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Tradition

Regensburg: Schaurig-schöne Geschichten

Die Wuiden Dragn ließen viele Gestalten lebendig werden, die in der Winterzeit möglicherweise überall ihr Unwesen treiben.
Von Gabi Hueber-Lutz

Bei Schiache Luz ist die dunkle Seite der Lichterkönigin Luzia und gehört zu den unheimlichen Gestalten der Winterzeit.  Foto: Gabi Hueber-Lutz
Bei Schiache Luz ist die dunkle Seite der Lichterkönigin Luzia und gehört zu den unheimlichen Gestalten der Winterzeit. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Regensburg.Die zottigen Gesellen springen auf die Mauer im Spitalgarten. Hell zeichnet sich der Dom in ihrem Rücken ab, bis sie das bengalische Feuer entzünden und die ganze Szenerie in rotes Licht tauchen. Dazu veranstalten ihre schaurigen Kollegen einen höllischen Lärm mit großen Glocken und Ratschen und mischen sich unter die Zuschauer, die im Biergarten der Brauerei das wilde Treiben fasziniert beobachten. Immer wieder packt eine der Gestalten eine Frau, wirbelt sie herum, stellt sie aber dann ganz artig wieder ab.

Die Hexen, die durch die Menge fegen, verteilen Hiebe mit ihren Besen. Allerdings wohldosiert. Es ist die Wilde Jagd, die den Besuchern der Perathnacht am Vorabend von Heiligdreikönig aufmischt. Manchmal steht eine der Gestalten aber ganz brav still und lässt sich als Selfiepartner ablichten. Auch alte Sagengestalten gehen mit der Zeit.

Vor der Wilden Jagd machten noch etliche andere Gestalten ihre Aufwartung und die Zuschauer ließen sich von Sabine Cipra von der Stadtmaus die Hintergründe dazu erzählen. Von der besonders gefährlichen Sorte ist die Schiache oder auch Bluadige Luz. Sie ist auf der Suche nach kleinen Kindern, denen sie Übles androht.

Gefährliche Gestalten

Am Luzia-Tag, dem 12. Dezember, brauchten die Eltern früher ihren Kindern nicht extra zu sagen, dass sie vor dem Dunkelwerden zuhause sein mussten. Da trieb die Angst sie heim, erzählte Sabine Cipra. Allerdings, wenn ihr gar niemand in die blutigen Hände mit den Sichelfingern fiel, gab sich die Luz auch mit Plätzchen zufrieden.

Wuide Dragn

  • Die Jüngsten:

    Emilia (15), Benedikt (10) und Finn (9) waren in diesem Jahr als junge Perchten dabei.

  • Die Gemeinschaft:

    „Mir san a Herd Leid de Spaß am Brauchtum und an da G’selligkeit ham.“ (lhl)

Auch mit der Druckaden Drud war nicht zu spaßen. Sie kroch des nachts durchs Schlüsselloch, setzte sich den Menschen auf die Brust und brachte ihnen Atemnot und Albträume. Weil sie vor Mitternacht von den Mettenwürsten gegessen hat, eingeschlafen war und die Christmette versäumt hatte, muss die Druckade Drud umgehen. Erlösung findet sie nur, wenn ein Gepeinigter sie für den nächsten Tag zum Essen einlädt und ihr ein Stück Vieh zum Erwürgen gibt.

Geradezu harmlos nehmen sich da die Lokalgeister aus. Der Vitterl, der Geist des Kumpfmühler Vitusbachs, und das Mehlweiberl, der Geist der Kumpfmühler Mühle. Sie beschimpfen und beschuldigen sich zwar recht lautstark gegenseitig, die Zuschauer haben von ihnen aber nichts zu befürchten. Ein Patentmittel gegen die Angst vor dem Bösen verkündete eine Gestalt, die mit einer schaurigen Geschichte vor Übersinnlichem warnte: „I hab´ koa Angst, i hab´ an Kerschgeist“, rief der Geselle in die Runde der Zuschauer. Jedem Ängstlichen bot er einen Schluck an. So gestärkt hielten alle das Schauspiel recht gut aus. Bei vielen der Geschichten spielte das Essen und Trinken eine große Rolle. Kein Wunder, war die Versorgungssituation früher doch zum Teil problematisch.

Schlaue Argumentation

Es war durchaus üblich, erzählte Sabine Cipra, dass der Bauer die Mahlzeiten für den ganzen Hof um eine kürzte, wenn die schwere Erntearbeit getan war. Die Menschen waren auch recht findig, wenn es um das Fastengebot ging. Weil der Herr Fische und Vögel an einem Tag erschaffen hatte, gehören auch Vögel zu den Fastenspeisen, so die Schlussfolgerung. Und da ein Huhn ein Vogel ist, durfte es natürlich auch an Fasttagen gegessen werden.

Sehr fein war auch eine andere Argumentationskette: Ein Biber hat einen geschuppten Schwanz und schwimmt im Wasser, also ist ein Biber ein Fisch und somit eine Fastenspeise. „Man muss sich nur was einfallen lassen“, kommentierte die Fachfrau schmunzelnd.

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