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Gesellschaft

Regensburger greifen im Tauschladen zu

Vor 100 Tagen hat die Transition-Bewegung ihr Geschäft in der Altstadt eröffnet. Die Idee, ohne Geld einzukaufen, trifft einen Nerv der Stadtbewohner.
Von Marion Koller, MZ

  • Der Pulli ist nicht schlecht: Kundinnen nehmen im Transitionladen die Ware unter die Lupe.Foto: Lex
  • Geschirr ist zu haben.
  • Auch Drinks gibt es.

Regensburg. Robert Eder aus dem Vorstand der Transition-Bewegung freut sich über den Erfolg des Tauschladens in der Steckgasse. „Es läuft hervorragend“, erzählt der Künstler. Hunderte von „Kunden“ bringen Kleidung, Bücher, Haushaltsartikel und mehr. Der Großteil geht auch nicht mit leeren Händen. Die Leute schauen sich selbst in dem liebevoll hergerichteten Laden um, probieren Winterpullover, schmökern kurz in Bücher rein.

In knapp drei Monaten hat sich die überzeugende Idee der Transition-Bewegung in der Altstadt etabliert. In vielen anderen Großstädten existieren die Umsonstläden, in denen man ohne Geld „einkauft“, schon länger. Die 60 Ehrenamtlichen von Transition Regensburg streben eine ökologische, nachhaltigere Gesellschaft an, die umsichtig mit Energie und weiteren Ressourcen umgeht. Dem schnellen Konsum ohne Rücksicht auf Mensch und Natur haben sie den Kampf angesagt.

Jeder Interessent kann gut erhaltene Gebrauchtwaren in das Geschäft bringen und sich selbst etwas aussuchen. Gegenwärtig benötigt die Transition-Bewegung besonders Werkzeug, einen Schrank, Dübel, Handfeger und einen Paravent für die Umkleide.

Doch wer in das Geschäft kommt, kann nicht immer volle Regale wie im Supermarkt erwarten. Je nach Spenderfrequenz und Nachfrage stapelt sich mal die Kleidung, mal erwartet die Kunden gähnende Leere. „Wir haben eine riesige Fluktuation“, erklärt der 37-jährige Eder. Ein bis zwei Tage später sehe es wieder ganz anders aus. Die Leute bringen „supercoole Klamotten“, Geschirr, Filme, Sachliteratur, Elektronik. „Wunderschöne Dinge, die ich noch nie gesehen habe“, sagt der Transition-Vertreter begeistert. Eder, der auch als Fotograf arbeitet, nützt manche der ausgefallenen Kleidungsstücke für Fotoshootings.

Die Transition-Idee ist in Regensburg angekommen. Das zeigen auch die regelmäßigen Besuche von Passanten im Laden. Mehrmals die Woche kommen Menschen vorbei, die einen kleinen Imbiss oder Getränke für die Helfer vorbeibringen. „Wir werden beinahe täglich darauf angesprochen, dass der Laden eine tolle Einrichtung für Regensburg ist“, schildert Zweiter Vorsitzender Robert Eder. Beim Geschäft und allen anderen Initiativen von Transition handelt es sich um Gemeinschaftswerke. Jeder kann sich einbringen: mit Gedanken, Zeit, Geld.

Die Miete des Geschäfts finanziert die Öko-Bewegung über derzeit 60 Patenschaften. 521 von monatlich 650 Euro werden damit gedeckt, für die fehlende Summe kommt Transition selbst auf. „Wir haben durch Tellerspenden ein Polster angesammelt“, erklärt Robert Eder. Tellerspenden, das sind Gelder, die die Kunden spontan geben.

Die Räume sollen auch ein Treffpunkt werden. Ein Repair-Café und eine Fahrradwerkstatt werden die Ehrenamtlichen noch einrichten. Eine Nähmaschine wurde angeschafft, mit der Hobbyschneider liegengebliebene Secondhand-Mode umarbeiten. Auf diese Weise entsteht selbst gemachte „Designer-Kleidung“. Upcycling nennt Transition das. Auch haben die Ehrenamtlichen vor, die Geschäftsräume abends zu vermieten. Inzwischen fragen immer mehr Gruppen an.

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