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Jubiläum

Regensburger Engel Apotheke wird 760

Die Engel Apotheke ist vermutlich eine der ersten Apotheken Deutschlands. Das Jubiläum wird groß gefeiert.
Von Sarah Höger

Inhaberin Antje Bullmann ist stolz auf die lange Tradition ihrer Apotheke. Foto: Sarah Höger
Inhaberin Antje Bullmann ist stolz auf die lange Tradition ihrer Apotheke. Foto: Sarah Höger

Regensburg.Seit 760 Jahren ist die Engel Apotheke Anlaufstelle für Kranke in der Regensburger Altstadt. Malerisch liegt sie an einer Ecke des Neupfarrplatzes in Richtung Tändlergasse. „Apotheke seit 1259“ steht auf der Tafel, die außen an dem Gebäude befestigt ist.

Damit ist sie die älteste in Regensburg und wohl die zweitälteste in ganz Deutschland. Älter soll laut Forschung nur die Löwen Apotheke in Trier sein. Darauf ist das Team der Engel Apotheke mächtig stolz – und feiert dieses Jahr den runden „Geburtstag“: „Einen genauen Tag gibt es ja zumindest urkundlich nicht, nachgewiesen ist nur das Jahr 1259 als Entstehungsjahr. Deshalb feiern wir im Oktober eine ganze Woche lang ab 7. Oktober“, erklärt Inhaberin Antje Bullmann.

Die Geschichte der Apotheke ist eng mit der Stadtgeschichte Regensburgs verwoben. Das Entstehungsjahr der Apotheke fällt nicht zufällig in das 13. Jahrhundert: Der Staufer Friedrich II., zu der Zeit römisch-deutscher Kaiser, galt als Fan der Wissenschaft und der Medizin, was sich 1241 in einem für die Geschichte der Medizin bahnbrechenden Edikt niederschlug: Er trennte den Arztberuf von dem des Apothekers per Gesetz, von nun an dürften Ärzte keine Arzneien mehr herstellen oder verkaufen. Dieses Privileg war nunmehr den Apothekern allein vorbehalten.

Peisinger wohl erster Apotheker

Erster Apotheker in Regensburg wurde nur wenig später vermutlich Heinrich Peisinger, eine eindeutige Zuweisung lässt die Quellenlage nicht zu. Damals war der Eingang wohl noch an der Wahlenstraße.

In jener Zeit, als reiche Patrizierfamilien in Regensburg lebten, hatten Apotheker jedoch noch nicht das gleiche Berufsbild wie heute: „Damals waren Apotheker vor allem auch Händler, die neben Arzneien oder Salben seltene Produkte wie wertvolle Gewürze verkauften“, erklärt Bullmann.

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In Regensburg, an der damals wichtigen Handelsroute Donau gelegen, ist deshalb nicht zufällig die zweitälteste Apotheke in Deutschland entstanden. Im 16. Jahrhundert brannte das Gebäude mit der Apotheke ab, als der Stadtrat im Jahr 1519 die Vertreibung der Juden aus der Stadt anordnete und das Judenviertel daraufhin zerstört wurde. Aufgebaut wurde es 1563 vom Straubinger Ulrich Schmidl, an den eine Tafel neben dem Eingang der Apotheke erinnert. Ein Jahr zuvor war er nach Regensburg gekommen, zuvor hatte er ein abenteuerliches Leben am anderen Ende der Welt geführt: Er entdeckte mit den Konquistadoren das heutige Argentinien und war an der Gründung von Buenos Aires beteiligt.

Geschichte lässt sich nicht mehr vollständig nachvollziehen

Bullmann räumt im Gespräch ein, dass sich die frühe Geschichte der Apotheke nicht mehr haargenau nachvollziehen lässt. Gesichert sei jedoch, dass die Apotheke seit dem 18. Jahrhundert den Namen Engel trägt. Prägend für den weiteren Verlauf der Geschichte der Einrichtung war die Familie Sonntag, die die Apotheke ab 1891 über drei Generationen hinweg führte. Über die kann Büllmann mehr Auskunft geben: „Johannes Sonntag hat 1923 das ISO-Werk für die Herstellung von Naturarzneien gegründet, er war ein Pionier in Sachen Naturheilkunde“. Der letzte Inhaber der Familie Sonntag, Johannes Sonntags Enkel, starb jedoch kinderlos, so dass die Apotheke 1989 verkauft werden musste.

Gitter wurde neue Inhaberin

Neue Inhaberin wurde Bullmanns Vorgängerin Christine Gitter. Sie eröffnete die Apotheke nach einer kurzen Umbauphase neu, aus dem alten Namen „Homöopathische Apotheke zum Goldenen Engel“ wurde die Engel Apotheke. Bullmann übernahm 2015. „Wir legen noch immer einen Schwerpunkt auf die Naturheilkunde, außerdem haben wir einen Baby- und Familienschwerpunkt. Klassische Beratungsthemen, die Spaß machen.“

Geschichte der Apotheke

  • Gründung:

    1259 wird die erste Apotheke in Regensburg gegründet, wohl von Heinrich Peisinger.

  • Zerstörung:

    1519 werden die Juden aus der Stadt vertrieben, das Gebäude wird zerstört.

  • Wiederaufbau:

    1563 erfolgte Wiederaufbau durch Ulrich Schmidl.

  • Übernahme:

    1891 übernahm Johannes Sonntag die Apotheke für drei Generationen.

Für die Zukunft der Apothekerzunft wünscht sich Antje Bullmann weiter, dass die Beratungen in einer Apotheke von Seiten der Krankenkassen finanziell mehr wertgeschätzt wird. „Abgerechnet wird bisher nur nach Packung, obwohl die Beratungsfunktion ja auch etwas wert ist“, sagt Bullmann.

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