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Kunst

Regensburg ist die Liebe seines Lebens

Der ehemalige Regierungsbaudirektor Rudolf Flügel ist Maler, Fotograf, Filmemacher und Poet. Sein Motiv ist immer wieder die Domstadt.
Von Marion Lanz

  • Als Maler liebt Rudolf Flügel Regensburg aus allen Perspektiven.Fotos: Lanz

Regensburg. Rudolf Flügel ist ein Regensburger Original. Dabei ist er gar nicht hier, an der Donau, sondern mitten im Krieg in München-Schwabing geboren. Dort macht er an der TU München seinen Abschluss in Architektur. Als „Bauassesor“ bei der Regierung der Oberpfalz traf Rudolf Flügel 1969 auf die Liebe seines Lebens: die Stadt Regensburg.

Mit „ganzer Hingabe und viel Enthusiasmus“ arbeitete er hier in der Altstadtsanierung für die Regierung der Oberpfalz und lernte die Stadt mehr und mehr lieben. In der damals noch verschlafenen Domstadt gab es viel zu tun. Oft hat er die alten Häuser nach Feierabend gezeichnet und gemalt, die er tagsüber mit Sachverstand durch seine Arbeit in einen lebens- und liebenswerten Zustand zu bringen versuchte. Auf dem alten Kopfsteinpflaster in den Gassen, auf den romantischen Plätzen und am Ufer der Donau, hat er die wunderschönen Ecken auf die Leinwand gebannt. Oft fasste er auch seine Gedanken und Gefühle dazu in Gedichte und Prosa.

Wohnung im Herzen der Stadt

Mit dem Dichten und Malen ist er schon als kleiner Bub in der Schule aufgefallen. Inzwischen ist der Rudi, wie ihn seine Freunde nennen, schon weit in den „70ern“. Und immer noch malt und zeichnet er, kann einfach nicht aufhören, auch wenn sich die Werke schon stapeln in seiner kuscheligen Dachgeschosswohnung im Herzen von Regensburg. Wo sonst sollte ein Poet und Künstler wie er auch leben?

Auch wenn er, wie er selbst mit Augenzwinkern zugibt, seiner großen Liebe ab und zu untreu geworden ist – „Urlaubsliebschaften“, wie er sie nennt, mit Island, Irland, der Toscana, dem ewigen Rom und natürlich der Serenissima hatte – in Rudis Adern fließt die Donau so laut und stark, als wäre er damit getauft worden. Über sein geliebtes Regensburg hat er drei Bücher verfasst, eine Hommage an seine Wahlheimat. Andere Werke und Beiträge folgten. Seine Bilder werden seit 30 Jahren ausgestellt, und wer mal in der kleinen Galerie in der Thundorferstraße, gleich gegenüber der Steinernen Brücke, stöbert, der kann immer wieder ein Porträt der Liebsten in Öl und Aquarell entdecken: Die markanten Domspitzen, natürlich die weltberühmte Brücke und andere vertraute Ecken. Alt bekannt und doch neu mit energischem Pinselstrich und gefühlvollen Farben gemalt, mit derselben Passion und Hingabe, mit der er einst den alten Häusern wieder Leben gab. Mit „Impressionen aus der Toskana“ führt er zu mächtige Mauern und Palazzi. Erst wird das Auge entführt in lichtdurchflutete Gassen, dann folgen die Gedanken, bis man die südliche Sonne förmlich auf der Haut spüren kann.

Doch das alles ist dem Tausendsassa, dem Baudirektor a. D. der Regierung nicht genug. Auch das Filmen hat Flügel in den 1980er-Jahren zu seinem Medium gemacht, den kleinen fünfminütigen Streifen seinen individuellen Stempel aufgedrückt. Mit angenehmer Stimme führt er den Zuschauer in seine Gedankenwelt und öffnet neue Blickwinkel. Auf Alltägliches, auf Unbemerktes, auf Übersehenes. So werden tausendmal erlebte Situationen zu magischen Momenten. „Man muss nur das Auge schulen und den Blick öffnen und hinschauen“, erklärt er überzeugend. „Doppelleben“ zeigt in den Sprossenfenstern der Gassen, durch die gerieften Butzenscheiben des „Haus Heuport“, in den Reflektionen am vorbeifahrenden Bus, das Regensburg, das wir zu kennen glauben, wie durch ein Kaleidoskop verklärt und völlig neu.

Im vergangenen Sommer, bei der Schwüle nach der Jahrhundertflut, zeigte Flügel in der Galerie von Uschy Schlichtinger eine seiner „langjährigen Affären“. Eine Stadt, die auch und wie keine andere mit dem Wasser steht und fällt: Venedig. Keine Tauben am Markusplatz, kein Gondoliere am Canal Grande: Nur die Spitzen der Gondeln, die auf dem Wasser tanzen. In Formation und Großaufnahme. Wie Pferde im Galopp, wie Hellebarden auf dem Weg in die Schlacht. Nach der Choreographie der Wellen und in zeitloser Ästhetik. Tausendmal gesehen und doch nie so wahrgenommen, wie es Rudolf Flügel hier an „seinem“ Steg in la Venezia tut, so oft er hier sein kann.

Ein eigener Zeichentrickfilm

An jenem schwülen Sommerabend am Bürgerfest 2013 entlocken ihm die begeisterten Zuschauer dann noch einen „Fünfminüter“. Ein ganz andres Genre und eine weitere Facette des Regensburger Künstlers: Ein bajuwarischer Zeichentrickfilm. Mit viel Humor, dem Lokalkolorit und ganz speziellem bayerischem Charme. Ein Brüller bei allen Zuschauern und eigentlich oscarreif! Kein Wunder, denn wie er später verriet, hat er mit einem andrem Film „Das Radlermass ist voll“ 2006 beim 5-Städtewettbewerb in Nürnberg für die Amateurfilmer Regensburg den ersten Preis in der Kategorie Trickfilm gewonnen. Eigentlich war der amüsante Streifen eine Weihnachtsüberraschung für seine Liebe aus Fleisch und Blut – Elfriede. Sie ist seit rund 30 Jahren Lebensgefährtin, Muse und „mein Gedächtnis“, wie er schmunzelnd zugibt.

Seit diesem ersten Preis 2006 nimmt das Allroundtalent jährlich an diesem Film-Wettbewerb teil und hat schon zahlreiche Preise bekommen. Am heutigen Samstag findet der 30. Städtewettbewerb nun in Regensburg statt. Auch da wird Rudi wieder mit zwei Film-Beiträgen dabei sein. Im Galeriecafé Blaue Lilie in Kallmünz im tristen November oder wieder in Uschy`s Galerie irgendwann kann man noch mehr von diesem Regensburger Unikum sehen. Und während seine Zuschauer dann wieder bewundernd raunen und klatschen und immer wieder ein „Klasse“ zu hören sein wird, wird Rudi selbst wieder seine humorigen Kommentare über die eigentliche Prosa der Filme legen. So ist er, der Rudi Flügel aus der Silbernen Kranz Gasse, gleich hinter dem „Roten Herzfleck“, im Zentrum der Stadt, die ihm so ans Herz gewachsen ist.

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