiedliche Betrugs-Maschen über das Telefon. Weniger bekannt sind zum Beispiel „Schock-Anrufe“ oder die „Traumpartner“-Falle. In den häufigsten Fällen geben sich Betrüger als Polizisten oder Enkel aus, um an Geld zu kommen.

  • System:

    Hinter Telefon-Betrug stecken oft größere kriminelle Strukturen. Die Täter gehen dabei systematisch und gezielt vor.

Die Täter gehen bei dem Rewag-Fall oft mit einer Überrumpelungstaktik vor. Schnell fallen im Gespräch besondere Stichwörter. Der Vertrag würde auslaufen oder der Strom abgestellt. Hier müsse man sofort hellhörig werden. Aufmerksam sei man bei der Rewag auf die Betrugsserie geworden, weil sich aufmerksame Regensburger gemeldet haben. Derzeit sammelt man weiter Hinweise zu den Anrufen.

Mit falschem Ausweis unterwegs

Dass die Betrüger immer spitzfindiger werden, zeigen andere Beispiele aus der jüngsten Regensburger Vergangenheit. Zum Beispiel geben sich Telefon-Betrüger nicht nur als Rewag-Mitarbeiter aus, sondern auch als Angestellte der Stadt Regensburg, wie die Pressestelle der Mittelbayerischen bestätigt. Vor Kurzem war einer dieser Betrüger im Stadtgebiet mit gefälschtem Ausweis unterwegs.

Verbrechen

Hier griff die Regensburger Polizei ein

Die neue Kriminalstatistik zeigt weniger Straftaten und eine höhere Aufklärungsrate. Doch es gibt noch immer Handlungsbedarf.

Bei mehreren anderen bekannten Fällen wollten Anrufer vor allem wissen, wie die Wohnung aussehe, ob diese gemietet oder ob ein Urlaub geplant sei. Sie gaben an, bei der Stadt zu arbeiten. Bei solche Fragen ist natürlich Vorsicht geboten. Echte Mitarbeiter der Stadt oder bei der Rewag stellen solche Fragen weder am Telefon noch persönlich. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sich sofort bei der Polizei melden.

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