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Aktion

Regensburg ist Ghaiths letzte Hoffnung

In Damaskus sind Blutkonserven rar. Bei KUNO könnte der Achtjährige gerettet werden. Doch es fehlt nicht nur an Geld.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Dem achtjährigen Ghaith bleibt nur noch wenig Zeit.
Dem achtjährigen Ghaith bleibt nur noch wenig Zeit.Foto: privat

Regensburg.Ein Hilferuf aus Damaskus erreicht Regensburg: In der umkämpften syrischen Hauptstadt hofft der achtjährige Ghaith, der an einer lebensbedrohlichen Sichelzellenanämie leidet, auf seine Ausreise nach Deutschland. In Syrien gibt es keine Blutkonserven mehr, die bisher das Leben des Jungen gerettet haben. Inzwischen hat er nach den Aussagen seiner Familie einen Herzinfarkt erlitten, der Zustand verschlechtere sich täglich weiter. Am Kinder-Uniklinikum Regensburg könnte die lebensrettende Stammzellentransplantation durchgeführt werden. Prof. Dr. Selim Corbacioglu, der Leiter der dortigen Kinder-Onkologie, ist ein ausgewiesener Experte für die Behandlung dieser genetisch bedingten Erkrankung. Doch es fehlt nicht nur an Geld.

Ute Hinrichs vom Helferkreis Zwickau, die am Wochenende mit einem Facebook-Aufruf auf das Schicksal des Achtjährigen aufmerksam gemacht hat, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Hilfsbereitschaft in Deutschland spürbar nachgelassen habe. Von Willkommenskultur sei nur noch wenig zu spüren. „In Deutschland wird nicht mehr über das menschliche Leid der Flüchtlinge gesprochen – im öffentlichen Interesse sind nur noch diejenigen, die hier kriminell geworden sind.“ Der Anteil derer, die bereit seien, die Menschen aus den Kriegsgebieten zu unterstützen, sei kleiner geworden.

Helferkreis will nicht aufgeben

Dennoch will der Helferkreis die Hoffnung nicht aufgeben, dass Ghaith noch rechtzeitig nach Deutschland kommen kann und hier die lebensrettende Therapie erhält. Dafür steht man bereits mit der Aktion „Ein Herz für Kinder“ in Kontakt, die prüft, ob sie die Behandlungskosten mitfinanzieren kann, sagt Hinrichs, die beruflich bei der Landesdirektion Sachsen arbeitet. Dort haben Kollegen der Asylbehörde den Fall an sie herangetragen.

Einen Teil der Familie von Ghaith lernte Hinrichs bereits kennen. Die Großmutter des Jungen ist mit der dreijährigen Enkelin Jouri und einer minderjährigen Tochter vor geraumer Zeit nach Deutschland geflüchtet und hat Asyl beantragt. Auch Jouri leidet an einer Sichelzellenanämie – wie ihr großer Bruder. Diese Störung bei der Bildung des roten Blutfarbstoffes führt zu Schmerzattacken, die durch Gefäßverstopfungen in den Organen und Sauerstoffmangelzustände hervorgerufen werden. Die Verschlüsse in den Gefäßen können Infarkte etwa im Gehirn, im Herz oder den Lungen auslösen. Organe werden nachhaltig geschädigt. Deshalb erhielt Ghaith bislang in Abständen von etwa 20 Tagen Blutkonserven, um seinem Blutkreislauf gesundes Hämoglobin zuzuführen. Weil diese Behandlung nun nicht mehr möglich ist, geht es dem Jungen immer schlechter.

Schwester ist bereits in Regensburg

Ghaiths Schwester ist inzwischen am Uniklinikum Regensburg in Behandlung, eine Stammzellentransplantation steht wohl unmittelbar bevor. Hinrichs hatte sich darum gekümmert, dass die Familie von Sachsen nach Bayern umsiedeln konnte, wo man die entsprechende Behandlung anbietet. Das Uniklinikum selbst macht dazu keine Angaben. Patientendaten unterliegen dem Datenschutz.

Der achtjährige Ghaith blieb mit seinem Großvater und seiner ebenfalls minderjährigen Tante zurück in der umkämpften Kriegsregion in Syrien. Die Mutter der Kinder hatte die Familie verlassen, der Vater zog in den Krieg und gilt als verschollen. Der Großvater, der als Industriemechaniker arbeitete, übernahm die Versorgung der Enkel. Doch aufgrund des sich rasant verschlechternden Gesundheitszustandes von Ghaith musste er seine Arbeit inzwischen aufgeben. Die Reserven der Familie seien durch die Flucht der Großmutter mit Kind und Enkelkind nach Deutschland bereits aufgebraucht, sagt Hinrichs.

Wer will helfen?

  • Aktion:

    Der Helferkreis Zwickau möchte dem kranken Ghaith eine medizinische Behandlung am Kinder-Uniklinikum Ostbayern in Regensburg ermöglichen. Der Leiter der Kinderonkologie, Prof. Dr. Selim Corbacioglu gilt als ausgewiesener Experte bei der Behandlung der Sichelzellenanämie und der erforderlichen Stammzellentransplantation.

  • Spenden:

    Das Spendenkonto wurde bei der IHA InterEuropean Human Aid Association Germany in München eingerichtet.

  • Die Bankverbindung lautet: Empfänger: IHA; IBAN: DE86 4306 0967 8231 2437 00; BIC: GENODEM1GLS

  • Als Verwendungszweck „Helferkreis Zwickau-Ghaith“ angeben.

  • Dringend gesucht wird in Regensburg zudem Wohnraum für Ghaith, seinen Großvater und seine Tante. Der Wohnraum sollte kostenlos oder günstig angeboten werden können. Wer helfen kann, schickt eine E-Mail an oberpfalz@mittelbayerische.de

Aber die Zeit drängt, sagen die Helfer. Deshalb wollen sie den Jungen samt seiner verbliebenen Familie über ein Visumverfahren rasch nach Deutschland holen. Dafür werde, so Hinrichs, auch dringend kostenfreier oder günstig zu vermietender Wohnraum in Regensburg benötigt, um die Familie für den Zeitraum der Behandlung unterbringen zu können. Auch die Stadtverwaltung Regensburg sei in den Fall eingeschaltet worden. Eine Krankenversicherung, die die Kosten der Behandlung in Deutschland übernehmen könnte, hat Ghaith nicht. Im Falle einer Einreise per Visum greift zudem das deutsche Versorgungssystem nicht. Deshalb müssen die Einreise und die Behandlung komplett über Spenden finanziert werden.

Laut Hinrichs will die Familie kein dauerhaftes Asyl, sondern nur vorübergehend bleiben, bis sich die politischen Verhältnisse in Syrien wieder normalisiert haben. Für Ghaith könnte – sofern eine Behandlung seiner Krankheit in Regensburg ermöglicht werden kann – dort dann ein neues Leben beginnen. Durch eine Stammzellentransplantation kann die Sichelzellenanämie vollständig geheilt werden.

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