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Regensburger nimmt Trump aufs Korn

„Trump Dump“ – mit diesem Comedy-Musikclip über den baldigen US-Präsidenten sorgt ein Student jetzt für Wirbel im Netz.
Von Ramona Rangott

Das Video entspringt kompletter Eigenregie. Hier sehen wir Current selbst als Donald Trump (links) und eine Freundin von ihm, die seine Konkurrentin Hillary Clinton verkörpert (rechts). Foto: Steve Current.
Das Video entspringt kompletter Eigenregie. Hier sehen wir Current selbst als Donald Trump (links) und eine Freundin von ihm, die seine Konkurrentin Hillary Clinton verkörpert (rechts). Foto: Steve Current.

Regensburg.43000 Aufrufe auf Facebook – über diesen Social-Media-Erfolg freut sich der aus Regensburg stammende DJ Steve Current derzeit mit seinem Comedy-Video „Trump Dump“. In dem es, wie der klingende Titel vermuten lässt, um den designierten US-Präsidenten Donald Trump geht. Untermalt von knackigen House-Beats spazieren Donald Trump und Hillary Clinton in Lederhose und Dirndl durch die Münchner Innenstadt, lassen sich mit Passanten ablichten und kultivieren ihren Konkurrenzkampf mit etwas ungewöhnlicheren Mitteln. So wirft Trump „nasty woman“ Clinton am Ende des Videos kurzerhand in die Mülltonne.

Der Musiker Current, an der Münchner LMU Student des Bachelorstudiengangs Nordamerikastudien, bastelt in seinem Homestudio im Glockenbachviertel schon seit drei Jahren leidenschaftlich an neuen Beats. Doch erst im Jahr 2016 begann er, sein Hobby zu intensivieren. Dass eines seiner ersten „richtigen“ Projekte dann gleich eine breite Masse an Zuschauern erreichen würde, konnte er nicht ahnen. „Die eigentliche Melodie spukte schon länger in meinem Kopf herum, denn zunächst wollte ich einfach nur einen normalen House-Track produzieren“, erklärt der Student. „Zu dieser Zeit liefen abends regelmäßig die TV-Shows zum US-Wahlkampf und während eines Spaziergangs an der Isar kam mir dann schließlich die Idee, Elemente der House-Music mit einer politischen Botschaft zu verknüpfen.“ Und welches politische Thema würde sich da besser eignen als der allgegenwärtige, ebenso mächtige wie umstrittene Donald Trump?

Das Video entspringt kompletter Eigenregie. Hier sehen wir Current selbst als Donald Trump (links) und eine Freundin von ihm, die seine Konkurrentin Hillary Clinton verkörpert (rechts). Foto: Steve Current.
Das Video entspringt kompletter Eigenregie. Hier sehen wir Current selbst als Donald Trump (links) und eine Freundin von ihm, die seine Konkurrentin Hillary Clinton verkörpert (rechts). Foto: Steve Current.

Die Botschafts-Security fand‘s nicht ganz so lustig

Als sich in den USA also das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hillary Clinton und Multimillionär Donald Trump zuspitzte, steckte der gebürtige Regensburger mitten in seinem kreativen Schaffensprozess und setzte ein Projekt um, das in den sozialen Medien wenig später sehr gut ankommen sollte. Current kann tatsächlich durchwegs positive Bilanz ziehen. Die Kommentare, selbst die von amerikanischen Trump-Wählern, zeigten sich seinem Werk wohlgesonnen. Ein US-Amerikaner kommentierte beispielsweise, er fände das Video „cool“, würde sich aber nicht trauen, es zu teilen, da er sonst Angst hätte, sich in den USA „nicht mehr blicken lassen zu können“. Gut aufgenommen wurde vor allem die Tatsache, dass Current davon absah, in seinem Comedy-Video unter die Gürtellinie zu wandern – beide Präsidentschaftskandidaten sind, trotz der ein oder anderen satirischen Spitze, im Video ganz gut weggekommen.

Dabei ist jedoch nicht nur die Trump-Parodie an sich äußerst amüsant anzusehen, auch die Entstehungsgeschichte des Videos zwingt zum Schmunzeln. Current hat dabei eine ganze Palette an Stories auf Lager, von Menschentrauben beim Dreh vor dem Hofbräuhaus bis hin zu einem waschechten Polizeieinsatz. Letzteren erlebten der Musiker und seine Helfer, als sie einen Shot mit Donald Trump und US-Flagge vor der amerikanischen Botschaft in München aufnehmen wollten. „Das war ganz lustig“, erzählt Current lachend. „Meine Freunde, die an dem Tag filmten und ungeschickterweise auch noch komplett in schwarz gekleidet waren, stürmten, die Kamera im Anschlag, voraus in Richtung der Botschaft, was natürlich das Wachpersonal auf uns aufmerksam machte. Die Security verständigte dann die Polizei und wir mussten das erste und einzige Mal während des ganzen Videodrehs unsere Drehgenehmigung vorweisen.“ Zu dem Shot vor der Botschaft kam es deshalb nicht mehr, die Filmcrew wurde von den Beamten weggescheucht, noch bevor die Szene im Kasten war. Dass die Umsetzung des Projekts aufwändig war, sieht man dem Video an: Neben dem Basteln von Trump- und Clinton-Masken, dem Filmen und Schneiden des Videos, was etwa eine Woche beanspruchte, feilte Current mit Abstand am längsten an der Melodie. Für diese brauchte er eineinhalb Monate.

Der gebürtige Regensburger Steve Current ist überrascht vom Erfolg seines Comedy-Musikclips „Trump Dump“. Die Musik dazu produzierte der Elektro-Musiker in seinem Homestudio in München selbst. Foto: Steve Current.
Der gebürtige Regensburger Steve Current ist überrascht vom Erfolg seines Comedy-Musikclips „Trump Dump“. Die Musik dazu produzierte der Elektro-Musiker in seinem Homestudio in München selbst. Foto: Steve Current.

Current pflegt vielseitige Interessen

An elektronischer Musik reizt den Regensburger vor allem das Minimalistische. Doch auch Stile, die auf den ersten Blick weniger zu dem jungen Elektro-Musiker zu passen scheinen, beeinflussen ihn. Current ist Mitglied des Cantemus-Chors und zieht aus diesem Genre Inspiration für sein eigenes künstlerisches Schaffen.

Doch wie steht nun der passionierte Musiker selbst zur Person Donald Trump? Current zeigt sich ambivalent: Zum einen, sei er anfangs regelrecht „fasziniert“ von Trump gewesen, weil dieser es mit einer Prise Verrücktheit geschafft hat, sein zunächst aberwitzig erscheinendes Ziel, US-Präsident zu werden, gegen das Establishment durchzusetzen. „Andererseits grenzt Trumps Verrücktheit in vielen Punkten aber gefährlich nah an schieren Wahnsinn“, ergänzt der Student etwas nachdenklich. „Zum Beispiel mit der Äußerung, eine Mauer um Mexiko bauen zu wollen, um Flüchtlingsbewegungen von dort zu unterbinden. Jedem vernünftig denken Menschen muss doch klar sein, dass so etwas höchstens vor einigen tausend Jahren mit der chinesischen Mauer funktioniert hat.“ Auch von den „frauenverachtenden“ Äußerungen des Multimillionärs nimmt Current Abstand.

Weitere politisch angehauchte Projekte plant der USA-Fan, der selbst schon einmal für längere Zeit in Amerika herumreiste, momentan nicht. Eines verrät er dann aber doch: Sein nächstes größeres Projekt, soll das jugendliche Revoltieren gegen Erziehung thematisieren -– eine Art Hommage an Pink Floyds „Proper Education“.

Sie wollen sich selbst von der Trump-Pariodie des jungen Künstlers überzeugen? Und Donald Trump mit Maß und Lederhose sehen? Hier sehen sie das Video in voller Länge:

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