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Justiz

Regensburger Raser wurden verurteilt

Ein illegales Autorennen in der Regensburger Kirchmeierstraße hat Konsequenzen. Die Raser waren mit 150 Sachen unterwegs.
Von Marion von Boeselager

Mit extrem hohem Tempo hatten sich zwei junge Männer im Oktober in der Kirchmeierstraße ein Rennen geliefert. Eines der beteiligten Autos wird nun eingezogen. Beispielfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
Mit extrem hohem Tempo hatten sich zwei junge Männer im Oktober in der Kirchmeierstraße ein Rennen geliefert. Eines der beteiligten Autos wird nun eingezogen. Beispielfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Regensburg.Zwei Männer, die an einem Sonntag im vergangenen Oktober mit bis zu 150 Sachen am Steuer ihrer beiden Sportwagen die Kirchmeierstraße entlang bretterten, sind vor dem Amtsgericht der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen schuldig gesprochen worden. Sie wurden zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt. Ihre Fahrerlaubnis bleibt noch weitere sieben Monate gesperrt. Der ältere der beiden Autoliebhaber (33) muss sich zudem von seinem BMW M 3 (420 PS, Zeitwert 25.000 Euro) trennen: Der Bolide wird eingezogen.

Die Fahrer hätten sich bei dem spontanen Rennen „grob verantwortungslos“ verhalten, sagte Richter Ronald Moosburner in seiner Urteilsbegründung. „Sie waren voll auf das Fahren fokussiert und nahmen das Drumherum nicht mehr wahr, nicht mal Blaulicht und Martinshorn der Polizei“. „Bei einer Gefahrensituation hätten sie nicht mehr adäquat reagieren können“- etwa wenn ein Kind oder ein Radfahrer plötzlich die Straße überquert hätte.

Wie berichtet, waren sich der 24-jährige Fahrer eines BMW M 4 und ein 33-Jähriger, der am Steuer seines BMW M 3 saß, zufällig vor der Baustelle nach der Kreuzung Kumpfmühler Straße begegnet. Die jungen Männer fassten dabei beide den spontanen Entschluss, ein Rennen gegeneinander auszutragen, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft und des Gerichts. Nach der auf Tempo 30 begrenzten Baustelle drückten die Fahrer ihre Gaspedale durch und beschleunigten „nahezu maximal“, so Moosburner. Der 33-Jährige fuhr voraus. Der 24-Jährige setzte ihm nach.

Polizei kam nicht mehr hinterher

Eine Zivilstreife, die das mitbekam, nahm die Verfolgung auf. Sie setzte Licht- und Tonsignale ein und wurde Zeuge mehrerer Überholmanöver und Fahrspurwechsel der Sportwagen. Als der Tacho der Polizeibeamten 150 Stundenkilometer überschritt und sich der Abstand zu den BMW dennoch weiter vergrößerte, gaben die Beamten auf: Die Gefahr war zu groß. Sie verloren die BMWs aus den Augen. Der Fahrer der Streife kam jedoch auf die Idee, mal bei einem Schnellrestaurant nach den Sportwagen zu suchen. Tatsächlich parkten beide Boliden in der Defregger Straße. Die beiden Fahrer und ein Beifahrer standen beieinander, rauchten und plauderten. Viel spräche dafür, dass es beim Gespräch darum ging: „Wir haben‘s beide probiert, und gezeigt, was man aus dem Fahrzeug rausholen kann.“ Also um einen „Vergleich der Beschleunigungspotenziale“ ihrer Boliden, sagte Moosburner. Auf der Fahrt zur Dienststelle habe der 33-Jährige auch eingeräumt, das Ganze habe sich „spontan“ zu einem Rennen „aufgeschaukelt“. Im Gegensatz zu den Verteidigern sah das Gericht die Äußerung als „verwertbar“ an. Damit folgte Moosburner im wesentlichen den Argumenten der Staatsanwältin.

Verteidiger forderten Freispruch

Die beiden Angeklagten, die sich vorher nicht kannten, hatten vor Gericht über ihre Anwälte zwar die Tempo-Überschreibung gestanden. Ein Rennen sei das aber nicht gewesen.

Daher forderten beide Verteidiger Freispruch für ihre Mandanten.

Rechtsanwalt Thomas Winkelmeier bezweifelte in seinem Plädoyer, ob es sich denn schon um ein Rennen handle, wenn ein Fahrer „aufs Gas drückt, vielleicht um das Fahrzeug auszutesten, und ein anderer es auch tut und hinterher fährt?“ Es fehle hier der Vorsatz zu einem Rennen mit wettbewerbsähnlichem Charakter und konkludenter Vereinbarung. Die Fahrer hätten sich nicht überholt. Die Strecke sei kurz gewesen. Eine konkrete Gefährdung habe nicht vorgelegen. Zudem sei der Tacho der Beamten „nicht geeicht“ gewesen. Hilfsweise, für den Fall einer Verurteilung, beantragte er für den 33-Jährigen eine Geldstrafe von maximal 60 Tagessätzen. Die Einziehung des BMW sei zudem „nicht verhältnismäßig.“

Prozess

Mit 150 Sachen durch Regensburg gerast

Zwei junge Männer sollen sich auf der Kirchmeierstraße ein verbotenes Autorennen geliefert haben. Die Polizei war Zeuge.

Verteidiger Michael Haizmann prangerte an, hier werde „mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Die Polizei habe den Sachverhalt „aufgebauscht“. Sein Mandant sei zuvor mit seinem Beifahrer bei einem Jahnspiel gewesen. Er habe auf Wunsch seines Begleiters, der Alkohol getrunken hatte, das Steuer des BMW übernommen. Die Jungens hätten Gas gegeben. Sein Mandant habe sich vom Mitangeklagten „mitziehen lassen.“ Dies sei kein Autorennen gewesen. Sein Antrag: Freispruch.

Beide Angeklagte beteuerten in ihrem letzten Wort, so etwas werde nie mehr vorkommen. Sie seien zu schnell gewesen. „Aber das war kein Autorennen.“

Das Gericht sah das indes anders: 80 Tagesätze zu je 70 Euro lautete die Geldstrafe für den älteren der Fahrer, der auch seinen Schlitten abgeben muss.

Um einiges höher - 110 Tagessätze zu je 50 Euro - fiel die Geldstrafe des 24-jährigen Angeklagten aus. Hier gehörte der BMW dem Vater seines Beifahrers. Mit dem höheren Strafmaß, so Moosburner, habe er die Einziehung des Wagens beim anderen ausgleichen wollen.

Keine echte Gefährdung

Zugunsten der Angeklagte nannte der Richter, dass beide Fahrer bis dahin weder straf- noch verkehrsrechtlich vorgeahndet waren, sowie ihre Teilgeständnisse. Es habe damals, an einem Sonntag kurz nach 18 Uhr, auf der Kirchmeierstraße wenig Verkehr geherrscht. Zu einer echten Gefährdung sei es glücklicherweise nicht gekommen. Ob sie tatsächlich Tempo 150 fuhren, sei nicht klar belegt, wegen des nicht geeichten Polizei-Tachos und eines „Sicherheitsabschlags“. 120 Stundenkilometer, doppelt soviel wie die erlaubten 60, seien es aber sicher gewesen, so das Gericht.

Auf der Negativseite hob Moosburner jedoch das „außerordentliche hohe Gefährdungspotenzial“ hervor. Die Fahrer hätten einer „Fehleinschätzung“ unterlegen, zu was sie fahrtechnisch noch zu leisten in der Lage gewesen wären, wäre es tatsächlich zu einer Gefahrensituation gekommen. In Hamburg und Berlin seien Raser wegen Mordes verurteilt worden. Bei einem Unfall mit tödlichem Ausgang hätte auch wegen eines Kapitaldelikts ermittelt werden können - „auch in diesem Bezirk“, betonte der Richter.

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