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Kirche

Regensburg setzt Papst ein neues Denkmal

OB Wolbergs will Benedikt XVI. an prominenter Stelle verewigen. Die CSU ist erfreut. Grüne und Linke sehen keinen Bedarf.
Von Micha Matthes, MZ

  • 2006 besuchte Benedikt XVI. seine Heimat Bayern. Tausende von Menschen verfolgten auf dem Islingerfeld in Regensburg die Papstmesse. Foto: dpa
  • In Marktl steht das Geburtshaus Joseph Ratzingers, wo der kleine Joseph Alois am 16. April 1927 geboren wurde. Das Haus versteht sich heute als Begegnungsstätte, enthält aber auch ein Museum, das Ratzingers Lebensweg nachzeichnet. Vor dem Haus steht die mehr als vier Meter hohe Benediktsäule. Foto: Inn-Salzach-Tourismus

Regensburg.Ein 16 Meter hohes Stahlkreuz auf dem Islingerfeld, eine Bronzeplatte im Dom, eine Tafel am Wohnhaus Georg Ratzingers in Pentling und eine Büste im Verwaltungstrakt der Uni Regensburg: Das alles ist Armin Gugau noch zu wenig. Es sei beschämend, wie Regensburg bislang an den emeritierten Papst Benedikt XVI. erinnert, sagt er. Zumal sich 2016 der Papstbesuch in Regensburg zum zehnten Mal jährt. Außerdem habe kein anderer Regensburger je eine solche Bekanntheit erreicht. Gugau fordert daher eine weitere Benedikt-Büste für Regensburg – und zwar an zentraler Stelle im öffentlichen Raum. Und obwohl andere Stadträte darin überhaupt keine Notwendigkeit nicht sehen, scheinen die Pläne für ein solches Denkmal schon weit vorangeschritten zu sein.

Die Idee ist nicht neu. Bereits im Jahr 2012 diskutierte der Kulturausschuss den Vorschlag, vor dem Westportal des Doms einen 2,5-Meter-großen Fischerring für Benedikt XVI. zu installieren. Schon damals kamen die Stadträte jedoch auf keinen gemeinsamen Nenner.

Traunstein hat seit 2007 eine Bronzebüste vor der Kirche St. Oswald. Anfang März hatten Unbekannte die Büste rosa beschmiert. Der spätere Kardinal und Papst Joseph Ratzinger ging in Traunstein zur Schule. Zusammen mit seinem Bruder Georg feierte er in St. Oswald 1951 seine erste Messe als Priester.
Traunstein hat seit 2007 eine Bronzebüste vor der Kirche St. Oswald. Anfang März hatten Unbekannte die Büste rosa beschmiert. Der spätere Kardinal und Papst Joseph Ratzinger ging in Traunstein zur Schule. Zusammen mit seinem Bruder Georg feierte er in St. Oswald 1951 seine erste Messe als Priester. Foto: Johann Brunner

Danach flachte die Denkmaldebatte wieder ab. Bis die CSU im September 2014 einen weiteren Versuch startete. Im Kulturausschuss wurde die Entscheidung dann abermals vertagt, weil der Oberbürgermeister noch Rücksprache mit dem Bischof halten wollte. In einem Brief an den OB hakten die drei CSU-Stadträte Dr. Armin Gugau, Hans Renter und Dagmar Schmidl nun erneut nach. Und jetzt kommt der Stein tatsächlich ins Rollen.

Standort muss noch geklärt werden

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Joachim Wolbergs, dass die Planung für ein Denkmal schon weit vorangeschritten sei. „Wir sind im Gespräch mit der Diözese und haben einige Ideen dafür. Jetzt müssen wir nur noch den Standort klären.“ Wolbergs selbst wünsche sich das Denkmal auch sehr. „Wenn es irgendwie geht, will ich es noch heuer realisieren“, sagt er. „Und wenn wir so etwas machen, dann machen wir es natürlich an prominenter Stelle.“ Details will Wolbergs noch nicht verraten. Nur, dass es wohl keine Büste wird, gibt er preis. Das Denkmal oder Kunstwerk werde in Zusammenarbeit mit der Diözese entstehen. „Bei der Finanzierung gibt es überhaupt keine Probleme“, sagt Wolbergs. „Es geht also nur noch um Abwicklungsfragen.“

Der 248 Kilometer lange Benedikt-Pilgerweg verbindet eine Reihe von Städten in Südbayern. Er startet in Altötting und führt auch am Chiemsee entlang. Der Weg verknüpft Stationen im Leben von Joseph Ratzinger – von seinem Geburtsort Marktl bis zu seinen Wohnorten Tittmoning, Aschau und Traunstein.
Der 248 Kilometer lange Benedikt-Pilgerweg verbindet eine Reihe von Städten in Südbayern. Er startet in Altötting und führt auch am Chiemsee entlang. Der Weg verknüpft Stationen im Leben von Joseph Ratzinger – von seinem Geburtsort Marktl bis zu seinen Wohnorten Tittmoning, Aschau und Traunstein. Foto: Inn-Salzach-Tourismus

Zunächst müsse jetzt erst einmal eine Entscheidung seitens der Stadt getroffen werden, sagt Clemens Neck, Leiter der Presse- und Medienabteilung im Bistum Regensburg. „Wir begrüßen es natürlich, wenn diesem wichtigen Bürger in Regensburg in angemessener Weise gedacht wird.“ Das Bistum halte dies aber für eine Entscheidung, die die Stadt und ihr Rat zu treffen haben. „Wir wollen uns da nicht einmischen“, sagt Neck.

Die ÖDP steht einem neuen Denkmal noch offen gegenüber. Der Grünen-Stadträtin Margit Kunc hingegen erschließt sich nicht, „warum die CSU unbedingt ein weiteres Denkmal im öffentlichen Raum bauen will.“ Es gibt eine Platte im Dom, die an Benedikt XVI. erinnert. „Das ist völlig ausreichend“, sagt Kunc. Man sollte nicht überall in der Stadt Büsten aufstellen, findet sie. „Wenn überhaupt, gehört ein solches Denkmal schon dahin, wo der Papst quasi beheimatet ist – nämlich in den Dom.“

Das Freiburger Münster ziert ein Bronzerelief, das Benedikt XVI. zeigt und von dem Künstler Wolfgang Eckert aus Furtwangen gestaltet wurde. Der damalige Erzbischof Dr. Robert Zollitsch hatte das Relief anlässlich des Papstbesuches von Benedikt XVI. in Freiburg in Auftrag gegeben.
Das Freiburger Münster ziert ein Bronzerelief, das Benedikt XVI. zeigt und von dem Künstler Wolfgang Eckert aus Furtwangen gestaltet wurde. Der damalige Erzbischof Dr. Robert Zollitsch hatte das Relief anlässlich des Papstbesuches von Benedikt XVI. in Freiburg in Auftrag gegeben. Foto: Erzbistum Freiburg

Eine Büste in Traunstein könnte als Vorbild für das Regensburger Denkmal dienen, wenn es nach den Vorstellungen von Gugau geht. Es werde auch sicher kein Riesendenkmal, das Parkplätze wegnimmt. Den geeigneten Ort für eine ungefähr 1,80 Meter hohe Stele mit der Büste von Benedikt XVI. sieht Gugau gerade außerhalb des Doms. „Sie muss im öffentlichen Raum errichtet werden und auch für Nichtgläubige zugänglich sein“, sagt er. „Schließlich ist Josef Ratzinger nicht nur emeritierter Papst, sondern auch eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens: Ein herausragender Wissenschaftler, ein Jahrhunderttheologe.“

Als Ort hält Gugau den Bismarckplatz oder das Umfeld der Dominikanerkirche für geeignet. Er rechnet mit Kosten von rund 20 000 Euro. „Der Oberbürgermeister zeigt wirklich Größe, wenn er sich diesem Antrag nun annimmt – und seine Entscheidung dabei nicht davon abhängig macht, wer ihn gestellt hat“, sagt Stadtrat Gugau.

Linke verwehrt sich gegen Büste

2006 besuchte Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. Auf dem Oberislinger Feld in Regensburg begrüßte er tausende Gläubige.
2006 besuchte Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. Auf dem Oberislinger Feld in Regensburg begrüßte er tausende Gläubige. Foto: dpa

Gegen eine mit Steuergeldern finanzierte Büste an einer zentralen Stelle wie dem Neupfarrplatz verwehrt sich Richard Spieß, Stadtrat der Linken, vehement. „Ein weiteres Papst-Denkmal ist sicher nicht im Sinne der Allgemeinheit“, sagt Spieß. „Wir leben in einem säkularen Staat.“ Er könne nicht verstehen, inwiefern es im Interesse der Allgemeinheit sein könne, ein solches Denkmal zu errichten. „Wenn sich gläubige CSU-Politiker irgendwo so ein Denkmal hinstellen wollen, dann können sie das gerne tun – aber bitte auf Privatgrund.“

Tafeln, Denkmäler und sein Geburtshaus – Papst Benedikt XVI. hat in Bayern auf vielfältige Weise seine Spuren hinterlassen. In den Orten, mit denen der am engsten verbunden sind, gibt es mehrere Denkmäler. „Im Vergleich zu anderen Städten ist Regensburg da schon viel zu spät dran“, findet Gugau.

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