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Polizei

Regensburger Ehepaar aus Flut gerettet

185 Einsätze fuhr die Feuerwehr in der Region. In einer Unterführung versanken zwei Autos. Ein Ersthelfer reagierte schnell.
Von Christof Seidl und Micha Matthes, MZ

  • Die Bahnunterführung der Lilienthalstraße war am Dienstagabend nicht mehr befahrbar. Zwei Autos blieben in den Fluten stecken. Ein Ersthelfer befreite ein Rentnerpaar aus den Fluten. Foto: Seidl
  • Das Wasser stand noch eine Stunde nach dem Beginn des Gewitters rund einen halben Meter hoch in der Unterführung. Foto: Ch. Seidl

Regensburg.Zu einer Vielzahl an Einsätzen hat ein Gewitter geführt, das am Dienstag gegen 18 Uhr über Regensburg hinweggezogen ist. An vielen Orten in der Stadt waren Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Sirene unterwegs.

Besonders schlimm hatte es die Bahnunterführung der vierspurigen Lilienthalstraße im Stadtwesten erwischt. Die Unterführung stand komplett unter Wasser, zwei Autos blieben in den Fluten stecken. In einem der eingeschlossenen Fahrzeuge saß ein Rentnerehepaar, das von den Fluten überrascht worden war.

Ersthelfer reagierte sofort

Ein Ersthelfer reagierte jedoch schnell und befreite das Ehepaar aus dem Fahrzeug. „Ich sah, dass da noch ein älteres Paar in einem der Autos saß“, sagte der Ersthelfer. „Die waren schockiert und ich schrie nur ,raus, raus, raus‘. Ich hab einfach reagiert, hab nicht gewartet, bin zum Auto hin und hab geholfen. Man hat das auch oben bei den Gullis sehen können: Das Wasser kam wie in einer Fontäne – einen Meter hoch und es kam schnell. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Während der Rettungsaktion wurde der Audi des Ersthelfers ebenfalls von den Fluten mitgerissen. Beide Fahrzeuge schwammen nach wenigen Minuten in der überfluteten Bahnunterführung.

„Wir sind während dieses riesigen Schauers da reingefahren, vor uns stand ein Auto, wir konnten nicht weiter“, sagte der Rentner, der im Auto von den Wassermassen eingeschlossen worden war. „Wir haben dann – etwas zu spät – reagiert und schon sind die Sturzfluten gekommen. Die Bäche waren so stark, dass in fünf Minuten das Wasser von 20 Zentimeter auf 80 Zentimeter gestiegen war. Das Wasser ging uns bis zu Burst als wir dann mit voller Kraft und mit beiden Beinen die Türen aufgestoßen haben, um da rauszukommen.“ Das Rentnerehepaar sei dann herausgewatet. Ihr Auto habe zu diesem Zeitpunkt schon geschwommen. Erst nach Stunden sei das Wasser dann wieder merklich gesunken. „Das Wasser läuft nicht ab, man sieht es ja jetzt noch. Es ist alles so dermaßen verstopft, es ist kein Gulli frei“, sagte der Rentner unmittelbar nach dem Zwischenfall. Ein Abschleppdienst zog beide Autos schließlich mit einem Seil aus der Unterführung. An beiden Fahrzeugen entstand Totalschaden.

Selbst eine Stunde nach dem Gewitter stand das Wasser in der Lilienthalstraße noch rund einen halben Meter hoch auf der Fahrbahn. Augenzeugen berichteten, der Wasserspiegel sei zeitweise noch deutlich höher gestiegen. Die Fluten seien förmlich aus den Gullideckeln geschossen.

Über der Stadt stand nach dem Gewitter ein riesiger Regenbogen.
Über der Stadt stand nach dem Gewitter ein riesiger Regenbogen. Foto: Ch. Seidl

Als die Feuerwehr dann eintraf, waren alle Personen bereits in Sicherheit. „Als Feuerwehr hatten wir den Auftrag die Unterführung leer zu pumpen und für den Verkehr wieder freizumachen. Zur Hauptzeit waren wir mit 27 Mann und mit drei Löschfahrzeugen im Einsatz“, sagte Markus Frank; Einsatzleiter der Feuerwehr Burgweinting. Mit jeweils einer Saugleitung seien 2000 Liter pro Minute in die Kanalisation zurückgepumpt worden. Kurz nach 1 Uhr Nachts konnten auch die letzten Kräfte den Einsatz in Regensburg beenden.

A93-Tunnel Prüfening war gesperrt

Auch im Tunnel Prüfening der Autobahn A93 sorgten die heftigen Niederschläge für so große Probleme, dass die Röhre in Fahrtrichtung Nürnberg für etwa eine halbe Stunde gesperrt werden musste. Anschließend wurde zunächst nur eine Fahrspur freigegeben. Inzwischen ist der Tunnel nach Angaben der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums der Oberpfalz wieder frei befahrbar.

Auch im Landkreis Regensburg rückten die Feuerwehren zu etlichen Einsätzen aus. Berichte über größere Schäden liegen in diesem Bereich bisher nicht vor.

 Die Bahnunterführung der Lilienthalstraße war am Dienstagabend nicht mehr befahrbar. Zwei Autos blieben in den Fluten stecken.
Die Bahnunterführung der Lilienthalstraße war am Dienstagabend nicht mehr befahrbar. Zwei Autos blieben in den Fluten stecken. Foto: Ch. Seidl

Am Mittwochmorgen meldete das Amt für Brand- und Katastrophenschutz in der Stadt Regensburg 140 und im Landkreis Regensburg 45 unwetterbedingte Einsätze. „Es ist zu erwarten, dass die Zahlen noch steigen werden, da weitere Einsätze nachträglich erfasst werden müssen“, heißt es in der Mitteilung. Der Stadtosten sei weitestgehend vom Unwetter verschont geblieben. Freiwillige Feuerwehren des Landkreises hätten an Schadensstellen in der Stadt unterstützt. Rund 60 Einsätze haben die Freiwilligen Feuerwehren Grünthal, Hauzenstein, Lappersdorf, Laub, Obertraubling, Regendorf und Tegernheim abgearbeitet. „Somit konnten innerhalb von zwei Stunden bereits 70 Einsätze abgewickelt werden“, heißt es in dem Bericht. Größere Einsatzstellen wie etwa das Auspumpen von vollgelaufenen Tiefgaragen hätten sich aber über einen längeren Zeitraum hingezogen.

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