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Kultur

Regensburg: Kunstplauderei mit Lüpertz

Der Künstler stellt bei Art Affair aus – und liefert sich mit Intendant Neundorff einen Schlagabtausch voll Witz und Tempo.
Von Florian Sendtner

Markus Lüpertz in der Galerie Art Affair, im Gespräch mit Jens Neundorff von Enzberg  Foto: altrofoto.de
Markus Lüpertz in der Galerie Art Affair, im Gespräch mit Jens Neundorff von Enzberg Foto: altrofoto.de

Regensburg. „Die Kunst ist ein Sein. Die Kunst genügt sich selbst. Die Kunst ist etwas wie die Luft zum Atmen.“ Aus Markus Lüpertz sprudelt es nur so heraus. Jens Neundorff von Enzberg will aus dem Künstler eine komplizierte intellektuelle Definition von Kunst herauskitzeln, doch für Lüpertz (78) ist das, was er sein ganzes Leben lang schon macht, zu elementar, als dass man es wie auch immer partikular formulieren könnte. Der Auftrag der Kunst? „Dem Menschen die Welt zu zeigen.“ Sie „macht uns zu besseren, zu schöneren, zu interessanteren Menschen.“

Markus Lüpertz, umringt von Menschen, in der Galerie Art Affair Foto: altrofoto.de
Markus Lüpertz, umringt von Menschen, in der Galerie Art Affair Foto: altrofoto.de

Das Menschengewimmel um Lüpertz und Neundorff herum staunt und lauscht - und lacht. Denn Lüpertz garniert seine apodiktischen Wahrheiten im Gewölbe der Galerie Art Affair gleichzeitig mit viel Witz und Satire, schlägt unvermutete Haken. Da bringt er zuerst sein Entsetzen über den „kriminellen Akt“ des Kunstraubs im Grünen Gewölbe von Dresden zum Ausdruck und nennt dann, als das Auditorium betroffen schaut, den Raub „immerhin noch eine intelligente Form“ des Kunstdiebstahls, dem „eine gewisse Romantik“ nicht abzusprechen sei. Erleichtertes Lachen.

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Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres zeigt die Galerie Art Affair Markus Lüpertz. Im November 2018 war es die Begleitausstellung zur Inszenierung der Oper „Una Cosa Rara“ von Vicente Martín y Soler im Theater Regensburg, zu dem Lüpertz das Bühnenbild und die Kostüme geschaffen hatte. Aber die Freundschaft mit Intendant Jens Neundorff von Enzberg reicht viel weiter zurück. Das Verhältnis des alten Kunstaristokraten zu dem 25 Jahre jüngeren Theatermann verträgt auch kleine Frotzeleien. Das Gespräch profitiert sehr davon, weil es pointierte Widersprüche erzeugt. Neundorff von Enzberg: „Kunst schafft Erklärungen.“ Lüpertz: „Nein! Kunst schafft Geheimnisse!“

Markus Lüpertz, im Gespür#ch mit Jens Neundorff, in vollem Ornat: mit Einstecktuch, edlem Stock und großen Ringen Foto: altrofoto.de
Markus Lüpertz, im Gespür#ch mit Jens Neundorff, in vollem Ornat: mit Einstecktuch, edlem Stock und großen Ringen Foto: altrofoto.de

Markus Lüpertz gibt ganz den konservativen Künstler, den Verteidiger des Ursprünglichen, den Dandy der alten Schule. Inwieweit soll, darf oder muss Kunst politisch sein? Lüpertz ist um die Antwort nicht verlegen: „Immer wenn Kunst mit Politik einherlief und nicht eine gewisse Distance zur Politik hatte, hat sie versagt.“ Wobei man „Distance“ genau so schreiben muss, denn Lüpertz spricht das Wort natürlich französisch aus. „Politik ist ein niederes Geschäft, und die Kunst ist ein hehres.“ Ende der Durchsage.

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Angesichts der ausgestellten Holzschnitte, Pastelle und Bronzeplastiken ist dem weiß Gott nicht zu widersprechen. Eine klassische mythisch-archaische Menagerie blickt einem da entgegen, eine „tierische Ausstellung“ (Neundorff von Enzberg): Im Vorraum wird man von einem Löwen in Bronze und allerlei Rabenvögeln (ein Farbholzschnitt, der das blauschillernde Schwarz der Federn sehr schön herausstellt, sowie Kreide-/Kohlezeichnungen) begrüßt, es folgt ein ganzer Stall voller Pferde unter dem Titel „Koloss (Studien)“, daneben Möwen, ein Widder, ein Steinbock, ein Stier, Fische, ein Schwan in mehrfacher Ausführung, dazwischen allenfalls mythologisches Menschenvolk (Leda, Diana, ein Hirte auf einem Farbholzschnitt aus den Achtzigern) sowie Mozart (in Bronze) und Lüpertz (ein Selbstbildnis als Kaltnadelradierung auf einem Linolschnitt).

Markus Lüpertz in Regensburg

  • Markus Lüpertz:

    Der Maler, Bildhauer und Grafiker zählt – mit Richter, Baselitz, Polke und Kiefer – zu den „Big Five“ der deutschen zeitgenössischen Kunst. Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Kirchenfenster, Bühne: Sein Werk ist vielfältig, seine Motive oft suggestiv und archaisch. Die Arbeiten kommunizieren heftig mit dem Betrachter und provozieren auch. Die Kunstakademie Düsseldorf, die ihn 1961 feuerte, leitete er sehr erfolgreich von 1988 bis 2009.

  • Lüpertz und das Theater:

    Für die Oper „Una cosa rara“ schuf Markus Lüpertz das Bühnenbild und die Kostüme. Die Oper hatte Ende 2018 im Theater am Regensburger Bismarckplatz Premiere. Die Regensburger Galerie Art Affair widmete Lüpertz damals eine Ausstellung mit Malerei auf Papier für das Bühnenbild, Figurinen und ausgewählte Einzelstücke zur Oper.

Das Highlight in jeder Hinsicht ist „Leda“ im hinteren Teil der Galerie: ein gewölbehoher Holzdruck in dreifach verschiedener Ausführung, wobei natürlich die übermalte Variante die exorbitanteste ist. Dass man in dem Schwan auf den ersten Blick eine Gans sehen kann – geschenkt. Auf die Frage von Neundorff von Enzberg nach dem angeblich gelben Schnabel der Rabenvögel im Vorraum antwortet Lüpertz, erstens gebe es solche Krähen oder Dohlen, zweitens und vor allem aber sei er schließlich kein Realist: „Es gibt auch keine blauen Pferde.“ Und von wegen Schwan oder Gans: Als ob es dem Göttervater nicht jederzeit zuzutrauen wäre, sich in eine Gans zu verwandeln, um bei einer Frau ans Ziel zu kommen. Anderen Frauen näherte er sich als Adler, als Kuckuck, als Schlange und sogar als Ameise.

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