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Kriminalität

Regensburg: Vier Übergriffe auf Polizei

Nach vier Angriffen in einer Nacht liegen zwei Beamte im Krankenhaus. Einem 17-Jährigen wird versuchte Tötung vorgeworfen.
von Heike Haala, MZ

  • Dramatisches Wochenende für die Regensburger Polizei: Innerhalb weniger Stunden gab es vier Angriffe auf ihre Kollegen. Symbolbild: Bastian Winter
  • Mehrere Streifenwagen mussten bei einem Einsatz wegen Ruhestörung ausrücken. Symbolbild: Bastian Winter

Regensburg.Dieses Wochenende wird den Regensburger Polizisten noch lange in Erinnerung bleiben – und zwar in sehr schlechter. Im gesamten Stadtgebiet wurden in der Nacht auf Sonntag zwischen 21 und 4 Uhr mehrere Beamte bei vier Angriffen gegen sie verletzt. Das geht aus Pressemitteilungen der Polizei hervor.

Ein Beamter liegt mit einer Gehirnerschütterung und einer Platzwunde über dem Auge im Krankenhaus, ein weiterer mit einem gebrochenen Knöchel. Er wurde am Sonntag operiert. Dagegen hat es die Polizisten, die sich bei einem Angriff aufschürften, vergleichsweise undramatisch erwischt. Insgesamt nahmen die Regensburger Polizisten in dieser Nacht sechs Angreifer fest. Sie kamen zunächst in Gewahrsam. Gegen einen von ihnen lag bereits ein Haftbefehl vor. Bei einem Weiteren musste die Staatsanwaltschaft laut Polizei klären, ob dessen Tritte gegen den Kopf eines Polizisten als versuchte Tötung einzuordnen ist. Der Ermittlungsrichter erließ am Sonntag wegen des Vorwurfs eines versuchten Tötungsdelikts Untersuchungshaftbefehl. Der 17-Jährige wurde in eine JVA verbracht.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Die heftigen Angriffe vom Wochenende schockieren. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen derzeit auf Hochtouren.

Tritt gegen den Kopf

Was ist passiert? Am Samstag gegen 21 Uhr kontrollierten Polizisten drei Jugendliche vor den Arcaden. Eine Gruppe von etwa 15 Jugendlichen protestierte lautstark gegen die Kontrolle und störte die Polizisten. Dann zog diese Gruppe grölend und schreiend weiter in Richtung Innenstadt. Dabei waren sie so auffällig, dass die Polizisten sie auch kontrollieren wollten. Das ließen einige Jugendliche nicht zu. Laut Polizei kam es zu einem Handgemenge, bei dem ein 17-jähriger Afghane einen Polizisten gegen den Körper trat, während der Hauptaggressor, ein ebenfalls 17-Jähriger afghanischer Herkunft, den auf dem Boden liegenden Polizisten mehrfach gegen den Kopf trat. Der 26-jährige Beamte erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Schädelprellung und eine Platzwunde und wird im Krankenhaus stationär behandelt. Schon jetzt ist klar, dass sich diese Jugendlichen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, wegen gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten müssen. Hinzu kommen laut Dietmar Winterberg, Sprecher am Polizeipräsidium, weitere Straftaten und Delikte, die jetzt geahndet werden. Einer der jungen Männer wurde wieder aus dem Gewahrsam entlassen, gegen den anderen erging Haftbefehl.

Einige Stunden später eskalierte ein Einsatz, zu dem die Beamten der (PI) Polizeiinspektion Süd gegen 1 Uhr wegen einer Ruhestörung in der Altstadt gerufen wurden. Der Gastgeber der Privatparty weigerte sich gegen die Kontrolle seiner Personalien. Er zeigte sich laut Polizei unbelehrbar, wollte sich losreißen und schubste einen Beamten zu Boden. Die Partygäste wollten die Festnahme verhindern, sie übergossen die Polizisten mit Bier und beleidigten sie. Ein Kollege brach sich durch den Widerstand der Kontrollierten den Knöchel. Auch in diesem Fall nahm die Polizei die beiden deutschen Haupttäter in Gewahrsam. Zuerst mussten sie allerdings Verstärkung ordern. Beim Gastgeber der Party fanden sie eine geringe Menge Betäubungsmittel, weswegen nun ermittelt wird. Ermittlungen gibt es zudem wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, tätlicher Angriffe auf Polizisten und versuchter Gefangenenbefreiung.

Gefährlich für die Beamten wurde es später in der Nacht noch einmal. Gegen 4 Uhr wollte ein 33-jähriger Deutsch-Iraner in Leoprechting mit einer 18 Zentimeter langen Schraube auf Polizisten einstechen. Der Angreifer hatte sie wegen einer Schlägerei in seiner Wohnung gerufen. Sie überwältigten ihn trotz massiven Widerstands. Die Ermittler vermuten, dass der Mann unter dem Einfluss von Drogen stand und ausrastete – schon, weil sie beim Durchsuchen seiner Wohnung eine Cannabis-Plantage aushoben. Auch dieser Mann kam in Haft, ihn erwarten viele Anzeigen.

Viel zu tun für die Ermittler

Schürfwunden zogen sich Beamten zu, als sie gegen 22.30 Uhr in der Frankenstraße einen deutschen Mann festnehmen wollten, gegen den ein Haftbefehl vorlag. Er verletzte die Polizisten. Zudem hatte er Betäubungsmittel und ein Messer dabei – verbotene Gegenstände. Jetzt sitzt er die Haft ab. Wegen der Aktion am Samstag kommen wohl weitere Verurteilungen hinzu, sagt Horst Steininger von der PI Nord.

Polizeisprecher Winterberg bezeichnet die Nacht auf Sonntag als dramatisch. „Derart heftige Wochenenden wie das vergangene kommen in Regensburg Gott sei Dank nicht oft vor“, sagt er. Angriffe gegen Polizisten wühlen in stets auf. Auch Günter Grätz von der PI Süd lassen diese Attacken nicht kalt. „So ein Wochenende hatten wir schon ewig nicht mehr“, sagt er. Grätz kann sich nicht erklären, wieso sich die Gewalt gegen die Polizisten derart massiv häufte. „Einen Grund gibt es dafür nicht“, sagt er.

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