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Zivilcourage

Regensburger Gastroinitiative sahnt Preis ab

Der Josef-Felder-Preis der SPD in Bayern geht in diesem Jahr an „Keine Bedienung für Nazis“. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird im Sommer verliehen.

Ludwig Simek präsentiert vor einem Lokal in der Regensburger Altstadt (Oberpfalz) einen Aufkleber mit der Aufschrift „Rassisten werden hier nicht bedient!“ Foto: dpa

Regensburg. Die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis – Regensburger Gastronomen zeigen Zivilcourage“ wurde mit dem Josef-Felder-Preis der SPD in Bayern ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Gegründet wurde die Initiative 2010: Bei einem Überfall auf ein Regensburger Café wurde ein Barkeeper von Nazis krankenhausreif geschlagen und die Einrichtung demoliert. Zwei Wochen vorher hatte sich der Barkeeper couragiert vor eine farbige Mutter mit Kind gestellt, die von einigen aus dieser Angreifergruppe beleidigt worden war.

Für Ludwig Simek, den Leiter der Initiative, bedeutet der Preis eine große Ehre, das sagt er am Telefon zur MZ. Vor allem, wenn er sich die bisherigen Preisträger ansieht. Damit kann die Initiative in einem Atemzug mit Aida, einer antifaschistischen Archivstelle, genannt werden. Seine Initiative wurde vergangenes Jahr mit dem Luther-Preis ausgezeichnet. Dieser Preis hat für Simek jedoch einen völlig anderen Charakter. Er sei für Gruppen gestiftet, die sich ausschließlich gegen rechts engagieren und hätte einen starken regionalen Bezug. Mit dem Geld kann die Initiative weitere Broschüren drucken lassen und Fahrten finanzieren, um andere Aktionen zu unterstützen.

Der Barkeeper konnte in einen Imbissladen fliehen, doch die Nazis starteten eine Hetzjagd gegen ihn und schlugen die Tür des Imbissladens kaputt. In einem anderen Lokal der Innenstadt bedrohten sie das Personal, weil sie aufgefordert wurden, das Haus zu verlassen. Außerdem schlugen sie auf ein fahrendes Auto ein, bedrohten den Fahrer und bespuckten und beleidigten die Gäste mehrerer Lokale.

Seit der Gründung haben sich mehr als 160 Lokale dieser Initiative angeschlossen und es wurde eine Informationsbroschüre über die Naziszene in Regensburg erstellt. Darin werden Antworten gegeben auf die Fragen: Woran erkennt man Nazis? Was kann ich als Gastronomiebetreiber tun, um ungewollten Einmietungen von Rechten entgegenzuwirken, ohne mich schadenersatzpflichtig zu machen? Wie sollen mein Personal und ich uns verhalten, wenn bereits Rechtsextreme in mein Lokal eingedrungen sind? Inzwischen wurde diese Initiative Vorbild für ähnliche Aktionen in einer Reihe von bayerischen Städten. Die Preisverleihung findet im Sommer in Regensburg statt.

Am Samstag jährt sich zum 80. Mal die Abstimmung über das Ermächtigungsgesetzes, mit dem die Nationalsozialisten 1933 das rechtstaatliche System der Weimarer Republik endgültig aushebelten. Nur die Sozialdemokraten stimmten damals gegen das Gesetz, das den Weg in eine verbrecherische Diktatur ebnete. Unter ihnen war der bayerische SPD-Abgeordnete Josef Felder, der dafür ins Konzentrationslager nach Dachau kam. Felder überlebte das Nazi-Regime und starb als letzter der mutigen Reichstagsabgeordneten im Jahr 2000 im Alter von 100 Jahren.

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