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Regensburg setzt ein Signal: 7000 demonstrieren gegen Rechts

  • Neonazis haben über 100 Gegner ermordet: Ernst Grube (76) überlebte das KZ, er weist auf die Opfer rechter Gewalt hin.
  • Sitzblockade in der Bachgasse
  • DGB und DGB-Jugend gehörten zu den Veranstaltern.
  • Sitzblockade in der Keplerstraße
  • Die Polizei eskortiert die NPD.
  • Protest einmal anders
  • Die Ordensschwestern sagen: Religionsfreiheit steht allen zu!
  • Vater und Sohn sind für die geplante Moschee.
  • Junge Muslime bekennen sich zu ihrem Glauben.
  • Appell: Seid tolerant!
  • Die Rentnerin tritt für ein NPD-Verbot ein.
  • Nach 12 Uhr: Die große Gegendemonstration startet.
  • Kundgebung auf dem Neupfarrplatz: Die Gegendemonstration der Demokraten endete mit drei Ansprachen. Fotos: Weigel
  • Kundgebung auf dem Neupfarrplatz: Die Gegendemonstration der Demokraten endete mit drei Ansprachen. Fotos: Weigel

In Regensburg gingen am Samstag 7000 Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremisten zu demonstrieren. Auf dem Neupfarrplatz fand die Kundgebung der Neonazi-Gegner statt. Am Nachmittag störten Autonome die NPD-Demo mit 110 Teilnehmern – die NPD lehnt den Bau einer Moschee ab.

Die Gegendemonstration am Tag der Deutschen Tag Einheit zwischen 12 und 14 Uhr führte vom Georgenplatz zum Ernst-Reuter-Platz und dann durch die Maxstraße zum Neupfarrplatz. „Das lief alles absolut friedlich ab“, zog Polizeisprecher Michael Rebele vom Polizeipräsidium Oberpfalz am Abend Bilanz. Zur Gegendemonstration aufgerufen hatten der DGB, der BDKJ-Diözesanverband und die Sozialen Initiativen. Angeschlossen hatten sich viele weitere Organisationen, ferner Parteien, Muslime und etliche junge Leute. Alle verband die Überzeugung: Kein Platz für Neonazis und Rassismus in Regensburg!

Auf den im Aufzug mitgeführten Transparenten und Plakaten wurde die Ablehnung gegenüber Neonazis auf den Punkt gebracht. „Lieber Muezzine als Landser“, hieß es etwa. „Regensburg ist bunt und das ist gut so“, hatte ein Gegner der Braunen formuliert. „Rechts ist der Abgrund“ war zu lesen, auf einem anderen Schild: „Fight the Nazis“. Im MZ-Gespräch vertrat Ordensschwester Alessandra (67) von den Armen Schulschwestern eine Meinung, die alle 7000 Demonstranten teilten: „Die NPD vertritt Gewalt und ist gegen die Menschenrechte.“

„Ihr seid nicht christlich“, warf Maria Heinz von der Katholischen Jungen Gemeinde (BDKJ) bei ihrer Rede auf dem Neupfarrplatz dem NPD-Funktionär Willi Wiener und dessen Gesinnungsgenossen vor, die sich als Retter des christlichen Abendlands anpriesen. „Falsche Parolen und Hass“, so die Rednerin hätten keinen Platz in Regensburg.

Der evangelische Pfarrer Dr. Gustav Rosenstein (Religionen für den Frieden) freute sich in seiner Rede über die Anwesenheit so vieler „Bekenner“, die gegen Volksverhetzung aufträten. Irene Saalberg (Verdi-Bezirk Oberpfalz) rief den 7000 Demonstranten zu: „Wir lassen nicht zu, dass Nazis in Regensburg die Demokratie zerstören.“

Die Kundgebung gegen die Neonazis war gegen 13.50 Uhr beendet. Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, der Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller vertrat, sagte, er sei „unglaublich stolz“, dass so viele junge Leute gekommen seien. Ähnlich äußerten sich die Bürgermeister Gerhard Weber und Joachim Wolbergs sowie Dekan Eckhard Herrmann. Letzterer sagte wörtlich: „Ich bin sehr froh über das deutliche Bekenntnis für ein weltoffenes Regensburg.“ OB Hans Schaidinger warf den NPD’lern „unglaubliche Heuchelei“ vor, wenn sie sich zu „Rettern des Abendlands“ machten.

Der NPD-Aufzug begann am „Schwammerl“ in der Nähe des Hauptbahnhofs verspätet um 15.40 Uhr und nicht, so geplant, um 14.30 Uhr. Ziel war der Zieroldsplatz in der Altstadt mit der Statue von Don Juan D’Austria, dem Sieger der Seeschlacht von Lepanto; am 7. Oktober 1571 besiegte der Admiral die türkische Flotte. Willi Wiener und seine Anhänger erreichten aber nicht das Ziel. Grund: 400 bis 500 Autonome bzw. Linke, Antifa-Vertreter und Jugendliche zwangen die „Rechten“ u.a. durch Sitzblockaden, von der ursprünglich geplanten Route abzurücken.

Die Polizei zeigte am Samstag massive Präsenz, auch am Himmel per Polizeihubschrauber. Sie war aber nicht bereit, die Sitzblockaden in der Oberen Bachgasse und dann auch in der Keplerstraße mit Gewalt zu räumen. Den Einsatz leiteten Polizeipräsident Rudolf Kraus und sein „Vize“ Michael Liegl. Vorzeitig gegen 18 Uhr beendete NPD-Funktionär Wiener den Demonstrationszug in der Keplerstraße am Eisernen Steg. Er polemisierte u.a. gegen OB Hans Schaidinger und Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller.

Starke Polizeikräfte hatten den Aufzug der NPD ständig begleitet und mit Erfolg verhindert, dass „Linke“ auf „Rechte“ treffen und sich dann blutig schlagen. Am Abend zog Sprecher Rebele dieses Fazit: „Es hat keine Verletzten gegeben, das ist das Wichtigste.“ Er sprach ferner von mehreren beschädigten Polizeiautos, von einem ausgebrannten Papiercontainer in der Obermünsterstraße und von 17 Festnahmen.

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