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Demografie

Regensburg: „Zweitjüngste“ Stadt Bayerns

Freising hat einen Altersschnitt von 40,6 Jahren. In der Domstadt liegt er bei 41,2. Drei Bezirke sind hier besonders jung.
Von Micha Matthes, MZ

Junge Menschen genießen am Dom die Sonne. Derzeit leben in Regensburg rund 53 000 Menschen in der Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren. Fotos: dpa/wo
Junge Menschen genießen am Dom die Sonne. Derzeit leben in Regensburg rund 53 000 Menschen in der Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren. Fotos: dpa/wo

Regensburg.Für junge Menschen steht die Domstadt hoch im Kurs. Weil sich besonders viele von ihnen hier niederlassen, sinkt der Altersdurchschnitt kontinuierlich. Unterdessen ist Regensburg die „zweitjüngste“ Stadt in Bayern. Im Freistaat hat sonst nur noch Freising eine jüngere Bevölkerungsstruktur, wie aus einer in dieser Woche veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervorgeht. Danach erreicht die Stadt einen Durchschnitt von 40,6 Jahren. An zweiter Stelle stehen im bayernweiten Vergleich Regensburg und Erlangen mit je 41,2. Dann folgt Eichstätt mit 41,4 Jahren.

Nach Freising zögen besonders viele junge Menschen, weil sie in der Boomtown München keine Wohnung bekämen, sagt Antonia Milbert von dem Institut. Grundsätzlich seien Großstädte für junge Menschen sehr attraktiv. „Wenn diese Städte – so wie auch Regensburg – eine Uni oder FH haben, wirtschaftlich stark sind und der Arbeitsmarkt gute Aussichten bietet, ziehen sie besonders viele jüngere Erwachsene an, die dann auch Familien gründen.“

Generell habe sich die Alterung der Bevölkerung seit den Jahren 2012/2013 etwas verlangsamt, sagt Milbert vom BBSR. Einerseits spiele die Arbeitsmigration bzw. die Zuwanderung von jungen Flüchtlingen für die demografische Struktur eine wichtige Rolle. Andererseits gebe es auch ein Geburtenhoch. Gleichzeitig hätten aber die regionalen Unterschiede in Bezug auf den Altersdurchschnitt zugenommen. „Viele Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren wandern von strukturschwachen in strukturstarke Gebiete ab. Deshalb altern bestimmte Regionen in Deutschland langsamer, andere hingegen sehr schnell.“

Engpass bei Kinderbetreuung

Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, bestätigt, „dass Regensburg in den vergangenen Jahren deutlich jünger geworden ist“. Vor 30 Jahren habe es noch zu den Städten mit dem höchsten Altersdurchschnitt in Bayern gehört. Heute ist Regensburg eine sogenannte Schwarmstadt. Durch Zuzugsbewegungen verjüngt sich die Altersstruktur deutlich. „Das hängt in erster Linie mit den Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen zusammen“, sagt Sedlmeier. Die Menschen können hier eine Ausbildung machen und finden anschließend auch einen adäquaten Arbeitsplatz vor. In der Anfangsphase der Universität sei dies noch anders gewesen. War bis 2010 noch Burgweinting der „jüngste Stadtteil“ von Regensburg, sind es 2016 nun die Unterbezirke Universität, Ganghofersiedlung/Neuprüll und Kasernenviertel/Benzstraße.

Für die Stadt bedeutet diese Verjüngung, dass sie für Kinder und Jugendliche eine entsprechende Infrastruktur bereithalten muss. „Wir sind hier eigentlich schon recht gut dabei. Allerdings bringt uns die zusätzliche Entwicklung der letzten Jahre mit dem Zuzug von Flüchtlingen in ein paar Teilbereichen etwas in Verzug“, sagt Sedlmeier. Im September könne es heuer einen Engpass bei den Kinderbetreuungseinrichtungen geben. Die Grundschule im Inneren Westen werde hingegen ab 2019/2020 ein zusätzliches Angebot für die steigende Bevölkerungszahl zur Verfügung stellen.

Die Studenten machen einen erheblichen Teil der jüngeren Bevölkerung in Regensburg aus. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren fast permanent gestiegen. Inzwischen liegt sie ungefähr bei 32 000. Insgesamt leben derzeit rund 164 000 Menschen in der Domstadt. Allein im vergangenen Jahr ist die Stadt um rund 3500 Einwohner gewachsen. Zugezogen sind neben Fachkräften für die ansässigen Global Player und vielen Studierenden zwischen 18 und 24 Jahren auch Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern wie Syrien sowie Rumänen und Bulgaren auf der Suche nach Jobs. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lag 2015 bei einem Rekordhoch von 113 300.

Städte reagieren auf Struktur

Einige Städte stellt die Altersstruktur vor große Herausforderungen. So verspüre etwa auch München einen hohen Druck, noch mehr Kindertageseinreichtungen zu errichten, sagt Milbert vom BBSR. „Andere Städte, die vor allem von Abwanderung betroffen sind, haben hingegen das Problem, dass sie genau diese Einrichtungen schließen müssen und stattdessen eine bessere Infrastruktur für ältere Menschen aufbauen müssen.“ Für Regensburg sei es aber wohl erfreulich, dass eher für jüngere Bürger Nachholbedarf bestehe, sagt Milbert.

Bundesweit ist Freiburg der BBSR-Studie zufolge mit einem Altersschnitt von etwa 39,8 Jahren die Stadt mit den jüngsten Einwohnern Deutschlands. Die ältesten Deutschen leben den Angaben zufolge in Dessau in Sachsen-Anhalt. Hier beträgt das Durchschnittsalter 49,5 Jahre.

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